Spieletest Fußball Manager 11: Mit der Extraportion Taktik
Auf den ersten Blick hat sich beim Fußball Manager 11 im Vergleich zum Vorjahr nur wenig geändert. Immer noch sind unzählige Entscheidungen zu treffen, bevor das erste Training der eigenen Mannschaft geleitet werden kann. Bevor es losgeht, müssen angehende Kaderchefs zunächst einmal Lieblings- und Hassverein, Frisur und Anzug, Familiensituation und Körpergröße festlegen. Auch dann ist es noch ein weiter Weg bis zum ersten Spieltag: Sind Verein, Liga und Saisonziel festgelegt, quillt der Posteingang bereits vor E-Mails über – es gilt, zahllose Entscheidungen zu treffen, erst dann darf der Ball rollen.
Wer den Fußball Manager 11 zum ersten Mal spielt, wird mit dieser Optionsvielfalt unter Umständen überfordert sein – es ist eben nicht jedermanns Sache, im Stile eines Felix Magath jegliche noch so kleine Detailentscheidung zu übernehmen. Immerhin: Wer weniger Zeit in Menüs verbringt und nur direkt auf die Spieltage Einfluss nimmt, delegiert eben wirtschaftliche Entscheidungen an die Assistenten, deaktiviert das Privatleben, überspringt Interviews mit der Presse oder Verhandlungen mit Sponsoren und ignoriert meckernde Spieler. Selbst ein schneller Vorlauf von Tag zu Tag bis zum Wunschtermin, etwa dem nächsten Pokalkracher, ist möglich. Der Spieler wird dann nur noch über die ganz wichtigen Dinge informiert; etwa, wenn der Topstar plant, den Verein zu verlassen.
Transfers sind ein Bereich, in dem das Kölner Entwicklerstudio Bright Future(öffnet im neuen Fenster) massiv nachgebessert hat. Nicht nur, dass Wechsel von wichtigen Leistungsträgern zu unwichtigen Vereinen nun unwahrscheinlicher geworden sind. Auch die Einflussmöglichkeiten sind immens ausgebaut worden – die Zeit, die auf dem Transfermarkt verbracht wird, steigt somit signifikant an. Ablösesummen festlegen, Agenten anheuern, Spieler loben und so über die Presse gefügiger machen oder auch mal Scheinangebote abgeben und so die Konkurrenz ausstechen – PC-Manager dürfen sich nach Herzenslust austoben. Vor allem natürlich in der Sommerpause, denn wie im echten Leben sind die besten Spieler vor allem zwischen den Spielzeiten verfügbar.
Eine Taktik für jeden Kicker
Ebenfalls vielfältiger sind die Taktikeinstellungen. Jedem einzelnen Kicker lassen sich per Klick Vorgaben machen – vom Spielen der Abseitsfalle übers aggressive Tackling bis hin zum individuellen Laufweg oder der Länge des Eckballs. Ähnlich wie in Fifa 11 spielen die Charakterwerte jedes einzelnen Spielers eine entscheidende Rolle: Abhängig von bevorzugter Position, Erfahrungswert und individueller Stärke werden die jeweiligen Anweisungen besser oder schlechter umgesetzt.
Die zahlreichen Möglichkeiten, auf kleinster Ebene in den Spielablauf einzugreifen und sich in Details auszutoben, können allerdings nicht verdecken, dass sich in vielen anderen Bereichen nicht viel getan hat – über weite Strecken, etwa bei den Spielszenen, erinnert der Fußball Manager 11 deutlich an den Vorgänger. Die Veränderungen sind minimal – ein paar längere Passagen im Textmodus, neue Zwischenmeldungen, mehr Teams und die Möglichkeit, auch ein Nationalteam bei der WM2010 zu managen, runden das komplexe Paket ab. Der im letzten Jahr neu eingeführte Onlinemodus erlaubt weiterhin Partien über Internet mit bis zu acht Spielern. Neu ist unter anderem ein Aktionskartensystem, mit dem die Teilnehmer direkteren Einfluss auf das Geschehen haben.
Fußball Manager 11 ist für Windows-PC verfügbar und setzt eine CPU mit mindestens 2,4 GHz, unter Windows XP 1 GByte RAM und unter Vista und 7 das Doppelte voraus. Die Grafikkarte muss über 256 MByte Speicher verfügen und Shader Model 2.0 unterstützen. Auf der Festplatte belegt das Programm rund 8 GByte. Die USK hat es ohne Altersbeschränkung freigegeben.
Fazit
Ein deutlich aufgebohrter Transfermarkt, viel mehr taktische Möglichkeiten bis zur Bestimmung kleinster Spielzüge, noch zahlreichere Assistenten, Ereignisse und Entscheidungsmöglichkeiten – EA Sports hat dem ohnehin schon komplexen Fußball Manager mehr Realismus und Auswahlmöglichkeiten spendiert. Die Neuerungen sind bis auf wenige Aussetzer sinnvoll und gekonnt integriert, lassen auch die zehnjährige Jubiläumsausgabe praktisch konkurrenzlos das Genre dominieren – und können trotzdem nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass in vielen anderen Spielbereichen wie beim Onlinemodus oder der altbekannten 3D-Engine die Unterschiede zum Vorjahr kaum der Rede wert sind.
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