Spieletest NBA 2K11: Eine Zeitreise mit Jordan und Magic

Die Entwickler von Visual Concepts müssen bei der Entstehung von NBA 2K11 so motiviert gewesen sein wie noch nie. Anders ist der Qualitätssprung, den das Sportspiel gegenüber allen bisherigen Basketballspielen gemacht hat, nicht zu erklären. Ob mit oder ohne Einwirkung des Spielers – das Programm simuliert den Alltag der NBA bis ins letzte Detail realitätsnah.
Durch die Jordan-Lizenz sind auch klassische Basketballpartien der 1980er und 1990er Jahre spielbar. Jordans Duelle mit Clyde Drexler, Dominique Wilkins, Larry Bird und Magic Johnson sind eine gelungene Zeitreise. Das Spiel schafft es, die einzigartige Atmosphäre der alten Matches neu zu erzeugen. Die Kommentatoren erzählen beispielsweise Geschichten über damalige Verletzungen der Sportler oder zitieren originale Jordan-Moves mit einem wohligen: "Oh my Goodness!"

Die Jordan-Challenges im Spiel sind eine echte Herausforderung. In ihnen geht es darum, Jordans Statistiken in seinen besten Partien nachzuspielen oder zu übertreffen. In einer Playoff-Begegnung gegen die bärenstarken Boston Celtics 63 Punkte und fünf Assists zu erzielen, ist nicht leicht – zumal Jordan zu der Zeit noch kein berühmter Schütze war, sondern seine Punkte unter dem Korb und an der Freiwurflinie sammelte. Alle Spieler haben ihre individuellen Stärken und Schwächen aus der jeweiligen Saison.
Wer nicht in Erinnerungen schwelgen möchte, muss das auch nicht. Natürlich bietet NBA 2K11 auch klassische Spielmodi wie den Franchise-Modus oder das All-Star-Game. Nicht neu, aber so gut umgesetzt wie noch nie ist der Mein-Spieler-Modus. Hier erstellen Spieler einen virtuellen Athleten und bessern in Trainingspartien und Drill-Challenges ihre Fähigkeiten auf, wie in einem Rollenspiel.
















Interessant ist das überarbeitete Bewertungssystem, nach dem Spieler Erfahrungspunkte sammeln. Schnell steigen nur Spieler auf, die sich ihrer Rolle entsprechend verhalten. Ein Drei-Punkte-Schütze etwa wird für die gute Auswahl seiner Schüsse belohnt, auch wenn sie das Ziel verfehlen. In der Defensive ist es keine Tragödie, wenn der Gegner mal punktet – belohnt wird das korrekte defensive Verhalten in Doppelteams oder enger Deckung. Wer aber auf der Taste zum Blocken oder Ballstehlen herumhämmert – wie in allen bisherigen Basketballspielen üblich -, fängt sich jede Menge Minuspunkte ein.
Purer Realismus
Das Resultat sind Spiele, die wie echte NBA-Duelle wirken. Die Begegnungen in unserem Test, die über zwölf Minuten pro Viertel im Simulationsmodus liefen, boten am Ende der Partie realitätsgetreue Statistiken und Ergebnisse. Einmal wurde unser selbst erstellter Athlet nach einem 98-zu-82-Sieg über die Phoenix Suns mit 28 Punkten, zehn Rebounds und acht Assists zum besten Spieler gewählt – knapp am Triple Double vorbei.
Nach und zwischen den spielbaren Passagen bietet NBA 2K11 eine würdige, TV-artige Präsentation mit Cheerleadern in den Viertelpausen, einer opulenten Aufbereitung der besten Spielzüge und den klassischen Sound-Jingles der NBA-Stadien. Die Liebe zum Detail, die die Entwickler in Animationen, Signature-Moves oder das Publikum gesteckt haben, lässt andere Sportsimulationen wie Fifa 11 blass aussehen. Einzig die polygonarmen Trainer an der Seitenlinie lassen wie immer in NBA 2K zu wünschen übrig.

Wer die knallharte KI auf höheren Schwierigkeitsstufen besiegen will, muss auch am Gamepad Fingerspitzengefühl beweisen. Die komplexe Steuerung von NBA 2K11 will gemeistert werden. Zwar lassen sich auch Casual-Partien mit Pass, Schuss, Block und Turbo mit heruntergeschraubten Optionen erstellen. Wer aber mit Spielzügen zum Korberfolg kommen möchte, muss ein paar Knopfkombinationen auswendig lernen. Auch gezielte Pässe müssen erst mit dem RB-Knopf aktiviert werden. Das Passsystem ist durch den höheren Realismus schwieriger geworden. Pässe über den halben Platz kommen nur noch selten an und Gegenspieler blockieren effektiv Passwege. Den offenen Mann zu finden ist schwerer denn je.
NBA 2K11 ist für Xbox 360, Playstation 3 und den PC erhältlich und kostet 40 (PC) beziehungsweise 60 Euro (Konsole). Die PC-Version setzt einen Pentium 4 mit 2,4 GHz, 512 MByte RAM und eine DirectX-9 fähige Grafikkarte mit 128 MByte Speicher sowie 10,4 GByte Festplattenspeicher voraus. Das Sportspiel hat eine USK Freigabe ab 0 Jahren. Die sonst jährliche Konkurrenz von Electronic Arts NBA Elite (ehemals NBA Live) wird 2010 wegen Qualitätsmängel nicht mehr erscheinen.
Fazit
NBA 2K11 ist ein wahr gewordener Videospieltraum für NBA-Fans und Basketballspieler. Der Sport wird realitätsgetreu simuliert, was die Herzen von Statistikfans höher schlagen lässt. Einen selbst erstellten Athleten auf NBA-Niveau hochzuleveln ist durch das neue Bewertungssystem sehr motivierend, wenn auch etwas langwierig. Die Jordan-Lizenz ist ein zusätzliches Atmosphäreplus für Spieler, die die Geschichte der besten Basketballliga der Welt umschreiben wollen oder sich einmal wie Michael 'Air' Jordan fühlen wollen, ohne selbst die Zunge herausstrecken zu müssen.
Durch die volle Packung Präsentationsbombast mit knackigen TV-Kommentaren, Signature-Moves der Stars und einem passenden Soundtrack fallen nur Kleinigkeiten negativ auf. Die Trainer sind nach wie vor grafisch schwach umgesetzt und die Einblendungen für komplexe Spielzüge verdecken etwas zu viel vom Spielgeschehen. Die komplexe Steuerung wird Einsteigern zudem kaum erklärt, ein Tutorial, das die Möglichkeiten am Gamepad verdeutlicht, fehlt. Dennoch können Spieler nach NBA 2K11 zurecht fragen: Warum geht das in anderen Sportspielen nicht ebenso gut?