Spieleentwickler ohne Beratung durch Historiker

Die Spieleentwickler kämen bislang noch ohne historische Expertise aus, sagt Schwarz. Designer griffen lediglich auf ihr eigenes Geschichtswissen zurück. "Dort glaubt man, dass es einfach nur teurer wäre, sich von Historikern beraten zu lassen, ohne dass sich das positiv auf den Verkauf auswirken würde", sagt Schwarz. So kann man an den Spielen wohl derzeit vor allem eines ablesen: das Geschichtsbild des gesellschaftlichen Milieus, aus dem Spieleentwickler kommen.

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Während die Kontexte eher oberflächlich, sicherlich auch einmal unsauber dargestellt werden, sind die Hersteller in optischen Fragen um große Genauigkeit bemüht. Hier betreiben sie durchaus Quellenstudium. "Ein historisches U-Boot muss dann auch originalgetreu aussehen, denn unter den Spielern gibt es Experten, die sich beschweren, wenn die Anzeige nicht im richtigen Winkel zum Schalter angebracht ist oder eine Maßeinheit falsch ist", erzählt Schwarz.

Anregung zum Nachdenken

Dennoch wollen die Historiker keine Fehlerlese betreiben. "Ich finde es schon positiv, wenn ein Spiel einen Menschen dazu anregt, über Zusammenhänge nachzudenken oder gar nach dem Spiel mehr erfahren zu wollen", sagt sie. In dem Spiel Civilization etwa könne man jederzeit durch Drücken von F12 die sogenannte Zivilopädie aufrufen, mit der Möglichkeit, Konzepte und Gegenstände zum Spiel nachzulesen. Sicher könne man darüber streiten, wie hoch die Qualität der Informationen sei, wenn ein so komplexes Thema wie "Was ist Kapitalismus" in drei Absätzen dargestellt würde, sagt Schwarz. "Aber das könnte Interesse wecken, sein Wissen später vertiefen zu wollen."

Als ein besonders liebenswertes Detail hat Schwarz die sogenannte El-Cid-Kampagne im Spiel Age of Empires - The Conquerors Expansion von 2000 in Erinnerung. Denn das Spiel erzählt nicht nur aus der Perspektive von Sieg und Niederlage, sondern nimmt auch die menschlichen Konsequenzen in den Blick. Die Frau des Protagonisten Rodrigo Dias, genannt El Cid, schildert dort ihre Sicht auf die Auswirkungen des Konfliktes. "Die gelieferten Informationen und vor allem die Sicht der Ehefrau sind für die Absolvierung des Spiels gar nicht nötig, bieten aber Ansatzpunkte für einen Perspektivwechsel."

Auf jeden Fall sollte man die Spiele ernst nehmen, sagt Schwarz, und weiter erforschen, wie die Inhalte auf Spieler wirken. Und man solle untersuchen, wie historische Inhalte differenzierter dargestellt in die Spiele eingebaut werden könnten. Das ginge, so die These der Professorin, ohne dabei zu langweilen. Erste Ansätze dafür sieht sie in den untersuchten Spielen durchaus gegeben,"vielleicht nicht auf dem Niveau eines Hauptseminars, aber weitaus differenzierter als gemeinhin angenommen." [von Tina Klopp, Zeit Online]

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 Spieleforschung: Der Zweite Weltkrieg ist besonders beliebt
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Bullet No. 1 15. Okt 2010

Hast recht...nagut, dann eben "I got a token" oder "see ya"

Fischverteiler 15. Okt 2010

Da stand ausnahmslos nur Unsinn drin, die Löschung war einfach nur eine Frage der Zeit.

Trollversteher 15. Okt 2010

Wem sagst Du das, habe jahrzentelang selber Spiele entwickelt... Aber mit der richtigen...

Knorkeeet 15. Okt 2010

In vielen Spielen werden Märchen, Sagen und auch Filme und Bücher referenziert. Dies hat...

Trollversteher 15. Okt 2010

Naja, das hängt schon stark von Sender und Herkunftsland ab... Bei den Dokus auf den...



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