Spielebranche: BIU über Wettbewerbsnachteile für deutsche Spielentwickler
"Um sich international mit einem Videospiel durchsetzen zu können, sind zum Teil Investitionen im zweistelligen Millionenbereich erforderlich. Vor allem kleinere Entwicklerstudios und Start-ups können solche Budgets häufig nicht aus eigener Kraft stemmen", sagte Olaf Wolters, der Geschäftsführer des BIU, der die Interessen aller großen Publisher in Deutschland vertritt. Anlass für seine Klage ist die Tagung Gameplaces International(öffnet im neuen Fenster), die am 15. Oktober 2010 in Frankfurt stattfindet und sich mit dem Thema Spielefinanzierung beschäftigt.
Trotz guter Ideen und kreativen Potenzials gerate Deutschland immer wieder ins Hintertreffen und verliere den Anschluss an die großen Wachstumstrends, so der BIU. Dabei sei der deutsche Spielemarkt laut einer Erhebung des Verbandes seit vergangenen 2005 kontinuierlich gewachsen und umfasse aktuell ein Gesamtvolumen von rund 1,8 Milliarden Euro. Damit liege er umsatztechnisch vor Unterhaltungsbranchen wie Kino, DVD und Musik. Lediglich Kino und DVD-Vertrieb zusammengenommen erzielten einen höheren Umsatz als die Gamesbranche.
Vor allem der Erfolg kleinerer Projekte sei oft von Drittmitteln abhängig, so Arwed-Ralf Grenzbac, langjähriger Geschäftsführer von Take 2, der jetzt als Berater in der Branche tätig ist. "Eine Spieleförderung ist in Deutschland praktisch nicht vorhanden. Bis zu 90 Prozent der Medienförderung fließen in den Film – obwohl die Games-Branche die Filmindustrie umsatztechnisch längst überholt hat. Steuererleichterungen, wie sie in Kanada erfolgreich eingesetzt werden, um Game-Entwickler anzusiedeln, oder andere Subventionen gibt es nicht in Deutschland". Vor allem kleinen Produktionsstudios oder Start-ups fehlt es nach Ansicht von Grenzbach häufig an Kapital, um innovative Ideen umzusetzen. Investitionen durch Risikokapitalgeber in deutsche Entwickler spielen seiner Ansicht nach so gut wie keine Rolle.
Engagiert bei der Förderung von Computerspielen sind in Deutschland nur wenige Bundesländer – das Bundesforschungsministerium reagiere nach Auskunft von Brancheninsidern meist abweisend, wenn dort neue Computerspielprojekte vorgestellt würden. Aktive Förderung in nennenswertem Umfang gibt es vor allem in Hamburg, Berlin und Brandenburg sowie, einmal im Jahr, durch die Preisgelder des Deutschen Computerspielpreises.