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Soziale Netzwerke: Soll Facebook den Weltfrieden bringen?

Facebook ist nach Mitgliedern die drittgrößte Nation der Welt. Intern gibt es Diskussionen, diesen Einfluss für den Frieden zu nutzen. Klingt gut, hat aber einen Haken.
/ Alexander Syska
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Randi Zuckerberg ist, wenn man ihrer eigenen Terminologie folgt, so etwas wie die Regierungssprecherin der drittgrößten Nation der Welt. Die Schwester von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit des sozialen Netzwerks. Und sie rechnet gern vor, dass nur noch zwei Länder auf der Erde mehr Einwohner haben als Facebook Mitglieder(öffnet im neuen Fenster): China und Indien.

Was wie ein netter Marketingslogan klingt, hat einen ernsten Hintergrund. "Welchen Einfluss kann die drittgrößte Nation der Welt haben?", fragte Randi Zuckerberg am Dienstag auf dem Personal Democracy Forum in Barcelona. Und stellte anschließend das Projekt peace.facebook.com(öffnet im neuen Fenster) vor. Die Seite wertet die Verbindungen zwischen Facebook-Mitgliedern aus und will aufzeigen, wie viele politische, religiöse und kulturelle Gräben das Netzwerk überwindet. Dort stehen dann beeindruckende Zahlen. Dass sich in den vergangenen 24 Stunden 7.160 Pakistaner und Inder miteinander befreundet haben zum Beispiel oder 16.300 Griechen und Türken.

Man habe eine Vision, sagte Zuckerberg. Man wolle den Frieden unterstützen, indem man helfe, dass Menschen weltweit einander besser verstünden.

Die Art und Weise, in der die Unternehmensführung an der guten Sache arbeitet, hat jedoch einen Haken: Facebook ist, wie alle sozialen Netzwerke, vor allem ein Werkzeug. Wie es eingesetzt wird, bestimmen diejenigen, die es benutzen. Wenn Menschen weltweit das Instrument verwenden wollen, um am Weltfrieden zu arbeiten, ist das prima. Wenn die Firmenleitung aber entscheidet, dies zu tun, wird es schwierig. Zumal, wenn man dafür an politischen Gesprächen teilnehmen will.

Niemand hat Mark Zuckerberg und seine Angestellten gewählt, sie haben keine demokratische Legitimation, um für andere Menschen zu sprechen. Außerdem wird niemals ganz transparent sein, für wen sie eigentlich arbeiten, für ihre Nutzer, daher die Bürger, oder für ihre Aktienbesitzer, also sich selbst? Ja, die Nutzer können mit den Füßen abstimmen, also zu einem anderen Anbieter überlaufen. Aber sie können beispielsweise nicht wie bei einem Staat sagen, wir wollen das "Werkzeug Staat" nutzen, aber wir wollen, dass jemand anderes es lenkt. Oder wird Zuckerberg 500 Millionen Nutzer abstimmen lassen, wer der nächste CEO von Facebook sein sollte?

Bislang schien dies auch bei Facebook Konsens zu sein. Nicht umsonst hielt man sich mit politischen Äußerungen zurück und bewarb auf der Startseite beispielsweise keine Hilfsfonds für Haiti, wie es das amerikanische Portal Craigslist tat. In einem Interview im vergangenen Jahr betonte Randi Zuckerberg auch noch, dass man eben lediglich ein Werkzeug sei und keine Partei ergreife.(öffnet im neuen Fenster)

Projekt Weltfrieden

Noch beschränkt man sich darauf, die Nutzer zu fragen, was sie wollen. So gibt es auf der Friedensseite eine tägliche Umfrage, wie viele Mitglieder glauben, dass in 50 Jahren der Weltfrieden möglich sei. Interessanterweise ist dieser Glauben in den USA am geringsten. Nur neun Prozent halten das dort derzeit für wahrscheinlich, in Deutschland sind es demnach zehn Prozent, in der Türkei 18 und in Israel 20 Prozent. Nicht wirklich viele.

Facebook scheint zu überlegen, wie sich dieser Wert steigern ließe. Denn Zuckerberg berichtete stolz, dass die amerikanische Präsidentenwahl für sie ein wichtiges Erlebnis gewesen sei. Dort habe man durch Aufrufe, wählen zu gehen, die Wahlbeteiligung um ein Vielfaches erhöhen können. Inzwischen gebe es diese Aufrufe vor Wahlen weltweit auf den regionalen Startseiten von Facebook.

Das ist bestimmt eine gute Sache. Nun aber sagte Randi Zuckerberg, man sei sich noch nicht einig, ob man auch zu aktuellen Ereignissen wie dem Erdbeben auf Haiti eine Haltung einnehmen oder neutral bleiben wolle. Die Debatten darüber gingen "hin und her".

Das ist beunruhigend, heißt es doch, dass man die Macht, die man zu haben glaubt, unter Umständen auch für andere Dinge als die Wahlbeteiligung einsetzen will. Was im Zweifel schnell Fragen nach der inneren Demokratie des Netzwerkes aufwerfen könnte. Und es gibt noch ein Problem. Bei aller Beteuerung, neutral zu sein, nimmt Facebook auch jetzt schon Einfluss(öffnet im neuen Fenster) auf jene, die das Instrument Netzwerk nutzen wollen. Das aber geschieht auf Grundlage der allgemeinen Geschäftsbedingungen, die ebenfalls so wenig demokratisch legitimiert und wie durch Mehrheitsentscheidung veränderbar sind – auch wenn man gelegentlich diesen Anschein erweckt(öffnet im neuen Fenster).

Micah Sifry, der Mitgründer des Personal Democracy Forums, machte anschließend eine wichtige Bemerkung: Das Seltsame an so einer virtuellen Nation sei, dass nicht klar sei, "ob sie einen privaten oder einen öffentlichen Raum darstellt". Handele es sich eher um ein Einkaufszentrum, in dem die Geschäftsführung bestimme, wer was dürfe, oder eher um einen öffentlichen Platz, "auf dem mehr Redefreiheit herrscht"? Zuckerberg hatte darauf keine direkte Antwort. Vielleicht könne man ja bei der nächsten Konferenz wieder darüber sprechen, sagte sie nur. [von Kai Biermann, Zeit Online(öffnet im neuen Fenster)]


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