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Sebastian Thrun: So baut man ein autonomes Auto

Vor fünf Jahren fuhr der Roboter Stanley in einem VW Touareg ohne Hilfe von außen durch die Mojave-Wüste. Sein Erfinder Sebastian Thrun hat nun mit viel bisher unveröffentlichtem Material erklärt, wie schwer die Entwicklung war, und dass das Konzept "Auto" noch viel besser werden muss. Golem.de zeigt die Rede in ganzer Länge.
/ Nico Ernst
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Sebastian Thrun(öffnet im neuen Fenster) gilt international als einer der kreativsten Wissenschaftler im Bereich der künstlichen Intelligenz. Das brachte ihm nicht nur Professuren an der Carnegie-Mellon-Universität im US-Bundesstaat Pennsylvania und in Stanford im US-Bundesstaat Kalifornien ein, sondern auch für sein Team 2 Millionen US-Dollar. So hoch hatte die US-Militärforschungsbehörde Darpa die Grand Challenge dotiert, mit der nach dem ersten voll autonomen Fahrzeug gesucht wurde.

Autos vom Computer gesteuert - ein Vortrag von Sebastian Thrun von der Stanford-Universität
Autos vom Computer gesteuert - ein Vortrag von Sebastian Thrun von der Stanford-Universität (46:38)

Thruns "Stanley" genannter Touareg gewann dieses Rennen über 212 Kilometer im Jahr 2005 - ein Jahr zuvor war das damals beste Team bei knapp 12 Kilometern gescheitert. Da modernere Stanford-Autos auch mit GPUs für Bilderkennung rechnen, durfte Thrun zum Abschluss der GTC in San Jose auf Nvidias Einladung den Weg zum fahrerlosen Auto noch einmal nachzeichnen. Zu Anfang versagte dabei jedoch das Mikrofon, noch bevor Thrun Fahrt aufnehmen konnte.

Anschließend führte der Wissenschaftler viele Aufnahmen aus der Entwicklung von Stanley vor und sparte nicht mit Anekdoten. So hatten die Forscher ihre ersten Versuche auf dem Parkplatz der Stanford-Universität durchgeführt. Als die Kollegen mitbekamen, dass dort ein Auto ohne Fahrer am Werk war, wurden am darauffolgenden Tag freiwillig keine anderen Fahrzeuge mehr abgestellt.

Die 2X Challenge

Mit seinem launigen Vortrag verfolgte Thrun jedoch ein ernstes Anliegen: Autos sind seiner Meinung nach immer noch schrecklich ineffizient und gefährlich. So soll das erste Automobil der Massenfertigung, Fords Model-T, genauso energieeffizient gewesen sein, wie moderne Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Und Autounfälle sind in den USA die Todesursache Nummer eins bei jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren.

Neben diesen Problemen erwähnte Sebastian Thrun noch andere interessante Beobachtungen. Selbst eine nach heutigen Maßstäben voll ausgelastete Autobahn ist Thrun zufolge nur zu acht Prozent der Fläche mit Autos bedeckt - den Rest macht vor allem der Sicherheitsabstand aus. Wenn Autos den Abstand selbst bestimmen könnten, so Thrun, könnte der Verkehr viel effizienter werden. Gleiches gilt für Ampeln: Wenn die Autos mitdenken, könnte man die Regelungen an Kreuzungen gleich ganz abschaffen.

Dass solche Lösungen noch nicht existieren, warf Thrun den versammelten Wissenschaftlern vor: "Wir betreiben viel zu wenig Innovation" , sagte der deutschstämmige Forscher. Quasi als Hausaufgabe gab er den Kollegen seine eigene "2x Challenge" mit auf den Weg. Die Autos der Zukunft müssten, um das Konzept des individuellen Fortbewegungsmittels zu retten, halb so viel Energie verbrauchen. Im Gegenzug müssten dabei Straßen doppelt so effizient werden, die Autos doppelt so sicher - aber auch die Zahl der Wagen selbst sollte sich, zum Beispiel durch Car Sharing, halbieren, forderte Sebastian Thrun.


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