Spieletest Fifa 11 gegen PES 2011: Bundesliga versus Champions League

Die Vorbereitungen haben lange gedauert, jetzt findet das Genre-Derby statt: Fifa 11 von EA Sports im Duell mit Pro Evolution Soccer 2011 von Konami. Beide Sportspiele lagen Golem.de in Versionen für mehrere Plattformen vor.

Lizenzen
Fifa ist und bleibt der Krösus in Sachen Lizenzen. Mehr Originalteams, Spieler, Stadien und Ligen hat kein anderes Fußballspiel zu bieten. Wer die erste und zweite Bundesliga, aber auch unzählige internationale Wettbewerbe und Pokalspiele mit den berühmtesten Teams erleben will, bekommt sie in Fifa 11 geboten. Pro Evolution Soccer 2011 hat das Nachsehen: Zwar können Spieler wie Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller auch hier gesteuert werden – Konami hat einige Nationalteams im Spiel, zudem gibt es den europäischen Topwettbewerb Champions League mit Teams wie Bayern München. Im Vergleich zu Fifa ist das aber marginal, zumal viele Daten noch nicht auf dem aktuellen Stand sind – und neue Lizenzen wie etwa der jetzt verfügbare Copa Santander Libertadores, die südamerikanische Version der Champions League, auch eher eine nette Ergänzung als wirkliche Verbesserungen sind.
















Modi
Bei den Spielmodi nehmen sich beide Titel kaum etwas. Zwar hat EA Sports aufgrund der größeren Anzahl an Wettbewerben und Teams ein wenig die Nase vorn. Grundsätzliche Optionen wie schnelles Spiel, Turnier, ganze Saison, Karriere- oder kleiner Managementausflug sowie diverse Onlinemöglichkeiten beherrschen aber beide. Auch die Option, einen einzelnen Spieler herauszupicken und mit ihm alleine alle Titel zu gewinnen, ist den Konkurrenten gemein. Allerdings wirkt der "Be A Pro"-Modus von Fifa 11, in dem sich übrigens auch ein Torwart steuern lässt, etwas ausgefeilter und umfangreicher als die "Become A Legend"-Variante bei Konami.
Neue Pässe braucht der Spieler
Bedienung
Die Entwickler beider Spiele haben es sich zum Ziel gesetzt, vor allem das Passsystem realistischer zu gestalten. Bei Konami hat das zur Folge, dass dank neuer Ausdauer- und Kraftbalken nicht nur die Richtung, sondern auch die Stärke des Passes perfekter dosierbar ist. Gerade zu Beginn führt das zu zahlreichen Fehlpässen, da es dauert, bis Tempo und Ziel des Balles genau so umgesetzt werden können, wie der ballführende Spieler es sich wünscht – und die Kugel auch wirklich beim Mitspieler und nicht irgendwo im Feld landet. Insgesamt ist die Überarbeitung gelungen; die Möglichkeiten, raffinierte Angriffszüge umzusetzen, sind umfangreicher, das Spiel insgesamt abwechslungsreicher.
















EA Sports hingegen belässt es nicht nur bei einer Überarbeitung der Pässe, sondern bringt die Persönlichkeit des jeweiligen Kickers mit ein. Ein schneller Flügelstürmer etwa hat größere Chancen, den Abwehrspieler zu überlisten oder den Schuss im Netz zu versenken, ein grobschlächtiger Verteidiger hingegen bleibt beim Offensivvorstoß gerne mal hängen. Es gilt also, vor der jeweiligen Aktion zu überlegen, ob gerade auch der passende Spieler für den eigenen Plan im Ballbesitz ist. Anders formuliert: Ein Messi hat größere Chancen, den Ball zu versenken oder den kniffligen Pass zum Mitspieler zu bringen als sein rustikaler Abwehrspieler – ganz wie im richtigen Leben.
Spielablauf
Schnelle Passstafetten, Zeitspiel bei knapper Führung kurz vor Schluss, unglückliche Lattentreffer – bei Unberechenbarkeit und realistischem Spielablauf sind die Konkurrenten gleichwertig. Die Ballphysik mag bei PES 2011 noch etwas mehr dem Verhalten auf dem echten Grün entsprechen, insgesamt sind hier Unterschiede aber nur mit der Lupe zu finden, zumal die Entwickler von Fifa 11 mittlerweile die einfachen Dribbelkombinationen des Vorgängers unterbunden haben und dem Spieler hier auch mehr abverlangen. Profis finden in beiden Fällen eine große Herausforderung mit unzähligen Möglichkeiten – da ist es nur noch Geschmackssache, was dem Spieler besser gefällt.
Präsentation
Langjährige PES-Spieler hätten sich sicherlich gewünscht, dass Konami bei der Präsentation den Abstand zu Fifa 11 verringert – leider ist hier aber kaum etwas passiert. Ein paar zusätzliche Animationen wurden den Kickern zwar spendiert: Die realen Fußballer sehen ihren Vorbildern auch ähnlicher als früher, zudem gibt es ein neues, schickes Hauptmenü. Insgesamt ist hier aber noch viel Luft nach oben. Vor allem das Geschehen neben dem Platz enttäuscht, bei den Fangesängen und den aktbekannten Kommentatoren hat sich wenig getan. In dieser Hinsicht kann EA Sports einen ungefährdeten Sieg einfahren: Bessere Sounds und neue Spielkommentare sorgen für deutlich mehr Atmosphäre, Stadien, Rasen und Spieler wirken viel besser inszeniert – wenn auch manchmal etwas zu bunt im Gegensatz zum auf blassere, aber auch realistischere Farben setzenden PES.
Vergleich der Plattformen
PC versus Konsole
Die diesjährigen Versionen von Fifa 11 und Pro Evolution Soccer 2011 unterscheiden sich deutlich voneinander. Die PC-Fassung von Fifa 11 basiert grafisch auf der PS3- und Xbox-360-Engine vom letzten Jahr. Das Vergleichsvideo zeigt aber, dass dank der aktuellen Lizenz grafisch kaum Unterschiede bemerkbar sind. Nur in den Aufmärschen vor den Spielen und bei Torjubel ist das Konsolen-Fifa deutlich opulenter und ausführlicher. Dafür läuft das PC-Fifa-11 schön flüssig, während es auf der Konsole zum ein oder anderen Ruckler kommt.

Das gilt auch für PES 2011. Auf dem PC ist es flüssig und sauber dargestellt. Fußballduelle auf Xbox 360 und PS3 haben einen deutlich höheren Einsatz von Motionblur und stocken in den Nahaufnahmen der Spieler.

Sowohl Fifa 11 als auch PES 2011 sind für Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3 erhältlich sowie, stark abgewandelt, für weitere Plattformen wie Playstation 2, Wii und die PSP. Die Preise bewegen sich im gewohnten Rahmen: 50 bis 60 Euro für die Konsolenversionen, knapp 40 Euro für die PC-Fassung. Allen gemein ist eine USK-Altersfreigabe ab null Jahren.
Fazit
Sowohl Fifa 11 als auch PES 2011 sind herausragende Fußballspiele geworden – Anhänger der jeweiligen Reihe werden genügend Gründe finden, warum ihr Spiel dieses Jahr den Sieg verdient hat. Konami bringt sich allerdings aufgrund der nur marginalen Änderungen wie dem überarbeiteten Passsystem selbst ein wenig ins Hintertreffen – Fifa 11 wirkt frischer, umfangreicher, dynamischer und mit mehr Neuerungen versehen. Außerdem stellt es für Einsteiger weiter die erste Wahl dar, ohne Profis zu unterfordern.
Wer sich unsicher ist, trifft mit Fifa 11 – zumindest in diesem Jahr – wohl die bessere Wahl. Aufgeschlossene Konsolen- und PC-Kicker mit Erfahrung sollten aber ruhig auch einen Blick auf das neue Passsystem von PES 2011 werfen.



