Microsoft-Topmanager: "Offenheit steht für Inkompetenz"

Microsofts Lateinamerika-Chef hat das Open-Source-Konzept angegriffen. "Wenn sie nicht konkurrenzfähig sein können, erklären sie Offenheit. Damit wollen sie ihre Inkompetenz maskieren" . Das sagte Hernán Rincón der brasilianischen Tageszeitung Folha de S. Paulo(öffnet im neuen Fenster) , der auflagenstärksten Zeitung Lateinamerikas.
Seit dem Wahlsieg der Partido dos Trabalhadores und der Wahl von Luiz Inácio Lula da Silva zum Präsidenten im Jahr 2001 gehört die Förderung von Open-Source-Software in Brasilien fest zum Regierungsprogramm. Das Land will so eigene Technologie entwickeln, statt von ausländischen Konzernen abhängig zu sein. Die staatliche Verwaltung setzt auf Linux, 80 Prozent aller neuen Computer laufen mit Open-Source-Software. In den Computerräumen der brasilianischen Grundschulen wird seit 2008 auf Linux umgestellt. Eingesetzt wird eine Distribution auf Debian-Basis und KDE. Statt von ausländischen Firmen Lizenzen für proprietäre Software zu kaufen, setzt das Land auf staatlich geförderte Software unter freien Lizenzen. Daher hat Brasilien eine sehr lebendige Entwicklerszene für offene Software.
Rincón sprach mit Journalisten aus Lateinamerika über die Pro-Linux-Politik Brasiliens. Es gebe unter staatlichem Einfluss keine Innovation auf dem Softwaresektor, sagte er. Innovation könne nur die Privatwirtschaft leisten, so Rincón. Um Freie Software auf aktuellem Stand zu halten, müsse sich die finanziell und personell stark engagieren. Das sei gar nicht nötig, wenn die Regierung das den privaten Unternehmen überlassen würde. Offene und proprietäre Software würde jedoch weiter nebeneinander existieren, sagte Rincón.
Microsoft Latin America sei die am schnellsten wachsende regionale Konzernsparte, so Rincón, der aus Medellín in Kolumbien stammt.