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Cyberwar: USA drängen Nato zur gemeinsamen Cyberstrategie

Nato und USA sollen im Bereich der Cybersicherheit enger zusammenarbeiten, fordert der stellvertretende US-Verteidigungsminister William Lynn. Wie in Zeiten des Kalten Krieges solle es eine gemeinsame Verteidigung im Cyberspace geben.
/ Werner Pluta
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Das nordatlantische Verteidigungsbündnis (Nato) muss sich mehr um den Cyberspace kümmern. Das forderte William Lynn, stellvertretender US-Verteidigungsminister, auf einem Treffen am Rande einer Nato-Konferenz in Brüssel. Die Nato habe bereits einen konventionellen und einen nuklearen Schutzschild, sagte Lynn. Sie brauche aber auch einen Schutzschild gegen Bedrohungen aus dem Cyberspace .

Neues militärisches Einsatzgebiet

Der Cyberspace sei ein neuer Kriegsschauplatz und damit auch ein Einsatzgebiet für das Militär. Zwar gebe es Unterschiede zu den traditionellen Einsatzgebieten: Er sei von Menschen geschaffen und seine Infrastruktur sei in der Hand von privaten Unternehmen. Das ändere aber nichts daran, dass der Cyberspace wichtig sei für die Effizienz des Militärs, betonte Lynn. "Wie den Luftraum, das Meer, das Land und den Weltraum müssen wir auch den Cyberspace als ein Terrain behandeln, auf dem wir unsere Netze verteidigen müssen und in dem wir frei operieren können."

Entsprechend gälten für den Cyberspace auch die Rahmenbedingungen wie für die anderen Einsatzgebiete: Man brauche eigene Truppen, eine eigene Ausbildung und eine eigene Doktrin. Deshalb sei in den USA das United States Cyber Command eingerichtet worden.

Gemeinsam den Cyberspace verteidigen

Lynn rief die Verbündeten auf, eine gemeinsame Verteidigung im Cyberspace aufzubauen, so wie es sie auch zu Zeiten des Kalten Krieges gegeben habe. So wie früher Raketenfrühwarn- und -abwehrsysteme miteinander vernetzt waren, sollten künftig die Cyberabwehrsysteme vernetzt sein. Je früher und je mehr Anzeichen für einen Cyberangriff entdeckt würden, desto besser könne man sich dagegen verteidigen, sagte der Politiker.

Die Verteidigung dürfe jedoch nicht nur aus Abwehrmaßnahmen bestehen. Passiver Schutz wie Computer von Schadsoftware freizuhalten, Passwortschutz oder Firewalls reichten zwar aus, um immerhin 70 bis 80 Prozent der Angriffe abzuwehren. Es bedürfe aber auch aktiver Verteidigungsmaßnahmen, beispielsweise um Angreifer, die dennoch in die Systeme hätten eindringen können, dingfest machen zu können.

Kritische Infrastrukturen sichern

Wichtig sei, dass in die Verteidigungsmaßnahmen auch die kritischen Infrastrukturen, die sich in privater Hand befinden, einbezogen werden. Diese werden immer wieder über das Internet angegriffen. "Es wird nichts bringen, die militärischen Computernetze zu schützen, wenn der Strom ausfällt" , so Lynn. Wichtige Versorgungseinrichtungen werden häufig zum Ziel von Angriffen über das Internet .

Derzeit habe der Westen einen Vorsprung auf dem Gebiet. Dieser müsse unbedingt gehalten werden, unterstrich Lynn, und das nicht nur aus militärischen Gründen. "Wir liegen in der Informationstechnologie vorn, und es ist für unsere Sicherheit ebenso wie für unsere Wirtschaft wichtig, dass das so bleibt."


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