Bestechungsaffäre: Telekom will Obermanns Vertrag trotzdem verlängern
Der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom stärkt Konzernchef René Obermann den Rücken: Das Kontrollgremium hat bei seiner Sitzung Anfang September beschlossen, Obermann einen neuen Vertrag anzubieten, obwohl die Aufseher wussten, dass Obermann zu den Beschuldigten in einer Bestechungsaffäre bei der ungarischen Telekom-Tochter Magyar Telekom gehört. Das berichtet das Handelsblatt. "Es gibt niemanden, der an seinem Stuhl sägt", heißt es im Aufsichtsrat.
Mündliche Verhandlungen zu den konkreten Vertragsbedingungen laufen bereits, war aus Kreisen der Bundesregierung zu hören. Sie ist mit einem Anteil von 32 Prozent größter Telekom-Aktionär. Obermann hatte den Aufsichtsrat auf dessen Sitzung am ersten und zweiten September über die Vorwürfe gegen ihn informiert. Die deutsche Staatsanwaltschaft hatte am 31. August 2010 seine Wohnung und sein Büro durchsucht.
Die Bundesregierung sieht bisher aber keine Probleme in den laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Obermanns Vertrag als Vorstandschef endet am 13. November 2011. Bei der Telekom ist es üblich, gut ein Jahr vorher über eine Verlängerung zu entscheiden. Obermann ist einer von acht Beschuldigten in der Bestechungsaffäre. Die US-amerikanischen Behörden ermitteln seit vier Jahren in dem Fall. Dabei geht es darum, dass Magyar Telekom in Montenegro und Mazedonien offenbar Regierungsbeamte bestochen hat, um sich Vorteile bei der Regulierung zu verschaffen. Von der ungarischen Telekom-Tochter eingeschaltete Wirtschaftsprüfer und Anwälte seien auf etwa 25 verdächtige Beraterverträge und andere Abkommen mit einem Volumen von insgesamt gut 30 Millionen Euro gestoßen.[aus Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster)]
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