IDF Intel: Sandy Bridge für Spiele, Server - und drahtlose Tablets

Intel meint es diesmal ernst damit, fremde GPUs aus Desktop- und Notebookcomputern zu verdrängen. Auf dem Prototyp eines Sandy-Bridge-Notebooks führten Paul Otellini und sein Demoteam Starcraft 2 vor, während von der Spielszene im Hintergrund ein Video mit XFire aufgezeichnet wurde. Im Vergleich mit einem aktuellen Notebook, das mit Nvidias Geforce 310M bestückt war - also einer Einstiegs-GPU - wirkte Sandy Bridge gleich schnell und völlig flüssig.

Möglich macht das die Architektur von Sandy Bridge, bei der CPU- und GPU-Kerne gemeinsam über den L3-Cache kommunizieren. Das soll, wie Prozessorchef Dadi Perlmutter im Anschluss erklärte, vier- bis fünfmal schneller sein als bisher bei integrierter Grafik. Was Intel bisher nicht verraten hatte: Die Kerne kommunizieren dabei über eine Art Ringbus miteinander. Die Zugriffe von CPUs und GPU-Einheiten sollen sich dabei nicht in die Quere kommen.
Zudem können alle Rechenwerke Intels Turbo-Boost verwenden. Bisher war das für die GPU nur bei einigen Modellen der mobilen Arrandales gegeben. Wie Perlmutter andeutete, sollen die Turbostufen vor allem bei Single-Threaded-Anwendungen "über die Grenzen der TDP" hinausgehen. Ob das bedeutet, dass die Sandy Bridges in der Spitze mehr Leistung ziehen können, als ihre TDP angibt, ist noch nicht geklärt.

















Konkrete Benchmarks legte Intel noch nicht vor - außer dem Hinweis, dass sich die 25 Mal schnellere Grafik auf den synthetischen Benchmark 3DMark06 bezieht. Dafür gab es aber auch noch Demos zu anderen Teilen der neuen Architektur. So sollen CPU und GPU zusammen beim Transcodieren von Videos helfen. Das führte Intel mit Media Show Espresso vor. Dieses Programm ist auch schon gut auf CUDA und Stream angepasst und nun offenbar auch auf Intels GPU-Kerne. Intel führte es nur mit einem Clip vor, was Espresso aber nicht gerecht wird: Es kann mehrere Videos bei fast gleich bleibender Geschwindigkeit auf GPUs umwandeln.
AVX: SIMD-Einheiten mit 256 Bit
Die nun 256 Bit breiten SIMD-Einheiten AVX bringen bei Medienbearbeitung den Schub für Sandy Bridge. Als weitere Vorführung gab es einen Raytracer für Inneneinrichtung, der im Vergleich mit einem Core i7 auf Sandy Bridge doppelt so schnell sein soll. Und eine bisher nicht gesehene Anwendung hatte Intel auch noch parat: Über einen Sandy-Bridge-Server mit zwei 8-Kernern und zwei Sockeln, mithin 32 Threads per Hyperthreading, wickelten drei Personen eine Videokonferenz ab. Das Besondere: Die drei HD-Videostreams wurden in Echtzeit 256-Bit-AES-verschlüsselt.

















Der rote Faden dieser Vorführung war wieder die kurze Starcraft-Partie. Aus dem dabei aufgezeichneten Video hatte ein Intel-Mitarbeiter eine kleine Verhöhnung des Kollegen gebastelt - der hatte nämlich schändlich verloren -, die er dann auf einem Atom-Tablet zeigte. Das Video wurde dabei vom Tablet drahtlos per Wireless Display an einen Fernseher übertragen. Bisher gibt es die auch WiDi genannte Funktion nur für Notebooks, wenn die Atom-Tablets irgendwann 2011 marktreif sind, soll sie auch dafür angeboten werden.
Die Server, die auf Sandy Bridge basieren, werden in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 als Sandy Bridge-EX mit bis zu zehn Kernen in vier Sockeln arbeiten können. Eine solche Maschine kann dann 80 Threads parallel verarbeiten.
Ivy Bridge kommt 2011 in 22-Nanometer-Technik
Während die ersten Sandy Bridges in 32 Nanometern Strukturbreite gefertigt werden, soll der Nachfolger "Ivy Bridge" Ende 2011 mit 22-Nanometer-Technik erscheinen. Auf dem IDF vor einem Jahr konnte Paul Otellini dafür auch schon einen SRAM-Wafer zeigen - die 22-Nanometer-CPUs ließen sich diesmal entschuldigen. Laut dem Intel-Chef "bewegen sie sich gerade durch die Fabriken" , lies: Noch 2010 ist mit ersten Mustern zu rechnen.

















All diese Mehrleistung ist laut Otellini auch nötig, um das wieder erstarkte Wachstum des PC-Marktes aufrechtzuerhalten. Laut Zahlen von Gartner, die der CEO vorlegte, soll der Weltmarkt 2010 um 18 Prozent wachsen. Anders ausgedrückt: Jeden Tag werden derzeit über eine Million PCs verkauft.
Damit Intel dabei weiter führend bleibt, will Otellini die drei Säulen Performance, Security und Connectivity in den Vordergrund rücken. Mit diesen auf einer eigenen Folie präsentierten Schlagworten wollte der Intel-Chef offenbar auch die jüngsten Übernahmen von Infineons Wireless-Sparte und McAfee rechtfertigen, die unter Analysten nicht nur auf Zustimmung gestoßen waren.
Im weiteren Verlauf des IDF will Intel die Architektur von Sandy Bridge jeden Tag etwas mehr entblättern. Auch Benchmarkwerte von seriennahen Produkten sind zu erwarten. Wie hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird, waren bei den bisher erschienenen inoffiziellen Tests insbesondere die erweiterten Turbostufen für CPU und GPU nicht sämtlich freigeschaltet.



