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Spieletest Patrizier 4: Handeln mit Tradition

Handel treiben, Flotten bauen, zum mächtigen Mitglied der Hanse werden: Das Spielprinzip von Patrizier ist ein Dauerbrenner. Ab sofort ist Teil 4 der komplexen Wirtschaftssimulation erhältlich. Er verlässt sich auf die traditionellen Stärken der Reihe.
/ Thorsten Wiesner
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Patrizier-Veteranen werden sich wundern, warum das neue Spiel den Namen Patrizier 4 trägt, obwohl ein dritter Teil hierzulande nie offiziell erschienen ist. Grund dafür ist, dass Ascaron einst das Addon zum zweiten Teil in einigen Ländern als Patrizier 3 in die Läden gebracht hatte. Um Unklarheiten und Streitigkeiten zu vermeiden, bekam das neue Spiel nun gleich die 4 im Titel verpasst.

Patrizier 4 – Trailer
Patrizier 4 – Trailer (01:45)

Wer ob des großen Sprungs beim Namen auch inhaltlich große Veränderungen erwartet, wird überrascht sein, wie altbekannt Patrizier 4 von Beginn an wirkt. Am grundsätzlichen Spielprinzip hat sich nicht viel geändert. Immer noch geht es darum, einen Händler im nordeuropäischen Seegebiet zu steuern, erfolgreich Rohstoffe und Waren einzukaufen und zu verkaufen, eine große Flotte aufzubauen, im Rang und Ruhm aufzusteigen und so zu einem der wichtigsten Männer der Hanse zu werden. Allerdings legt Patrizier 4 mehr Wert auf Einsteigerfreundlichkeit als die Vorgänger – zumindest die ersten Spielstunden sind recht einfach und übersichtlich gehalten.

So erklärt ein kurzes, gut aufgemachtes Tutorial-Video die ersten Schritte – welche Bedeutung die zentral um den neu gestalteten Marktplatz platzierten Gebäude haben, wie Güter eingekauft und verkauft werden und auf welche Art und Weise die erworbenen Dinge dann verschifft werden müssen. Mit ein paar Klicks gelingt es zunächst etwa, Salz, das günstig im Startort Lübeck produziert wird, einzukaufen – und dann mit dem ersten eigenen Kahn nach Aalborg zu verschiffen, wo es zum Pökeln für die Fleischproduktion benötigt wird und dementsprechend heiß begehrt ist.

Angebot und Nachfrage

Preise richten sich nach Angebot und Nachfrage – je begehrter eine Ware ist, desto teurer wird sie. Dabei müssen dann auch andere Faktoren bedacht werden – etwa die eigene Popularität, die merklich abnimmt, wenn bei bestimmten Gütern Knappheit verursacht wird. Dann melden sich nicht nur Bürger verstimmt zu Wort, auch konkurrierende Händler sind nicht davon angetan, wenn ihnen das Leben schwer gemacht wird.

Allerdings sind nur die ersten Schritte im Spiel auf einfaches Ein- und Verkaufen ausgerichtet, die Komplexität nimmt schnell zu. Früher oder später kommt der Spieler nicht drumherum, eigene Produktionsstätten aufzubauen, um weiter aufzusteigen. Diese Produktionsstätten brauchen aber wiederum Rohstoffe, was intelligent aufgebaute Güterkreisläufe voraussetzt – die glücklicherweise zu einem großen Teil automatisiert werden können. Bis hier alle Zusammenhänge durchschaut sind, die Flotte die nötige Größe hat und auch das Verhalten der Konkurrenten in die eigenen Pläne einbezogen wird, dauert es einige Zeit. Wer Patrizier schon in der Vergangenheit gespielt hat, muss nicht befürchten, unterfordert zu werden.

Abgesehen vom Handel sorgen Ereignisse für Abwechslung: Hungersnöte und Dürren etwa, der mögliche Aufstieg zum Bürgermeister und damit verbunden die Betätigung in der Politik, aber natürlich auch Piraten geben dem Handelsalltag die nötige Würze. Letztere müssen wieder in kurzen Kampfpassagen bezwungen werden, die allerdings unnötig kompliziert zu steuern sind und kaum Spaß machen. Gut also, dass sie nur eine untergeordnete Rolle spielen. Spieler haben allerdings wenn gewünscht auch die Möglichkeit, selbst als Pirat aktiv zu werden.

Optisch setzt Patrizier 4 auf 3D, wirkt aber trotzdem oft altbacken. Die wichtigen Gebäude sind liebevoll gestaltet, vor allem Übersichtskarten und Seeansichten hätten aber mehr Details vertragen. Ärgerlich: Beim ersten Start muss das Spiel nicht nur online freigeschaltet werden, Kalypso setzt auch zwingend die Einrichtung eines eigenen Accounts beim Publisher voraus, bevor der Aufstieg beginnen kann.

Patrizier 4 ist bereits im Handel erhältlich, hat eine USK-Freigabe ab sechs Jahren erhalten und kostet etwa 40 Euro. Als Systemanforderungen nennt Kalypso einen PC mit Windows XP, Vista oder 7, einen 2 GHz Intel Pentium 4 oder AMD Athlon 64, 1 Gigabyte RAM Arbeitsspeicher sowie 5 Gigabyte freien Festplattenspeicher.

Fazit

Gebäude in 3D, Schieberegler beim Wareneinkauf, Tutorial-Videos: Statt wirklicher Neuerungen sind es eher Kleinigkeiten, die Kalypso der Neuauflage vom Patrizier spendiert hat. Als Wirtschaftssimulation ist und bleibt der Titel eine Klasse für sich. Angesichts des Alters des Vorgängers hätten es aber schon ein paar Neuerungen mehr sein dürfen, um die 40 Euro Verkaufspreis zu rechtfertigen.


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