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Paul Otellini: Intel will erst die Fernseher, dann die Smartphones

In der kommenden Woche startet Intels großes IDF in San Francisco, kurz vorher gibt CEO Paul Otellini gern Interviews. Dem Wall Street Journal verriet er nun, wie der Konzern seine Geschäftsfelder erweitern will – und was zur jüngsten Gewinnwarnung geführt hat.
/ Nico Ernst
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Im Mai wurde Google TV vorgestellt – und das Konzept des Suchmaschinenriesen für den vernetzten Fernseher ist auch Intels Kern der Strategie, x86-Prozessoren in Unterhaltungselektronik zu bringen. Google TV arbeitet mit Android, als System-on-a-Chip (SoC) dient Intels CE-Serie mit einem Atom-Kern. Paul Otellini sagte dem Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) , die gesamte Software für Google TV bestehe aus rund 10 Millionen Zeilen Code, der je zur Hälfte von Intel und Google erstellt wurde.

Das Konzept von Google TV
Das Konzept von Google TV (02:20)

Damit hat Intel seinen Ansatz beim vernetzten Fernsehen geändert: Vor zwei Jahren führte Intel-Vize Eric Kim die ersten CE-SoCs mit den Yahoo-Widgets vor , was sich jedoch im Fernsehmarkt nicht durchsetzen konnte. Jetzt soll aber mit Google TV alles ganz schnell gehen. Laut Paul Otellini bringen Samsung und Sony die ersten Geräte noch im Jahr 2010 in den USA auf den Markt, weltweit sollen Fernseher mit "Intel inside" 2011 angeboten werden .

Fernseher sofort, Smartphones dauern länger

Dass die Eroberung des Smartphone-Marktes durch Intel nach vielen Anläufen länger dauert, gab der Intel-Chef gegenüber dem Journal unumwunden zu. Ebenfalls im kommenden Jahr soll es aber mehrere Geräte mit Atom-SoCs geben. Otellini schätzte dafür das Rechentempo als kritisch ein und sagte, der Unterschied der Leistung falle im direkten Vergleich eines iPhone 3GS gegenüber dem iPhone 4 sofort auf.

Ganze Plattformen auch für Handys

Die Basis für Atom-Phones dürfte neben der Eigenentwicklung Meego auch Android sein, denn: Wenn Intel und Google das schlanke Betriebssystem schon auf x86 für Fernseher angepasst haben, ist der Schritt zu mobilen Anwendungen nicht weit. Bei den bisher verkauften Android-Smartphones kommen diverse ARM-SoCs zum Einsatz.

Auch Intels jüngste Übernahme der Mobilfunksparte von Infineon ist dabei sehr wichtig für Intel. Paul Otellini betonte, dass sein Unternehmen auch in Zukunft den Gedanken der "Plattform" verfolgen wolle. Bei den Notebooks hat das bereits gut geklappt: Was seit 2003 als "Centrino" vermarktet wird, hat CPU, Chipsatz und WLAN-Modul von Intel. Für andere Hersteller bleibt da wenig Platz, denn die vor allem im Consumergeschäft wichtigen Werbekostenzuschüsse gibt es nur für die Intel-Logos – und der Centrino-Aufkleber bleibt verwehrt, wenn beispielsweise ein anderes WLAN-Modul im Notebook steckt.

Dass Intel mit seiner anderen aktuellen Übernahme, dem Kauf von McAfee , 60 Prozent mehr als den Börsenwert bezahlt hat, begründete Otellini ebenfalls. Seiner Meinung nach sind viele Aktien derzeit unterbewertet. Wer, wie Intel, noch Barreserven hat, kann günstig einkaufen. Der Deal wurde folglich auch durch direkte Bezahlung und nicht durch Aktientausch abgewickelt.

Zwei Übernahmen bei einer gleichzeitigen Gewinnwarnung – das geht dem Intel-CEO zufolge ebenfalls, wenn das Kerngeschäft stabil ist. Die jüngste Warnung begründet Paul Otellini mit einer überraschenden Kaufzurückhaltung bei Endverbrauchern, mit Geschäftskunden sollen die Geschäfte dagegen prächtig laufen.


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