Spieletest Metroid Other M: Die neue Grafikreferenz für die Wii

Metroid Other M stellt einen Bruch in der Reihe der jüngeren Metroid-Spiele dar, das wird schon nach den ersten Spielminuten deutlich. Pate stehen hier nicht die Abenteuer von Kopfgeldjägerin Samus Aran der letzten Jahre, sondern die frühen Metroid-Spiele auf dem NES, Gameboy und Super NES, wo die Heldin noch durch seitlich scrollende Welten gescheucht wurde. Zwar bietet das von Project M zusammen mit Nintendo entwickelte Other M natürlich 3D-Welten. Samus wird aber in der Third-Person-Sicht mit einer seitlich gehaltenen Wii-Mote gesteuert - ein verkabeltes Nunchuk ist überflüssig.

Die Bedienung funktioniert erstaunlich gut - sowohl im Kampf mit automatischer Zielfunktion als auch bei Geschicklichkeitspassagen wie Wandsprüngen. Um enge Passagen zu passieren, verwandelt sich Samus weiterhin in einen Morphball. Eine Ego-Ansicht gibt es trotzdem: Wird die Wiimote auf den Fernseher gerichtet, schauen Spieler durch die Augen der Heldin, was vor allem im Kampf mit großen Gegnern und beim Scannen von Objekten von Vorteil ist. Es dauert eine Weile, bis dieser Wechsel gekonnt beherrscht wird - vor allem, weil sich Samus in der Ego-Perspektive nicht bewegen kann, sondern nur ihr Blickfeld gesteuert wird.









Other M hat viele Neuerungen zu bieten - etwa einen viel größeren Fokus auf die Story. Beschränkte sich die Hintergrundgeschichte in der Vergangenheit meist auf ein paar Textfetzen und Infos aus Computerterminals, wurden von den Entwicklern nun lange Zwischensequenzen eingebaut, die optisch und atmosphärisch für ein Metroid-Spiel ungewohnt, aber gelungen sind. Sie machen aus Samus einen vielschichtigen und interessanten Charakter. Manchmal sind diese Sequenzen ausufernd und wirken mit ihren elegischen Momenten im Vergleich zum recht hohen Spieltempo nicht ganz ausbalanciert.
Optischer Leckerbissen
Auch spielerisch hat sich der Schwerpunkt verschoben: Weniger Erkunden und Erforschen, mehr Kämpfen lautet die Devise. Samus verfügt über viele Möglichkeiten und Spezialfähigkeiten, sich gegen die zahlreichen Gegner zu wehren, ist agiler und beherrscht herrlich animierte Spezialmanöver. Der erhöhte Actionanteil geht mit mehr Linearität einher; fast immer ist sofort ersichtlich und dank Minikarte auch optisch eindeutig, wo das nächste Missionsziel liegt.

Optisch begeistert Other M nahezu uneingeschränkt: Vielseitige Welten von Dschungeln über Wüsten bis hin zu Eisgegenden und Science-Fiction-Arealen - lebendige Texturen, fantasievolle, flüssig animierte und teils beeindruckend große Boss-Gegner. Von Monotonie oder sich oft wiederholenden Designs ist hier nichts zu spüren.









Metroid Other M ist ab sofort exklusiv für Nintendo Wii erhältlich, hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten und kostet etwa 45 Euro.
Fazit
Metroid erfindet sich neu: Other M überrascht mit zahlreichen spielerischen Neuerungen, ohne dabei seine Geschichte aus 2D-Zeiten zu vergessen. Die düstere, isolierte, vor allem auf Erkunden setzende Atmosphäre der letzten Jahre ist einem deutlich actionlastigen und linearen Spielprinzip gewichen. Wii-Besitzer sollten diese Veränderung aber mitmachen: Sie werden mit einem optisch grandiosen und inhaltlich packenden Abenteuer belohnt.



