Digitale Literatur: Neal Stephenson und die digital-sozialen Mongolen

Der US-Autor Neal Stephenson arbeitet an einem neuen Roman mit dem Titel The Mongoliad(öffnet im neuen Fenster) . Er wird als Fortsetzungsgeschichte im Internet erscheinen. Die Lesergemeinde ist eingeladen, sich am kreativen Prozess zu beteiligen.
Gegen den Mongolensturm
Der Roman, an dem neben Stephenson einige weitere Autoren mitarbeiten, spielt im Jahr 1241, als die Mongolen sich anschicken, ganz Europa zu erobern. Eine kleine Gruppe von Rittern versucht, sich den Angreifern entgegenzustellen. Für das Projekt hat Stephenson ein Unternehmen gegründet, das passend zum Thema des Romans Subutai(öffnet im neuen Fenster) heißt. Subutai war einer der Generäle von Dschingis Khan; entsprechend ist die Domain auch in der Mongolei registriert.

Subutai hat eine Plattform für die Veröffentlichung digitaler Romane entwickelt. Diese werden zwar weiterhin in erster Linie aus Text bestehen. Die Autoren können die Texte aber durch weitere Inhalte ergänzen. So haben Stephenson und sein Team beispielsweise ein Glossar eingerichtet, das Informationen zu historischen Ereignissen und Personen liefert. Außerdem biete die Publikation in digitaler Form weitere aufregende Möglichkeiten, schreibt(öffnet im neuen Fenster) Subutai-Chef Jeremy Bornstein, etwa Teile des Buches als Graphic Novel zu veröffentlichen, es mit Bildern, Karten oder Videos zu illustrieren oder sogar Spiele dazu zu produzieren.
Leser mit einbeziehen
Außerdem bietet Subutai die Möglichkeit, eine Community einzurichten. Die Leser können sich darüber an der Produktion des literarischen Werks beteiligen. Sie können beispielsweise untereinander und mit den Autoren über den Fortgang der Handlung diskutieren und Ideen zuliefern. Außerdem können sie Artikel für das Glossar schreiben. Eine solche Form des Kontakts zu den Lesern sei nicht möglich, wenn ein Autor eine Romanserie schreibe und die Teile in größeren Zeitabständen erschienen, so Bornstein.
Bisher sei die Produktion von Literatur immer durch die Drucktechnik definiert gewesen. Aber künftig werde diese Definition nur noch dann gebraucht, wenn sie gerade passe, schreibt Bornstein. "Deshalb werden einige Texte, die hier veröffentlicht werden, Kapitel des Romans sein, andere porträtieren die Protagonisten, wieder andere liefern Hintergrundinformationen zu den Themen der Handlung, außerdem wird es Landkarten geben. Wir wissen nicht, wie weit das gehen wird, aber wir wollen, dass es großartig wird" , erklärt Bornstein.
Mehrere Staffeln
Mongoliad ist konzipiert als Fortsetzungsroman. Jede Woche wollen die Autoren ein Kapitel veröffentlichen. Die Lektüre ist kostenpflichtig: Für ein Halbjahresabonnement zahlen Leser sechs US-Dollar. Ein ganzes Jahr Mongolenlektüre kostet 10 US-Dollar. Wie lange der Roman laufen wird, haben die Autoren noch nicht verraten. Es wird ein Ende geben, aber es seien Fortsetzungen für Mongoliad geplant, vergleichbar einer Fernsehserie mit mehreren Staffeln. Am Ende der Handlung soll der Roman schließlich in gedruckter Form erscheinen.
Die Kapitel können über die Website gelesen werden. Eine Applikation für Apples mobile Geräte wird derzeit geprüft und soll in Kürze im App Store erhältlich sein. Eine Applikation für Android ist in Arbeit.
Mehrere Staffeln
Der 1959 geborene Stephenson hat sich in seinen Romanen viel mit neuen Technologien wie dem Internet oder virtueller Realität befasst. In seinem 1992 erschienenen Werk Snow Crash(öffnet im neuen Fenster) hat er eine Onlinewelt entworfen, in der die Nutzer von virtuellen Figuren repräsentiert werden. Für diese Figuren hat er den Begriff Avatar geprägt, der aus dem Sanskrit abgeleitet ist.



