Playstation Move im Test: Präzision mit 250 Millisekunden Verzögerung
Bewegung wird bei Sony groß und englisch geschrieben: Move soll der Playstation 3 neue Käufer bescheren und bisherige Nutzer mit neuartigen Spielkonzepten motivieren, die Couch zu verlassen.
In jedem Move-Controller stecken drei Sensoren: ein dreiachsiger Bewegungssensor, ein Gyroskop und ein Kompass. Sie sind dafür zuständig, Bewegungen der Spieler für die Konsole zu interpretieren. Ein analoger Trigger befindet sich an der Rückseite. Am häufigsten wird der Move-Knopf genutzt. Er prangt unübersehbar zwischen den sehr kleinen vier Standardbuttons normaler PS3-Gamepads auf der Vorderseite des Eingabegeräts.

Zusätzlich steckt am oberen Ende jedes Move-Controllers ein Gummiball. Der Ball wird von innen beleuchtet, sobald das Eingabegerät mit der PS3 via Bluetooth verbunden ist. Die leuchtende Kugel wird von der 2007 eingeführten Playstation-Eye-Kamera mit Weitwinkelmodus erkannt. Auf diese Weise weiß die Konsole, wo sich Spieler im Raum befinden und berechnet deren Abstand zum Fernseher.
Die genaue Ortung des Spielers und seiner Hände im Wohnzimmer ist das, was die Wiimote von Nintendo nicht kann. Deswegen können Spieler bei Wii Sports Resort immer noch auf der Couch sitzen und nur ihr Handgelenk bewegen, um einen Strike in Wii Bowling zu werfen. Bei Move ist das anders.
Zwar kann auch Sonys Bewegungssteuerung sitzend benutzt werden, allerdings berauben sich Spieler dann der Komplexität. Denn im Stehen kann beispielsweise beim Tischtennis in Sonys Sportspielsammlung Sports Champions ein gewagter Hechtsprung noch zum Erfolg führen, sofern der Spieler früh genug losspringt.
Spürbare Verzögerungen bei der Eingabe
Move leidet unter Lags: Es gibt spürbare Verzögerungen zwischen dem, was der Spieler macht und dem Geschehen auf dem Fernseher. Nach unseren Messungen schwanken die Lags zwischen 200 und 330 Millisekunden, je nachdem wie komplex die Bewegungen sind und welches Spiel eingelegt ist. Haben sich Spieler aber daran gewöhnt, alles etwas früher auszuführen, sind spannende Ballwechsel mit angeschnittenen Aufschlägen und Schmetterbällen möglich.
Besonders auffällig ist die Verzögerung in der Disziplin Gladiatorenkampf. Schwerthiebe und Stöße mit dem Schild werden regelmäßig verspätet digital ausgeführt, so dass schnelles Reagieren auf Angriffe der Gegner müßig ist. Dennoch zeigt der Gladiatorenkampf auch eine Stärke von Move: Mit den Knöpfen können Spieler komfortabel nach rechts, links und hinten ausweichen.

Ein Manko ist die Playstation-Eye-Kamera, die nach wie vor nur eine Auflösung von 640 x 480 Bildpunkten bei 50 oder 60 Hz bietet. In der Minispielsammlung Start the Party wird das Bild der Kamera in die Spielgrafik eingebunden. Die Kamera erkennt den Move-Controller zwar auch bei schlechten Lichtbedingungen tadellos, da er auffällig leuchtet, das eigene Bild ist aber besonders auf HDTVs verrauscht und unscharf.
In Start the Party verwandelt sich der Move-Controller auf dem Bildschirm regelmäßig in ein Werkzeug, das der Spieler zweckmäßig benutzen muss. Mit der Harpune muss er Wasserballons zerstechen, mit einer Glocke einen Vogel wecken oder mit dem klassischen Hammer dem Maulwurf eins auf die Rübe geben. Hier überzeugt die Präzision von Move: Jede Bewegung wird eins zu eins umgesetzt, egal wie skurril oder kompliziert sie ist.
Playstation Move soll am 15. September 2010 in Deutschland erscheinen und wird knapp 40 Euro kosten. Ein Move-Starter-Pack für 60 Euro beinhaltet neben einem Move-Controller die Kamera Playstation Eye sowie eine Demo-Disc.
Fazit
Playstation Move ist präziser und moderner als die Bewegungssteuerung der Wiimote mit Wii Motion Plus. Move erkennt selbst kleinste Handbewegungen, die Spieler können mit den Objekten exakt interagieren. Ganz ohne Verzögerungen funktioniert das jedoch nicht.
Sonys Bewegungssteuerung birgt viel Potenzial für zukünftige Spiele. Besonders Titel, die aus der Ego-Perspektive gespielt werden und nur die Arme des Spielers in die Spielwelt bringen, erschaffen eine fast schon unheimliche Illusion, im Spiel zu sein. Jetzt liegt es an den Entwicklern, die Stärken von Move zu nutzen – und nicht nur Portierungen von Wii-Spielen mit verbesserter Grafik auf die Playstation 3 zu bringen.
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