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IMHO: AMD statt ATI - ein guter Anfang

Unter den IT-Unternehmen pflegen die Chiphersteller ein besonderes Markenchaos. AMD hat nun den Anfang vom Ende dieses Wildwuchses gemacht. Es ist zu hoffen, dass andere Hersteller diesem Beispiel folgen – allen voran Intel. Was bei Grafik funktioniert, ist auch bei Prozessoren möglich.
/ Nico Ernst
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Ein neuer AMD-Prozessor soll es sein? Nun, wenn wir die Fragen des richtigen Sockels, des passenden Mainboards und der BIOS-Version geklärt haben – an diesem Punkt enden die Verkaufsgespräche abseits von großen Elektronikmärkten schon -, dann ist noch die Frage nach der Modellreihe zu klären.

Phenom II? Athlon II? Oder doch nur ein Sempron? Im Moment ganz billig: die ersten Phenoms, ohne römisch zwei. Ein, zwei, drei, vier oder sechs Kerne? Nein, fünf Kerne sind nicht im Angebot. Diese Verwirrung durch Modellreihen und zahlreiche Marken will AMD mit dem Wegfall der Marke ATI zunächst bei den Grafikprodukten ein wenig lindern. Doch das ist nur der erste Schritt: Im Jahr 2011 soll die Marke 'Vision' die Ausstattung mit CPU- und GPU-Leistung transparenter machen. Dass ausgerechnet die seit 25 Jahren existierende Bezeichnung ATI dran glauben muss, ist für Nostalgiker zwar tragisch, aber nur konsequent.

Da gibt es seit 40 Jahren das Unternehmen AMD. Das hat ATI gekauft. ATI hatte vorher schon Karten mit dem Namen Radeon hergestellt. Das sind drei Marken. Nur eine nimmt der Konsument aber wirklich wahr, nämlich Radeon. So ist ja auch sein Auto beispielsweise ein Mini – auch wenn diese Traditionsmarke schon seit neun Jahren zu BMW gehört, wie übrigens auch Rolls-Royce. Und wer den fährt, würde im Leben nicht sagen, er hätte einen BMW. Höchstens als Drittauto. Die Marke, die das Produkt am genauesten trifft, bleibt hängen – bei Autos wie Computern.

Wenn AMDs Vision-Konzept im kommenden Jahr mehr umfasst als nur einen Aufkleber auf Notebooks, dann werden die Technikfans sofort ein "Foul!" reklamieren. Die Verschleierung von Ausstattungsdetails, vielleicht sogar der Taktfrequenz? Unvorstellbar. Außer bei Apple, wo ein Prozessor nicht erst seit dem Wechsel zu Intel fast schon traditionalistisch nur über die Modellreihe und Taktfrequenz kategorisiert wird. Auf engagierten Webseiten und in Datenblättern wird es diese Informationen zwar weiterhin geben. Nur interessieren sie wirklich den, dessen Eckdaten für ein Notebook lauten: unter 600 Euro, große Festplatte, WLAN und schön flach?

Den größten Handlungsbedarf zur Vereinfachung hat in der Chipbranche Intel. Dessen Chaos aus Modellreihen, Modellnummern und Architekturen ist so groß, dass für die nächste Generation 'Sandy Bridge' die Modellnummer schon vier Stellen annehmen muss. Schlimmstes Beispiel der noch aktuellen Prozessoren: Einen Core i7 gibt es mit zwei, vier oder sechs Kernen – wie übrigens auch den Phenom II. Und von der Notebook-CPU bis zum echten Workstation-Boliden mit 130 Watt. Nicht umsonst gibt Intels Fernsehwerbung nur "die intelligenten 2010er Intel-Core-Prozessoren" als Produktkategorie an. Jede weitere Information würde unweigerlich Verwirrung stiften.

Celeron, Pentium, Core 2/Quad, Core i3, 5, 7, oder vielleicht doch Atom oder gar ein Xeon? Schon vor über drei Jahren meinte Intel in einem Interview "Wir haben entschieden, dass es besser wäre, weniger Marken zu haben und diese so stark wie möglich zu machen.". Ganz ähnlich äußerte sich jetzt AMD. Bei Intel sind es aber noch viel mehr Marken geworden als im Jahr 2007. Die Einführung der Sandy-Bridge-Architektur wäre eine Gelegenheit, das heillose Durcheinander für die Käufer etwas transparenter zu machen – nach bisherigem Stand macht Intel aber keinen Gebrauch davon.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).


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