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Nordkorea: Kim twittert nicht

Verwirrung um Nordkorea: Das Land von Kim Jong-il ist in verschiedenen sozialen Netzen und Twitter aufgetaucht. Die Amerikaner haben gelästert, die Südkoreaner gleich mal den Zugang gesperrt und Facebook hat den Account gelöscht. Und Nordkorea? Dementiert: Wir waren das gar nicht.
/ Werner Pluta
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Das war doch erstaunlich: Ende vergangener Woche tauchte sowohl bei Facebook als auch bei Twitter Nordkorea auf. Nun sind Politiker bei Facebook nichts Besonderes: US-Präsident Barack Obama ist dort, Bundeskanzlerin Angela Merkel auch. Auch Kims Nachbar, der chinesische Premierminister Wen Jiabao. Aber Kim Jong-il?

Nordkorea bei Facebook

Und doch: In dem sozialen Netz tauchte Ende vergangener Woche ein Nutzer mit dem Namen Uriminzok(öffnet im neuen Fenster) auf. Das Profil gehörte offensichtlich zu der Website Uriminzokkiri(öffnet im neuen Fenster), der Webpräsenz des Komitees für die friedliche Wiedervereinigung Koreas, das darüber Nachrichten und Propaganda aus Koreas kommunistischem Norden verbreitet.

Auf der Facebook-Seite fand sich denn auch ein veritabel bestücktes Fotoalbum mit hunderten Konterfeis von Kim Jong-il, im Fachjargon auch geliebter Führer genannt. Daneben bot Uriminzok Propaganda und Links zu einem Twitter(öffnet im neuen Fenster)- sowie zu einem Youtube-Profil(öffnet im neuen Fenster) – beide natürlich eingerichtet "für den geliebten Führer". Etwas merkwürdig mutete indes an, dass Uriminzok angab, an Männern interessiert zu sein – aber möglicherweise meinte er auch nur, dass er weitere Werktätige für die darbende Wirtschaft des geliebten Führers anwerben wollte.

Häme aus Washington

Die US-Regierung reagierte mit Häme: Die nordkoreanische Regierung sei jetzt bei Facebook, twitterte(öffnet im neuen Fenster) Philip Crowley, Sprecher des US-Außenministeriums, und fragte gleich hinterher, ob sie denn ihren Bürgern auch erlauben werde, ebenfalls dazuzustoßen und setzte kurz darauf nach(öffnet im neuen Fenster), was denn ein Facebook-Profil ohne Freunde sei.

Sperrung in Seoul...

Und in der Tat: Wie in der realen Welt hatte Nordkorea auch in der virtuellen nicht besonders viele Freunde. Ob es am Nachbarn im Süden lang? Der entzog sich nämlich konsequent der friedlichen Wiedervereinigung: Nordkorea habe Profile bei Facebook und Twitter sowie einen Kanal bei Youtube eröffnet – offensichtlich, so die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap(öffnet im neuen Fenster), um seine Propagandakampagne gegen Südkorea und den Verbündeten USA zu unterstützen. Deshalb sperrten die Behörden den Zugang zu der Twitter-Seite. Jegliche Kommunikation mit dem Norden ist in dem Land nur mit offizieller Genehmigung erlaubt. Entsprechend werde eine Sperrung des Youtube-Kanals und der Facebook-Seite ebenfalls erwogen.

... und bei Facebook

Da kam das soziale Netz den Behörden in Seoul jedoch zuvor: Nach nur einem Tag wurde Uriminzoks Seite gelöscht. Sie habe, so begründete eine Sprecherin gegenüber dem US.Fachmagazin PC World, gegen die Nutzungsbedingungen(öffnet im neuen Fenster) verstoßen. Dort heißt es in Paragraf 16: Wenn ein Nutzer in einem Land lebe, "das von den USA mit einem Embargo belegt wurde" oder er als Bürger eines Landes "auf der Liste der 'Specially Designated Nationals' (SDN-Sanktionsliste) des US-Finanzministeriums geführt" werde, dann dürfe er Facebook "nicht für kommerzielle Zwecke (wie Werbung oder Zahlungen) nutzen oder eine Plattformanwendung sowie -webseite betreiben." Das trifft für Nordkorea zu.

Damit wollte sich Uriminzok allerdings nicht abspeisen lassen und richtete am Wochenende flugs eine neue Seite ein, die weiterhin Bestand hat. Inzwischen hat die koreanische Wiedervereinigung auch eine Reihe von Freunden gefunden. Die scheinen das Anliegen indes nicht ganz so ernst zu nehmen und veröffentlichen auf der Seite allerlei Nonsens.

Kim war's nicht

Die nordkoreanischen Behörden indes dementieren, hinter den Auftritten bei Facebook, Twitter und Youtube zu stehen, sagte Alejandro Cao de Benos, ein Vertreter des nordkoreanischen Komitees für kulturelle Beziehungen mit anderen Ländern, dem US-Wirtschaftsmagazin Forbes(öffnet im neuen Fenster). Diese Profile seien von Getreuen in China und Japan eingerichtet worden und würden von dort aus gepflegt.

Jede Form der digitale Kommunikation sei für die demokratische Volksrepublik Korea sehr interessant, sagte der Regierungsvertreter, schränkte aber ein: "Solche Seiten werden niemals von unserer Regierung selbst betrieben." Aber auch nicht von den Bürgern: Die sozialen Netze sind nämlich, bestätigte Cao de Benos, in Nordkorea gesperrt. So weit reichen kulturelle Beziehungen denn doch nicht.


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