Webcam-Schülerüberwachung: Keine Anklage der US-Staatsanwaltschaft
In dem Skandal um illegale Überwachung von Kindern mit den Webcams ihrer Schülernotebooks im US-Schulbezirk Lower Merion School wird es zu keiner Anklage durch die Staatsanwaltschaft kommen. Die über sechs Monate laufenden Ermittlungen hätten keinen Anhaltspunkt dafür geliefert, dass es zu Straftaten gekommen sei, gab das Büro des Staatsanwalts Zane Memeger bekannt.
"Wenn die Regierung ein Strafverfahren einleitet, muss es über jeden Zweifel erhabene Beweise dafür geben, dass die angeklagte Person mit krimineller Absicht gehandelt hat", so Memeger in einer kurzen Erklärung. "Wir haben keine Beweise gefunden, die über jeden vernünftigen Zweifel erhaben sind, dass einer der Beteiligten kriminelle Absichten hatte."
Eltern klagen gegen die Schulleitung, weil Webcams in Schülernotebooks als Überwachungskameras eingesetzt worden seien. Die Webcams in den Macbooks der Schüler waren für die IT-Abteilung der Schulleitungen aus der Ferne jederzeit aktivierbar, so Michael und Holly Robbins, deren 15-jähriger Sohn Blake auf die Harriton High School geht. Er erhielt im November 2009 einen Verweis wegen "ungebührlichen Verhaltens". Dabei wurde ein Bild vorgelegt, das von seinem Macbook aufgenommen wurde. Der Robbins-Sohn hatte Mike-&-Ike-Süßigkeiten gegessen, was als Drogenkonsum missdeutet wurde. Der Anwalt der Familie sagte, dass die Technik genutzt wurde, um ohne Zustimmung oder Wissen der Schüler Webcam-Aufnahmen und Screenshots zu machen, während die Kinder zu Hause waren. 58.000 Überwachungsbilder seien in zwei Jahren mit den Webcams aufgenommen worden, so der Bericht eines Teams von Rechts- und IT-Experten.
Die zivilrechtliche Klage der Robbins und des ehemaligen Schülers Jalil Hasan gegen den Schulbezirk laufen jedoch weiter. Ihr Anwalt Mark S. Haltzman sagte dem Philadelphia Inquirer(öffnet im neuen Fenster), dass die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, keine Anklage zu erheben, deutlich zeige, dass neue Gesetze gegen elektronische Überwachung erlassen werden müssten.
Die Schulleitung äußerte sich dagegen erleichtert. "Dies sind sehr gute Nachrichten für die Schüler und Mitarbeiter des Lower Merion School District, in einer Zeit, in der wir uns auf den Beginn eines neuen Schuljahres vorbereiten", sagte Superintendent Christopher McGinley der Zeitung.
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