Trizeps VI: Embedded-Computer im Format eines Speichermoduls
Der Trizeps VI(öffnet im neuen Fenster) ist kein Computer, den man ins Notebook an Stelle eines Speichermoduls stecken kann. Vielmehr handelt es sich um ein Embedded-System, die SO-DIMM-Verbindung ist nur mechanisch kompatibel zu den Steckplätzen für Speichererweiterungen. Da diese Slots aber günstig zu haben sind und ihre Mechaniken sich auch im mobilen Betrieb bewährt haben, setzt Keith & Koep auf diese Verbindung.
Über den DIMM-Port werden alle Verbindungen des Computers an ein sogenanntes Baseboard geführt. Darauf können dann alle Schnittstellen mit ihren großen Buchsen wie Fast-Ethernet oder zweimal USB Platz finden. Auf dem Trizeps VI selbst gibt es nur einen Einschub für Micro-SD-Karten, von denen auch gebootet werden kann. Sie dürfen bis zu 32 GByte groß sein.
Der Arbeitsspeicher von 128 oder 256 MByte Größe (DDR2) ist ebenfalls auf dem Trizeps selbst angebracht, was auch für die Logik zur Ansteuerung der Schnittstellen auf dem Baseboard gilt. Dazu zählt auch die Grafikeinheit, die im SoC untergebracht ist. Auf seinen Referenzsystemen verbaut Keith & Koep daher auch HDMI-Ports, die Ansteuerung etwa von resistiven Touchscreens über nur vier Leitungen ist aber auch möglich.
Für die Entwickler von Embedded-Systemen sollen sich durch die Trennung des Computers von der Schnittstellenausstattung Vorteile vor allem bei der Software ergeben. Sie muss nur einmal auf den Rechner angepasst werden und kann dann auf ganz unterschiedlich ausgerüsteten Geräten laufen. Windows Embedded sowie Linux werden dafür unterstützt. Reichen die Schnittstellen des Trizps selbst nicht, sind sie per PCI-Express x1 erweiterbar. Auch diesen Bus stellt das SoC, er wird ebenfalls über den SO-DIMM-Slot auf das Baseboard geführt.
Medizintechnik und Spezialfahrzeuge
Wie Volker Keith im Gespräch mit Golem.de erklärte, finden die Trizeps-Computer schon seit einigen Jahren Anwendung unter anderem in der Medizintechnik. Als einen Kunden nannte Keith Siemens, die MRT-Scanner und Computertomographen (CT) mit den kleinen Rechnern bestücken. Auch in Spezialfahrzeugen wie beispielsweise der Abfallentsorgungen sollen die Embedded-Systeme zum Einsatz kommen. Mit den neuen Modellen will das Unternehmen auch Internet-Appliances wie Tabletcomputer ausrüsten.
Marvells Sheeva treibt den Trizeps
Die SoCs des Trizeps stammen von Marvell. Dabei wird entweder der PXA168 mit 1,1 GHz oder der PXA166 mit 800 MHz angeboten. Die beiden Chips basieren auf der ARM-v5-Architektur, verfügen aber über etliche Besonderheiten wie zusätzliche Vektoreinheiten. Dieses "Wireless MMX" hatte seinerzeit Intel für seine XScale-Prozessoren erfunden, bevor diese Chipsparte bis auf einige Netzwerkbausteine Wireless MMX wurde.
Laut Volker Keith sind die auch unter ihrem Familiennamen "Sheeva" bekannten Marvel-SoCs derzeit für die angepeilten Anwendungen die schnellsten ARM-Bausteine, obwohl sie nur als Single-Core verfügbar sind. Neuere Modelle, wie der unter anderem von ST angekündigte Cortex-A9 mit zwei Kernen, seien zwar interessant, aber noch nicht in ausreichenden Stückzahlen verfügbar.
Keith & Koep will den Trizeps VI ab sofort ausliefern. Je nach Ausstattung mit SoC, Speichermenge und der Stückzahl kosten die kleinen Computer zwischen 70 und 140 Euro.