Wikileaks: Verwirrung um E-Mail-Wechsel mit Menschenrechtsgruppen
Die Organisationen Campaign for Innocent Victims in Conflict (CIVIC)(öffnet im neuen Fenster), das Open Society Institute (OSI)(öffnet im neuen Fenster), die Afghanistan Independent Human Rights Commission(öffnet im neuen Fenster) und das Kabuler Büro der International Crisis Group (ICG)(öffnet im neuen Fenster) hatten in einer E-Mail an Wikileaks-Aktivist Julian Assange darum gebeten, die veröffentlichten Dokumente nach Namen afghanischer Zivilisten zu durchsuchen und sie herauszustreichen oder die entsprechenden Dokumente zu entfernen.
Ein Sprecher von Amnesty International (AI) bestätigte Golem.de den Kontakt zu Assange. AI gehöre aber nicht zu den Unterzeichnern des Appells. AI wäre lediglich als Vermittler gegenüber Wikileaks aufgetreten. Dennoch habe die Organisation ihre Hilfe bei der Sichtung der Dokumente angeboten. AI wollte nach dem E-Mail-Wechsel zunächst in einer Telefonkonferenz die Details zu der Zusammenarbeit klären.
Verwirrende Twitter-Mitteilungen
Assange habe die Konferenz jedoch abgelehnt – er habe dazu keine Zeit. Gleichzeitig habe er damit gedroht, eine entsprechende Pressemitteilung zu veröffentlichen, wenn AI nicht bei der Sichtung helfen würde. Anschließend meldete Wikileaks per Twitter(öffnet im neuen Fenster): "Das Pentagon will uns vernichten, indem sie bei der Recherche nicht helfen. Die Medien wollen keine Verantwortung übernehmen. Amnesty auch nicht. Was tun?"
Wenig später erschien eine weitere Twitter-Nachricht: Amnesty International hätte nicht offiziell Stellung zum Thema Wikileaks bezogen. In einem weiteren Posting bezeichnete Wikileaks die "Besatzungstruppen in Afghanistan als angeblichen Hauptgeldgeber der Afghanistan Independent Human Rights Commission", die die E-Mail mit unterzeichnet hatte.
Amnesty will weiterhin helfen
Der britischen Times(öffnet im neuen Fenster) bestätigte Sam Zarifi – Leiter der Abteilung für Asien und den Pazifik bei Amnesty International – den E-Mail-Austausch mit Wikileaks. "Unser Angebot, Wikileaks bei der Redigierung der Unterlagen zu helfen, steht nach wie vor", sagte er. "Amnesty will das Risiko für afghanische Zivilisten so weit wie möglich minimieren, vor allem seitdem ein UN-Bericht die steigende Opferzahl unter Zivilisten in Afghanistan durch Ermordung durch die Taliban beklagt."
Wikileaks hatte sich schon immer dazu verpflichtet, sowohl Informanten als auch von den Veröffentlichungen Betroffene zu schützen. Allerdings sollte keine redaktionelle Aufarbeitung der Inhalte vorgenommen werden, die Wikileaks auf seiner Webseite veröffentlicht. Das sollte den Journalisten überlassen werden. Es gehe auch darum, dass Informationen stets an die Öffentlichkeit gelangen und nicht der Erpressung oder der Bereicherung dienen sollten, so Assange in einer Rede auf dem 26. Chaos Communication Congress (26C3) im Dezember 2009. Bereits bei der Veröffentlichung einer kommentierten Fassung des aufsehenerregenden Videos einer Hubschrauberattacke im Irak, bei der 2007 mehrere Zivilisten getötet wurden, wurde Kritik laut. Wikileaks-Aktivist Daniel Schmitt sagte damals in einem Interview mit Golem.de, die Veröffentlichung der kommentierten Fassung sei zumindest "unglücklich".
Schutz für Informanten und Betroffene
Wikileaks hatte die Dokumente aus dem Krieg in Afghanistan vor der Veröffentlichung auf seiner Webseite an die Publikationen Spiegel, New York Times und Guardian übermittelt, mit der Bitte um Verifizierung und Sichtung. Laut Spiegel hatten "die Chefredakteure des Spiegel, der New York Times und des Guardian vereinbart, besonders sensible Informationen aus dem Geheimmaterial – etwa die Namen von afghanischen Informanten des US-Militärs oder Informationen, welche die Soldaten in Afghanistan zusätzlichen Sicherheitsrisiken aussetzen könnten – nicht zu veröffentlichen."
Ob Wikileaks genügend Helfer hat, die es mit der Sichtung der unzähligen Dokumente betrauen kann, scheint indes fraglich. Mit Hilfe der bislang eingegangenen und künftigen Spendengelder soll eine neue Stiftung in Deutschland gegründet werden. Die Organisation wolle auch Helfer einstellen, die sich um die Koordination der zahlreichen Freiwilligen kümmern. Zusätzliche feste Mitarbeiter sollen für den Kontakt zur Presse verantwortlich sein, so Schmitt.
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