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Spieletest Need for Speed World: Mit Vollgas in den Spielspaß-Underground

Es fühlt sich alles an wie in der Beta - selbst auf dem Startbildschirm prangt weiterhin das "Beta"-Logo, obwohl Need for Speed World offiziell ins Rennen gegangen ist. Auch sonst enttäuscht die Vorzeigeserie von Electronic Arts durch monotone Rennen, schlechte Steuerung und ein unübersichtliches Interface.
/ Michael Wieczorek
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Der Einstieg ist schnell erledigt: Um Need for Speed World spielen zu können, benötigen PC-Piloten nur den rund 770 MByte großen Client aus dem Internet. Nach der Installation wartet das Rennspiel von Black Box mit einer frei befahrbaren Stadt, mit unzähligen Rennevents und Verfolgungsjagden mit der Polizei auf. Nach dem Start ploppen allerdings auch die ersten Fragezeichen im Kopf des Spielers auf: Wieso sind die Menüpunkte Steuerung und Interface ausgegraut? Warum muss ich mich von einem Dialogfenster mit Textwüste zum nächsten durchklicken? Und warum will mir hier ständig jemand Boost verkaufen?

Need for Speed World - Eindrücke (Gameplay)
Need for Speed World - Eindrücke (Gameplay) (05:04)

Boost ist in Need for Speed World die Ingame-Währung, die der Spieler jederzeit gegen echte Euro nachkaufen kann. Boost erlaubt Zugriff auf Powerups, etwa das altbekannte Nitro oder Lackierungen und Vinyls. Neue Autos kosten entweder Spiel-Dollar oder sie lassen sich gegen Bezahlung von Boost ausleihen. Für 600 Boost (umgerechnet rund 2 Euro) gibt es beispielsweise einen Mitsubishi Eclipse GT für drei Tage. Gelegenheiten, um Boost auszugeben, finden sich an jeder Ecke im Spiel - vor allem nach Rennen, um vergünstigt Powerups zu kaufen oder mehr Erfahrungspunkte zu bekommen.

Um ein Rennen zu starten, ruft der Spieler mit "M" die Stadtkarte auf und wählt das nächste Event aus. Dann muss er sich entscheiden, ob er alleine gegen die KI, gegen Onlinemitspieler oder ein paar Freunde fahren möchte. Abwechslung bieten nur ein kurzweiliger Fotomodus und die Verfolgungsjagden mit der Polizei.

Verfolgungsjagden startet der heimische Rennfahrer, indem er ein Polizeiauto rammt. Daraufhin klinkt sich der Spieler in den Polizeifunk ein, weicht dem Straßenverkehr aus und demoliert so viele Tankstellen, Brücken und Cop-Karren wie möglich. Wenn er den Gesetzeshütern entkommen ist, muss er noch eine Weile unentdeckt bleiben, bis es Erfahrungspunkte und Spiel-Dollar hagelt.

Bei jedem Levelaufstieg darf der Spieler eine Eigenschaft erhöhen, die ihm Vorteile in einer Rennart bringen. Bis Level 10 kommt jeder, darüber hinaus gelangen nur Spieler, die auch für das Starter Pack gezahlt haben. Sie profitieren auch von mehr Garagenplätzen und etwas Boost.

Extras wie in Mario Kart

Powerups sind eine Neuerung für Need for Speed, vom Nitroboost mal abgesehen. In World können Spieler einen Magneten auf ihre Gegner abfeuern, der den Straßenverkehr anzieht. Ein weiteres Extra gibt dem eigenen Auto mehr Gewicht, was das Herumschubsen von Gegnern erleichtert. Ein Extraschild schützt den Fahrer vor negativen Einflüssen - hört sich ganz nett an und erinnert an Mario Kart und Blur. Das Problem mit den Powerups ist aber, dass sie miserabel ausbalanciert sind. Der Verkehrsmagnet ist viel zu mächtig, das Schwergewicht zu schwach.

Need for Speed World - Powerups-Trailer
Need for Speed World - Powerups-Trailer (01:29)

Need for Speed World lässt sich nur mit einer Kombination aus Tastatur und Maus spielen. In den Rennen kann wahlweise ein Xbox-360-Controller mit einer Standardbelegung benutzt werden. Konfiguriert werden darf hier nichts - auch nicht das unübersichtliche Interface, das zwischen jedem Rennen mit der Maus bedient werden muss. Das ist ein Punkt, der seit der ersten Beta von Spielern kritisiert wird, der aber bis heute noch besteht. Das ständige Hin- und Herwechseln von Maus und Gamepad nervt.

Grafisch hängt der Titel hinter den Offlinevertretern der Serie zurück. Das Spiel sieht längst nicht so gut aus wie Need for Speed Underground 2 (2004) oder Most Wanted (2005). Ein Umstand, der wohl auch der Ausrichtung auf Einsteiger zugeschrieben werden kann. Dennoch ruckelt und zuckelt es in NfS World zu oft. Es gibt häufige Laderuckler der Engine, Popups von Autos und polygonarmen KI-Straßenverkehr.

Golem.de hat Need for Speed World(öffnet im neuen Fenster) in der Version 1.8.1.49 mit aktiviertem Starter Pack getestet, das online für 20 Euro erhältlich ist. Das Rennspiel wurde von der USK ab sechs Jahren freigegeben.

Fazit

Schade, aber Need for Speed World verschenkt sein Potenzial. Von einer Onlinewelt ist nichts zu spüren, stattdessen hetzen die Spieler von Rennen zu Rennen und leveln sich mühsam nach oben, wo es aber außer schnelleren Autos und dem x-ten Vinyl nichts zu sehen gibt. Leaderboards, Erfolge, Voice-Chat, Community-Events und ein Match-Making, das sich am fahrerischen Können orientiert - vieles fehlt. Auch die Strecken sind meist gleichförmig und uninteressant.

Interaktionen mit der Welt, und sei es nur eine Lichthupe oder ein paar Sehenswürdigkeiten, würden Need for Speed World guttun. Aber selbst dann müsste EA immer noch die Benutzerführung und die Powerups überarbeiten, damit das Rennspiel erträglich wird. In der vorliegenden Form lohnt es sich nur für Einsteiger, kurz mal kostenlos reinzuschnuppern. Echte Fans von Arcade-Rennspielen freuen sich stattdessen auf Need for Speed: Hot Pursuit , das derzeit bei Criterion entsteht, oder Test Drive Unlimited 2 - schon dessen Vorgänger hat 2006 eine überzeugendere Onlinewelt geboten als Need for Speed World jetzt.


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