Telenoid R1: Unheimlicher Telepräsenzroboter mit Stummelarmen

Der japanische Robotiker Hiroshi Ishiguro hat einen neuen humanoiden Roboter konstruiert. Telenoid R1(öffnet im neuen Fenster) heißt der nicht einmal einen Meter große, weiße Roboter. Er soll, wie der Name andeutet, als Telepräsenzroboter eingesetzt werden.
Stummelarme und keine Beine
Der Roboter hat einen wenig modellierten Körper, aus dem zwei Stummelarme ragen. Er läuft unten in eine Art Schwanz aus. Das Gesicht ist kantig, Mund und Nase sind nur angedeutet. Dafür sitzen darin zwei bewegliche Augen. Das minimale Design sei Absicht gewesen, schreiben die Entwickler auf ihrer Website. Der Roboter erscheine sowohl alt als auch jung, sowohl männlich als auch weiblich. So könne er jede Person jeden Alters, männlich und weiblich repräsentieren.
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| Video: Telenoid R1 in Aktion |
"Durch dieses minimale Design vermittelt Telenoid den Nutzern den Eindruck, als ob ein Bekannter, der in der Ferne weilt, ganz nahe bei Ihnen ist" . Ob man sich jedoch gern von Telenoid vertreten lassen oder mit ihm kommunizieren möchte, ist fraglich. Tatsächlich sieht Telenoid aus wie eine Mischung aus Otfried Preußlers kleinem Gespenst(öffnet im neuen Fenster) und einer Babypuppe.
Bedienung per Laptop
Derjenige, den der Roboter repräsentiert, braucht ein Notebook mit einer Kamera und einem Mikrofon, um sich vertreten zu lassen. Er spricht dann in den Computer. Dabei nimmt der Computer die Sprache auf, welche Bewegungen der Nutzer durchführt und wie sich seine Gesichtszüge verändern. Eine Software analysiert Gestik und Mimik und überträgt einiges davon zusammen mit den Worten des Nutzers an den Telepräsenzroboter.
Beunruhigend humanoide Roboter
Im Inneren des Telenoid befinden sich neun kleine Motoren, die als künstliche Muskeln den Roboter animieren. So ahmt er die Bewegungen und die Veränderungen des Gesprächspartners nach.
Markteinführung noch 2010
Telenoid R1 ist eine Kooperation der Universität von Osaka, wo Ishiguro arbeitet, und dem Advanced Telecommunications Research Institute International (ATR). Ishiguro will ihn auf dem Festival Ars Electronica vorstellen(öffnet im neuen Fenster) , das vom 2. bis 11. September 2010 im österreichischen Linz stattfindet. Das japanische Unternehmen Eager soll den Roboter noch in diesem Jahr auf den Markt bringen, berichtet das US-Wissenschaftsmagazin IEEE Spectrum(öffnet im neuen Fenster) . Der Preis soll bei umgerechnet rund 6.000 Euro liegen.
Roboter, die auf eine beunruhigende Art und Weise menschlich aussehen, sind eine Spezialität von Ishiguro: 2006 präsentierte er den Geminoid HI-1(öffnet im neuen Fenster) , den er nach seinem eigenen Abbild gebaut hat. Im Frühjahr 2010 stellte der Robotiker Geminoid F vor, das robotische Porträt einer jungen Japanerin.
Expedition ins Tal des Unheimlichen
Um das sogenannte Uncanny Valley (öffnet im neuen Fenster) (auf Deutsch etwa: unheimliches Tal) macht er sich dabei offensichtlich nur wenig Gedanken. Diese Theorie besagt, dass Menschen künstliche Figuren - seien es Roboter, Avatare oder Trickfiguren - ablehnen, wenn sie ein allzu menschliches Aussehen oder Verhalten an den Tag legen.
Das Tal bezeichnet dabei den Einbruch in einer Kurve, die die Akzeptanz nichtmenschlicher Wesen beschreibt. So steigt die Akzeptanz zunächst an, wenn aus abstrakten Produktionsmaschinen humanoide Roboter mit menschlichen Attributen werden. Werden Verhalten und Bewegungen jedoch zu menschlich imitiert, bricht die Kurve ein und fällt unter den neutralen Wert. Die Akzeptanz schlägt um in Unbehagen oder sogar vehemente Ablehnung.