Insurance.aes256: Wikileaks droht mit mehr
Es sieht ganz so aus, als seien die Betreiber der Plattform Wikileaks den Mächtigen dieser Welt dieses Mal so richtig auf die Füße getreten. Und es scheint, als wollten sie nun mit einem bislang verschlüsselten Dokument warnen, dass sie noch sehr viel mehr verraten könnten, wenn die amerikanischen Behörden sie nicht in Ruhe lassen.
Seit Wochen gibt es Berichte, der Gründer der Seite, Julian Assange, habe gelegentlich Probleme bei der Einreise in einige Länder und meide die USA, da dortige Behörden ihn gern befragen würden.
Die Veröffentlichung der bis dahin geheimen Afghanistan-Papiere hat das Interesse verschiedener Dienste an ihm und seinen Mitstreitern nun offensichtlich verstärkt.

Vergangenen Donnerstag wurde beispielsweise Jacob Applebaum(öffnet im neuen Fenster) bei der Einreise in die USA aufgehalten, durchsucht und befragt. Außerdem beschlagnahmten die Beamten seine Mobiltelefone. Applebaum bezeichnet sich selbst als Hacker, arbeitet für das Anonymisierungsnetzwerk TOR(öffnet im neuen Fenster) und vertrat vor kurzem Wikileaks-Gründer Assange als Redner auf der Hackerkonferenz The next Hope.
Letzteres, so berichtete unter anderem Spiegel Online(öffnet im neuen Fenster), habe ihm das Interesse der amerikanischen Behörden eingetragen, obwohl der US-Bürger nicht einmal an der Veröffentlichung der Dokumente beteiligt war.
Der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates hat mittlerweile eine "aggressive" Suche nach dem Informanten der Dokumente angekündigt.
Möglicherweise haben die Betreiber von Wikileaks darauf nun mit einer ganz eigenen Drohung geantwortet. Denn auf der Liste der Afghanistan-Papiere(öffnet im neuen Fenster) tauchte inzwischen noch eine Datei namens Insurance.aes256(öffnet im neuen Fenster) auf. Sie ist 1,4 Gigabyte groß und damit erheblich größer als die kompletten Berichte des bislang veröffentlichten War Diary(öffnet im neuen Fenster), des Kriegstagebuchs.
Verschlüsselte Datei als Lebensversicherung?
Insurance lässt sich zwar herunterladen, aber nicht öffnen. Die Datei ist, wie ihr Name nahelegt, mit dem Standard AES-256 verschlüsselt. Der gilt als derzeit so sicher, dass ihn – als ersten offenen kryptographischen Algorithmus überhaupt – auch der amerikanische Geheimdienst NSA für die Verschlüsselung auf höchster Geheimhaltungsstufe zugelassen hat.
Alle anderen Afghanistan-Papiere sind problemlos lesbar, diese eine Datei nicht. Die Website Cryptome, selbst seit vielen Jahren damit beschäftigt, geheime Unterlagen zu veröffentlichen, spekuliert(öffnet im neuen Fenster), dies sei eine Art Lebensversicherung – daher insurance. Man habe sie auf die Seite gestellt, damit sie weltweit heruntergeladen und verbreitet werde. Sollten Assange oder Wikileaks etwas zustoßen, so die Mutmaßung bei Cryptome, könnten Mitarbeiter der Seite das Passwort veröffentlichen, mit dem sich die Informationen befreien ließen.
Womöglich verstecken sich aber noch viel brisantere Papiere als die schon Bekannten in der Datei. Das vermuten verschiedene Beobachter wie beispielsweise das Magazin Wired(öffnet im neuen Fenster). Assange selbst hatte erklärt, man habe nur einen Teil der erhaltenen Daten veröffentlicht, insgesamt 15.000 Dokumente jedoch aus Sorge um die Sicherheit von Betroffenen zurückgehalten. Spekuliert wird, dass sich in den 1,4 Gigabyte noch viel mehr Material verberge. Immerhin habe der mutmaßliche Lieferant des Collateral-Murder-Videos, der inzwischen angeklagte Analyst des Armeegeheimdienstes Bradley Manning, mehr als 500.000 Dokumente aus Pentagon-Rechnern heruntergeladen und wohl Assange übergeben.
Wikileaks selbst schweigt dazu. Es gibt keine Aussage, wie viele Papiere man wirklich erhalten hat. Auch Nachfragen zu der insurance-Datei werden nicht beantwortet. [von Kai Biermann / Zeit Online(öffnet im neuen Fenster)]
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