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Eee PC 1215N im Test: Schnelles Spiele-Netbook mit Dual-Core und Optimus

Wer ein leistungsfähiges 12-Zoll-Netbook haben will, der könnte zu Asus' neuem Eee-PC-Modell 1215N greifen. Mit Ion-Grafik und Dual-Core-Atom ist es viel schneller als einfache Netbooks. Allerdings hat das Gerät Konkurrenz im übergeordneten CULV-Lager.
/ Andreas Sebayang
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Mit dem Eee PC 1215N verkauft Asus ein Notebook mit einer besonderen Hardwarekombination. Dabei wird der Atom D525 mit zwei Kernen zusammen mit dem Tiger-Point-Chipsatz NM10 und einem Ion-2-Grafikkern von Nvidia in ein 12-Zoll-Gehäuse gepackt. Der Ion 2 kann dabei auf 512 MByte DDR3-Grafikspeicher zurückgreifen und taktet laut GPU-Z mit 475 MHz. Diese Kombination verspricht eine für Netbook-Verhältnisse hohe Leistung, sowohl beim Spielen als auch beim Arbeiten.

Asus Eee PC 1215N – Test
Asus Eee PC 1215N – Test (01:39)

Dass es überhaupt zu einer solchen Kombination aus drei Chips kommen musste, liegt an Intel. Mit dem NM10 hat Intel den Grafikkern aus dem Chipsatz in die CPU verlagert. Das Problem: Auch Intels neuer Grafikkern ist kaum schneller als die Lösungen der ersten Netbook-Generation . Nvidias Ion 2, angebunden per PCI-Express am NM10, verspricht deutlich mehr Leistung, auch beim Videodecoding.

Mit der Kategorisierung des neuen Eee PC wird es schwer. Ein 12,1-Zoll-Notebook (1.366 x 768 Pixel, spiegelnd) konkurriert schon mit sogenannten CULV-Notebooks (Consumer Ultra Low Voltage), bei ähnlichem Preis. Der hier getestete Eee PC kostet mit fast 500 Euro ähnlich viel wie kleine CULV-Subnotebooks. Wir werden im Folgenden aber den Eee PC als Netbook einstufen, da er sich durchaus von den CULV-Geräten stark genug unterscheidet. Vor allem durch die zu erwartende CPU-Leistung.

Nach Microsofts Definition ist das Gerät jedoch kein Netbook mehr. Die ULCPC-Lizenz gibt es von Microsoft dafür nicht, denn dafür verbaut Asus zu viel RAM. Asus installiert also Windows 7 Home in der 32-Bit-Variante.

Eee PC im Wandel

Unser Testmuster ist ein Vorseriengerät mit einem Beta-BIOS und 4 GByte RAM (2 x 2 GByte). Aufgrund des Betastadiums des BIOS' konnten im schlimmsten Fall nur 2 GByte RAM angesprochen werden. Das entspricht dann der Handelsversion, die nur mit 2 GByte ausgeliefert wird.

Der Eee PC 1215N, der uns zur Verfügung stand, wird laut Asus der endgültigen Version entsprechen. Wer aufmerksam im Netz geschaut hat, wird noch Ankündigungen für das ein oder andere Modell mit anderer Ausstattung gesehen haben. USB 3.0 hat unser Muster beispielsweise nicht und statt des D510 (2 x 1,66 GHz) hat Asus gleich den schnelleren D525(öffnet im neuen Fenster) (2 x 1,8 GHz) eingebaut. Mit der Super Hybrid Engine genannten Übertaktungsfunktion ist auch ein Takt von 1,84 GHz möglich.

Konstruktion

Asus nutzt die typische Keil-Bauform. Das Netbook ist also vorne schön dünn und hinten am Akku recht dick. Inklusive der Standfüße haben wir hinten vier Zentimeter gemessen. Der Rechner ist damit dicker als viele Subnotebooks, auch wenn er durch die Bauform anders erscheint und sich auch sehr angenehm beim Tragen anfühlt. Erst in einer Notebooktasche bemerkt der Anwender die Dicke. Das ist vor allem dem 56-Wattstunden-Akku zu verdanken.

Trotz des sehr weit hinten liegenden Gewichts des Akkus neigt der Eee PC nicht dazu, nach hinten wegzukippen. Auf einem Schoß bleibt das Gerät angenehm stabil. Das Gewicht liegt bei 1,5 kg. Für ein 12-Zoll-Gerät dieser Preisklasse ist das immer noch recht leicht.

Besonders gut gelungen ist die Kühlung des Netbooks. Selbst unter Volllast bleibt das 1215N angenehm leise und der Luftausstoß an der linken Seite ist nicht besonders warm. Unmittelbar an der Öffnung konnten wir unter Volllast rund 46 Grad Celsius messen. Ein paar Zentimeter weiter weg in der Nähe einer Linkshändermaus waren es nur noch um die 40 Grad, da das Gebläse die Abluft weiträumig verteilt.

Bei den Anschlüssen gibt es nur eine Besonderheit: Das Netbook hat einen HDMI-Port neben dem VGA-Ausgang. Den gibt es aber nur, weil Nvidias Ion 2 diesen mitbringt. Intel selbst will diesen Ausgang eigentlich teureren Notebooks vorbehalten.

Des Weiteren finden sich noch ein SDHC-Kartenleser am Gerät und drei USB-Anschlüsse. WLAN gibt es zwar entsprechend dem IEEE-Standard 802.11n, allerdings wie für diese Preisklasse üblich nur auf dem 2,4-GHz-Band. Bluetooth ist ebenfalls an Bord. Die Festplatte ist 250 GByte groß.

Tastatur und Touchpad

Der Anschlag der Tastatur ist gut. Außerdem bietet das 12-Zoll-Netbook genug Platz für eine schön breite Tastatur. Die Ausführung der einzelnen Tasten (Chiclet-Bauweise) ist Geschmackssache. Hoffentlich dem Vorserienstatus geschuldet ist die Stabilität der Tastatur, die ihre Form ändert, wenn etwas Druck ausgeübt wird. Auch die Handballenauflage wirkte etwas locker. Unser Vorseriengerät knarzte, was beim Arbeiten aber nicht stört.

Das große Touchpad (85 x 47 mm) gefiel gut. Dafür waren aber die Mausersatztasten keine gute Konstruktion. Die Tasten sind als Wippe ausgeführt, die doch einen deutlichen Druck erfordern. Das ist ziemlich anstrengend. Zum Glück kann der Anwender für die linke Maustaste auch einfach aufs Touchpad tippen. Für das Kontextmenü ist aber ein nerviger Druck auf den rechten Teil der Taste notwendig.

Optimus – Wechseln der Grafikkerne zur Laufzeit

Die Besonderheit der Optimus-Technik von Nvidia ist die Möglichkeit, den Ion-2-Grafikkern nur bei Bedarf nutzen zu müssen. Je nach Situation schaltet der Treiber den Ion-Chip ein oder aus. Beim normalen Arbeiten bleibt der Chip in der Regel deaktiviert und trägt so zu längeren Laufzeiten bei. Eine gewisse Intelligenz findet sich aber anscheinend nicht im Treiber, die etwa 3D-Rendering erkennt. So schaltete der Treiber beim OpenGL-Benchmark Cinebench R10 nicht auf die Ion-Grafik um, bei der Version R11.5 hingegen schon. Auch die 3D-Szene des Battery Eater lässt den Ion nicht anspringen. Entsprechendes Feintuning ist aber im Treiber möglich. So können etwa Dateinamen angegeben werden, die Optimus anspringen lassen.

Wird ein Spiel gestartet, schaltet sich der Ion 2 in der Regel automatisch zu. Wichtige Titel kennt der Treiber. Aus dem einfachen Netbook wird ein in Teilen spieletaugliches Notebook. Aktuelle Spiele lassen sich damit zwar nur mit Mühen nutzen, aber der ein oder andere wenige Jahre alte Klassiker funktioniert. Wir konnten Half-Life 2, Portal und Mirror's Edge durchaus auf dem kleinen Gerät spielen. Die Bildraten von Mirror's Edge waren allerdings grenzwertig.

Benchmarks und gefühlte Leistung

Durch den Dual-Core-Atom fühlt sich der Eee PC ziemlich flott beim normalen Arbeiten an. Wer häufig mit einem Single-Core-Netbook arbeitet, regt sich schon ab und an über die langsame CPU auf, die zu Wartereien vor dem Desktop sorgt. Dank Hyperthreading hat der Nutzer beim neuen Eee PC sogar vier logische Kerne.

In den Benchmarks zeigte sich dann, wie überlegen der Dual-Core-Atom im Vergleich zu einem Single-Core-Atom ist. An den Cinebench-Werten ist sehr schön zu erkennen, wie viel der Dual-Core mit Hyperthreading gegenüber einem einzelnen Kern bringen kann. Im Cinebench R11.5 erreicht der Eee PC 0,57 Punkte mit allen vier logischen Kernen. Ein einzelner Kern schafft nur 0,18 Punkte.

Für die bessere Vergleichbarkeit haben wir auch den älteren Cinebench R10 vermessen. Der Atom D525 des Eee PC erreicht im xCPU-Benchmark 1.707 Punkte. Fast das Doppelte eines Atom N450 (1,66 GHz), der nur auf 873 Punkte kommt. Gegenüber einem CULV muss das 1215N aber ziemlich zurückstecken. Auch eine günstige und ältere Core-2-Duo-CPU wie der SU7300 (1,3 GHz, 3 MByte Cache) ist schneller und erreicht 2.662 Punkte.

Nicht ganz ins Bild passt der SuperPI-Test, der aber kaum in Threads aufgeteilt ist. Bei einer Million Iterationen braucht ein Atom N450 etwa 88 Sekunden, der D525 81,5 Sekunden. Für den Super-Pi-Test hatten wir nur einen dem Core 2 Duo SU7300 recht ähnlichen U7600-Prozessor (1,2 GHz, 2 MByte Cache) zur Verfügung. Er vollendet den SuperPI-Test in 43 Sekunden. Hier zeigt sich sehr deutlich, dass eine ULV-CPU einem Atom überlegen ist.

In den 3DMark2001-Benchmarks kommt der Ion erwartungsgemäß sehr gut weg. Während ein GMA 3150 in einem Single-Core-Atom gerade einmal 2.648 Punkte erreicht, sind es beim Ion 2 mit 5.545 Punkten deutlich mehr.

Dass ein Dual-Core-Atom mit Ion-2-GPU im Lager eines CULVs mitspielen kann, zeigt Starcraft 2. Während Acers 1825PTZ bei nativer Einstellung und niedrigen Details nur 15 Bilder pro Sekunde erreicht, allerdings noch in einer damals vermessenen Betaversion, sieht es beim Ion 2 sehr viel besser aus.

Das ist allerdings nicht so gut, wie es Nvidia in seinem Ion-2-Werbematerial verspricht. Hier finden sich Passagen, die schöne Grafiken versprechen, wie es der Entwickler Blizzard vorsieht, gepaart mit flüssigen Bildraten. Nvidia übertreibt hier etwas, aber es reicht dennoch, um etwa mit mittlerer Texturqualität zu spielen und fast alle anderen Einstellungen im unteren Bereich zu lassen. Für Einzelspielerkarten und die Kampagne durchaus brauchbar, allerdings wird es in höheren Leveln zunehmend knapp und das Echtzeitstrategiespiel wird zunehmend ruckeliger. Bei Mehrspielerpartien könnte es mit dem Netbook ebenfalls eng werden. Zudem erkannte Starcraft 2 bei uns nicht die native Auflösung des Netbooks, so dass wir mit 1.280 x 720 Pixeln spielen mussten.

Ein interessanter Nebeneffekt bei Starcraft 2, der zeigt, dass ein Dual-Core-Atom nicht immer ausreicht: In das 3D-Geschehen eingebettete Videos ruckelten teils unerträglich. Schon am Starcraft-Intro war das zu sehen. Bei diesem Rendervideo in hoher Auflösung greift offenbar die Videobeschleunigung nicht. In Zwischensequenzen ergibt sich dann der Effekt, dass zwar die 3D-Szenerie mit 50 Bildern pro Sekunde gerendert wird, die Videos aber nur mit geschätzten fünf Bildern abgespielt werden. Dadurch laufen die Zwischensequenzen teils asynchron zum Ton.

Videobeschleunigung und Akkulaufzeit

Nvidias Ion 2 übernimmt auch die Decodierung von Videoinhalten. Voraussetzung für beschleunigtes Flash-Video ist der Flash Player 10.1 . Die Umschaltung funktionierte recht zuverlässig und beschleunigte 720p- und 1080p-Videos. Gelegentlich aktivierte sich die Ion-GPU aber auch bei niedrigeren Auflösungen.

Mit dem VLC-Player 1.1.x konnten wir bei 1080p-Videos ebenfalls auf die GPU-Beschleunigung setzen. Der in 1080p vorliegende Render-Kurzfilm Big Buck Bunny lief ruckelfrei. Interessant war, dass die CPU-Auslastung beim VLC-Player höher war als beim Windows-Media-Player, der die GPU nicht aktivierte. Dank des Dual-Core-Atoms ließ sich besagtes 1080p-Video im Windows-Media-Player dennoch abspielen, wenn auch mit kleinen Rucklern.

Das Display kann diese Auflösung zwar nicht darstellen, aber dennoch ist es ein deutlicher Vorteil, wenn eine Plattform auch 1080p-Videos darstellen und herunterrechnen kann. Somit entfällt das zeitaufwendige Umcodieren der eigenen Sammlung für den Mobilrechner.

Akkulaufzeiten

Bei der Akkulaufzeit kommt das Netbook nicht an kleinere, aber auch langsamere Ein-Kern-Netbooks heran. Dies ist zum einen natürlich dem Dual-Core-Atom geschuldet und zum anderen dem größeren Display. Trotzdem sind die Werte brauchbar. Mit Last auf CPU und GPU und aktiviertem Intel-Grafikkern (Battery Eater Classic) schafft das Netbook genau 4 Stunden. Die Helligkeit war dabei auf Maximum, Bluetooth deaktiviert und WLAN aktiviert.

Die Messung haben wir auch ohne WLAN durchgeführt, ohne allerdings einen nennenswerten Unterschied zu entdecken. Für 10 Minuten extra lohnt es sich nicht, den Komfort eines daueraktiven WLANs aufzugeben.

Ohne Last, Drahtloskommunikation und mit leicht reduzierter Helligkeit verlängert sich die Laufzeit auf 6 Stunden und 53 Minuten. Das ist die maximale Laufzeit des Netbooks und entspricht fast der Angabe des Herstellers, die bei 7 Stunden liegt. Das ist unerwartet wenig und liegt möglicherweise daran, dass der Atom D525 in unserem Testgerät auch ohne Last mit 1,8 GHz taktet.

Zum Vergleich: Acers CULV-Tablet 1825PTZ schafft ähnliche Werte. Wir hatten das Notebook damals mit aktivem WLAN und voller Displayhelligkeit gemessen und kamen auf 7 Stunden und 46 Minuten. Acers Akku ist aber mit 63 Wattstunden auch größer als der von Asus mit seinen 56 Wattstunden. Trotzdem: Im Bereich der Laufzeiten ist ein CULV-Notebook vielleicht die bessere Wahl, da es vor allem kurzfristig mehr Leistung liefern kann. Zuweilen geht das aber zulasten der Akkulaufzeit, denn die liegt beim Acer-CULV trotz eines größeren Akkus deutlich unter der 4-Stunden-Marke.

Für das Worst-Case-Szenario und zum Testen der Nvidia-GPU haben wir auf dem 1215N Starcraft 2 mit LAN-Verbindung, einer zusätzlichen USB-Maus und voller Helligkeit gespielt. Hier reduziert sich die Laufzeit auf 3 Stunden und 6 Minuten. Im Vergleich zum Leistungsgewinn ist Nvidias Ion 2 also trotzdem recht genügsam. Zum Vergleich: Das CULV-Spielenotebook Alienware M11x (11,6 Zoll) hielt mit der damaligen Starcraft-2-Beta gerade einmal 2 Stunden durch . Hier hat die schnellere Hardware des M11x also einen deutlichen Nachteil.

Fazit und Verfügbarkeit

Das Netbook soll spätestens Anfang September 2010 zu einem Preis von 499 Euro auf den Markt kommen.

Fazit

Der Eee PC 1215N von Asus ist ohne Zweifel ein sehr schnelles Netbook. Mit dem Zwei-Kern-Prozessor kann es sich sowohl in theoretischen Benchmarks als auch beim praktischen Arbeiten deutlich von der Konkurrenz abheben. Dazu kommt ein Grafikchip, der ebenfalls sehr viel schneller ist als die der integrierten Atom-Kerne.

Doch mit der Geschwindigkeit des Netbooks tut sich, vor allem durch den Preis, eine ganz andere Konkurrenzsituation auf, die eine Entscheidung erschwert: Das Netbook ist preislich von einem CULV-Notebook ähnlicher Ausmaße kaum zu unterscheiden. Beim Griff zu einem der wenigen CULV-basierten Subnotebooks kann der Nutzer kurzfristig viel Leistung abrufen und auch mal eine fehlende Videobeschleunigung ausgleichen. Beim Eee PC 1215N ist es von der Software abhängig, ob die Videobeschleunigung aktiv wird.

Die Akkulaufzeiten des 1215N sind schwer zu bewerten. Beim reinen Arbeiten erreicht der Eee PC nur durchschnittliche Werte. Unter Last hingegen sind die Werte so hoch, dass das Netbook eine Überlegung wert ist. Vor allem wer viel unterwegs ist, wenig fordernde Spiele spielt und kein Netzteil herumtragen möchte, findet hier einen sehr guten Begleiter, der drei Stunden durchgängiges Spielen erlaubt.

Mehr als bei anderen mobilen Begleitern kommt es beim Eee PC 1215N vor allem auf die Bedürfnisse des Nutzer an. Dank HDMI und guter Videobeschleunigung hat der Nutzer mit dem 1215N aber mehr Möglichkeiten als mit anderen aktuellen Netbooks.


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