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Induktion: Elektroauto bekommt Energie aus der Straße

Karlsruher Wissenschaftler haben ein Elektroauto entwickelt, das praktisch ohne Akku auskommt. Sie haben die Stromversorgung in Form von Leiterbahnen in die Straße verlegt. Der Strom wird drahtlos per Induktion übertragen.
/ Werner Pluta
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Der Akku ist ein kritischer Punkt und ein einschränkender Faktor für ein Elektroauto . Wissenschaftler der Hochschule Karlsruhe haben eine Möglichkeit gefunden, dieses Problem zu umgehen: Sie haben ein Elektroauto entwickelt, das – fast – ohne Akku auskommt.

Drahtloser Stromtransport

E-Quickie haben die Karlsruher ihr Fahrzeug genannt, das wie ein dreirädriges Liegefahrrad mit Kabine aussieht. Angetrieben wird es durch einen Nabenmotor im Hinterrad. Der wird allerdings nicht von einem Akku mit Strom versorgt, sondern von der Straße: In der Fahrbahn werden Leiterbahnen verlegt. Am Unterboden des E-Quickie befinden sich Stromabnehmer, über die die Energie in das Fahrzeug kommt – in etwa wie bei einer elektrischen Eisenbahn oder einer Carrera-Bahn. Der große Unterschied ist, dass der Stromabnehmer nicht auf dem Boden schleift: Die Energieübertragung erfolgt berührungslos per Induktion.

"Das Prinzip ist eigentlich nicht ganz neu" , erklärt Projektleiter Jürgen Walter. Einige Unternehmen nutzten es beispielsweise schon für Transportfahrzeuge. Diese seien jedoch schwerfällig und langsam. Ziel des Projektes sei hingegen gewesen, zu zeigen, "dass sich das Prinzip der drahtlosen Energieübertragung auch sehr gut zum individuellen Transport von Personen im Nahverkehr eignet."

Teststrecke auf dem Campus

Dafür haben die Karlsruher das Fahrzeug in Leichtbauweise konstruiert: Gerade mal 60 kg wiegt der Einsitzer, unter anderem dank einer Karosserie aus Kohlefaser. Walter glaubt, dass sich durch Verbesserungen das Gewicht sogar noch auf 40 kg verringern lässt. Ein solches Leichtgewicht kommt auch mit einem kleinen, energiesparenden Antriebsaggregat aus: Gerade mal 2 kW leistet der Nabenmotor. Der reicht aber aus, damit das Fahrzeug eine Geschwindigkeit von 50 km/h erreicht.

Einen ersten Test hat der E-Quickie bereits bestanden: Ende Mai drehten die Karlsruher auf einer 222 m langen Teststrecke 40 Runden. Dabei sei es darum gegangen, die Praxistauglichkeit des Fahrzeuges und die Energieeffizienz zu demonstrieren: Das Fahrzeug sei mit halb vollem Akku gestartet; am Ende der Testfahrt war er geladen. Denn einen kleinen Akku hat das Auto doch – er dient als Puffer, wenn das Auto die Leiterbahn einmal verlassen muss. Als nächstes soll auf dem Hochschulgelände eine Teststrecke eingerichtet werden. Die wollen Wissenschaftler nutzen, "um die Alltagstauglichkeit des Systems zu untersuchen, aber auch um das Fahrzeug in Sachen Energiebedarf und Gewicht weiter zu optimieren" , sagt Walter.

Induktionsstandard

Eine Stromversorgung ohne Kabel wünschen sich viele Nutzer, damit sie die Akkus von Laptops, Mobiltelefonen, MP3-Playern und Digitalkameras laden können, ohne für jedes Gerät ein eigenes Ladegerät haben zu müssen. Ende 2008 haben deshalb mehrere Unternehmen das Wireless Power Consortium gegründet , dessen Ziel es ist, Standards für Drahtlosladegeräte zu entwickeln.

Auch für Elektrofahrzeuge soll Induktion eingesetzt werden: Der japanische Automobilhersteller Nissan hat ein drahtloses Stromversorgungssystem entwickelt . Damit sollen allerdings die Akkus der Autos geladen werden. Es könnte beispielsweise in öffentlichen Parkplätzen oder Autobahnraststätten integriert werden. Fahrer könnten dann ihre Autos während des Einkaufens oder der Rast aufladen. Außerdem hatte Nissan die Idee, das Ladesystem in die Fahrbahn einzulassen. Dann könnten die Fahrer ihre Autos auch während der Fahrt laden – oder diese Straßen mit Autos ohne Akkus befahren.


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