Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Afghanistan-Dokumente: Das US-Verteidigungsministerium hat einen Verdacht

Das US-Verteidigungsministerium verdächtigt einen mutmaßlichen Wikileaks -Informanten, dem Internetportal die am Wochenende veröffentlichten geheimen Dokumente aus Afghanistan zugespielt zu haben. Der Analyst des US-Militärgeheimdienstes steht bereits wegen eines vergleichbaren Vergehens unter Anklage.
/ Werner Pluta
84 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Er will Wikileaks im Frühjahr schon einmal einen Coup beschert haben. War er es jetzt wieder? Das US-Verteidigungsministerium (US-Department of Defense, DoD) verdächtigt den im Juni festgenommenen Angehörigen des US-Armeegeheimdienstes, eine der Quellen zu sein, die über 90.000 Dokumente aus dem Afghanistan-Krieg an Wikileaks übertragen haben.

Ein Verdächtiger, aber nicht der einzige

"Er ist ganz sicher eine Person, die wir im Zusammenhang mit der undichten Stelle überprüfen. Aber er ist nicht der einzige" , zitiert das US-Technologiemagazin Wired(öffnet im neuen Fenster) DoD-Sprecher Oberst Dave Lapan.

Derzeit prüften DoD-Ermittler die auf Wikileaks veröffentlichten Dokumente. Das Wichtigste sei jetzt, festzustellen, ob die Informationen das Leben und die Sicherheit von US-Personal und Verbündeten, die militärischen Operationen und die nationale Sicherheit gefährdeten. Im zweiten Schritt werde dann überprüft, wer Zugang zu den Daten hatte und ob sie Hinweise darauf enthalten, wer sie Wikileaks zugespielt haben könnte.

Geheime Dokumente auf geheimen Computern

Die Gefechtsberichte seien über ein geheimes Computernetz des DoD, das Secret Internet Protocol Router Network (SIPRNet), zugänglich gewesen, sagte Lapan. Die US-Armee wirft dem Analysten des Militärgeheimdienstes vor, er habe seinen Zugang zu SIPRNet ausgenutzt, um sich eine Vielzahl geheimer Dokumente der US-Regierung zu beschaffen. Diese habe er Wikileaks Verfügung gestellt. Darunter war das aufsehenerregende Video eines Hubschrauberangriffes auf irakische Zivilisten im Jahr 2007 sowie eine großen Anzahl geheimer Dokumente des US-Außenministeriums. Den Erhalt der letzteren hat Wikileaks-Gründer Julian Assange jedoch kürzlich in einem Interview bestritten(öffnet im neuen Fenster) .

Der in Bagdad stationierte 22-Jährige war aufgeflogen, weil er sich gegenüber einem Computerexperten damit gebrüstet hatte, geheime Dokumente auf Wikileaks eingestellt zu haben. Von Dokumenten aus Afghanistan war in der Kommunikation mit dem Computerexperten nicht die Rede gewesen. Allerdings will der Analyst ein vergleichbares Konvolut von Dokumenten aus dem Irak beschafft haben. Dieses soll ebenfalls Gefechtsberichte aus den Jahren 2004 bis 2009 mit Angaben zu Ort, Zeit und Verlusten enthalten.

52 Jahre hinter Gittern

Der Mann steht seit Anfang des Monats unter Anklage . Die US-Armee wirft ihm Verstoß gegen acht Bundesgesetze vor, er ist unter anderem der Spionage verdächtig. Ihm droht im Höchstfall eine Haftstrafe von 52 Jahren. Wikileaks-Gründer Assange hat nach eigenen Angaben drei Anwälte engagiert , die sich um den Informanten kümmern sollen.


Relevante Themen