The Times

Massiver Leserschwund durch Paywall

Die Umstellung auf ein kostenpflichtiges Geschäftsmodell hat der Onlineausgabe der britischen Traditionszeitung Times und ihrer Sonntagsausgabe Sunday Times einen massiven Einbruch bei den Leserzahlen beschert. Schätzungen zufolge soll der Schwund zwischen zwei Dritteln und 90 Prozent liegen.

Artikel veröffentlicht am , Meike Dülffer

Rupert Murdoch, Eigentümer der britischen Traditionszeitung The Times, hat um den Onlineauftritt des Blattes eine virtuelle Mauer errichten lassen. Durch die Paywall kommt seit Anfang Juli nur noch derjenige hindurch, wer Eintritt zahlt. Pro Tag kostet die Lektüre der virtuellen Times und ihrer Sonntagsausgabe britische Leser 1 Pfund und im Abonnement 2 Pfund pro Woche. Mit diesem Schritt will der konservative Medienunternehmer Murdoch zwei Dinge erreichen: erstens, den Webauftritt seiner Zeitung profitabel machen; zweitens, ein Zeichen gegen die so genannte Kostenloskultur im Internet setzen. Mittelfristig will Murdoch sämtliche Onlineangebote seiner Medien kostenpflichtig machen.

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Presseverleger in aller Welt beobachten das Experiment mit Spannung. Gelingt Murdoch tatsächlich die Wende im Onlinepressegeschäft? Bisher gibt es keine offiziellen Zahlen zu Nachfrage und Profitabilität der neuen Online-Times.

Unterschiedliche Berechnungen

In verschiedenen Medien kursieren jetzt erste Berechnungen, die auf statistischen Erhebungen basieren. So berichtet die Financial Times Deutschland unter Berufung auf das Marktforschungsunternehmen Experian Hitwise, dass "die Zahl der Seitenzugriffe um rund zwei Drittel zurückgegangen" sei. Der frühere Times-Korrespondent Dan Sabbagh nennt unter Berufung auf "offizielle Quellen" die Zahl von 15.000 zahlenden Times-Lesern und 12.500 Abonnenten der Times-iPad-App.

Die britische Tageszeitung Guardian geht nach eigenen Berechnungen davon aus, dass der Verlust an Times-Lesern bei rund 90 Prozent liegt. Der Marktanteil bei Qualitätszeitungen der Online-Times sei im Zeitraum von Mitte Juni bis Mitte Juli von rund 15 Prozent auf nur noch gut vier Prozent eingebrochen, hat der Guardian mit eigenen Erhebungen ermittelt.

Zahlende Leser vs. Werbeeinnahmen

Ein Leserschwund von 90 Prozent würde sich mit den Erwartungen des Erwartungen des Sunday-Times-Chefredakteurs John Witherow vom Mai 2010 decken. Ob die Times und die Sunday Times mit so geringen Leserzahlen auf Dauer profitabel wirtschaften können, muss sich zeigen. Dem Gewinn an zahlenden Abonnenten steht ja zugleich ein Verlust an Werbeeinnahmen gegenüber. Werbeanzeigen werden schließlich pro View und nicht pro Abonnent vergütet. 90 Prozent weniger Leser bedeuten unter Umständen eben auch 90 Prozent weniger Werbeeinnahmen.

Und schließlich gibt es da noch den Bedeutungsverlust. Mit einem Marktanteil von vier Prozent geht die Times jedenfalls im Onlinebereich nur noch als Nischenprodukt durch, nicht mehr als Leitmedium. Ob der sendungsbewusste Murdoch, der seine Medien immer auch dazu einsetzt, seine konservativen Wertvorstellungen zu verbreiten, sich damit auf Dauer abfinden kann? [von Robert A. Gehring]

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Goldesel 22. Jul 2010

Das funktioniert nicht nur mit Zeitungen. Telefonbücher mit Werbung gefüllt, bringen...

Graf Klotz 22. Jul 2010

Die gibt's bei zig Blättern parallel im gleichen Wortlaut und für lau, da braucht's kein...

Jeem 22. Jul 2010

Nichts gegen die Times, ist eine gute Zeitung mit guten Reportern (eine der letzten). Das...

Jeem 22. Jul 2010

Soweit richtig. Die ermittelten Daten stamme nicht von der Times, sondern von Hitwise...

So sehe ich das 21. Jul 2010

Und die Zeitung verliert an Wichtigkeit. Sie wird weniger zitiert, bekommt weniger...



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