Spieletest Deathspank: Helden wie in Monkey Island, Prügel wie in Diablo

Spötter hatten schon nicht mehr mit der Fertigstellung von Deathspank gerechnet – schließlich arbeitete Ron Gilbert seit 2004 zusammen mit dem Studio Hothead Games an dem Titel. Gerüchte über Probleme bei der Entwicklung machten immer wieder die Runde. Zwischendurch wurde auch das Konzept geändert. Erst als Episodenspiel geplant, ist Deathspank nun doch als reguläres Spiel im Playstation Network und bei Xbox Live Arcade verfügbar.

Im Mittelpunkt steht Held Deathspank, ein kräftiger Recke, der gerne betont, wie wichtig für ihn Gerechtigkeit ist – und wie unglaublich heldenhaft seine unglaublichen Heldentaten doch sind. Sein Auftrag ist es, ein mächtiges Artefakt zu finden, das praktischerweise den Namen "Das Artefakt" trägt und dessen wahre Fähigkeiten niemand so genau kennt. Schon an dieser Stelle wird offensichtlich: Deathspank nimmt viele Fantasie- und Rollenspielklischees auf die Schippe und sorgt im gesamten Spielverlauf mit zahlreichen Dialogen, kruden Charakteren und zumindest inhaltlich ungewöhnlichen Quests immer wieder für beste Unterhaltung. Die Monkey-Island-Handschrift von Ron Gilbert ist unverkennbar.










Spielerisch hingegen stand tatsächlich Diablo Pate – wenn Deathspank nicht gerade Gespräche führt oder auf seine eigene Spitzenklasse hinweist, verbringt er seine Zeit damit, in klassischer Haudraufmanier unzählige Orks und andere Fabelwesen niederzumetzeln, zahllose Gegenstände einzusammeln, Aufträge zu erfüllen und nach und nach seine Fähigkeiten auszubauen. Allerdings bietet Deathspank viel weniger Tiefgang und Taktik als der Klassiker von Blizzard.
Quests der langen Wege
Zwar gibt es tatsächlich zahllose sammelbare und nutzbare Items, darunter unterschiedliche Waffen und Angriffe. Dass der Spieler immer mehr Erfahrungspunkte hinzugewinnt, sorgt aber nur eingeschränkt für erweiterte spielerische Möglichkeiten – etwa die Fähigkeit, neue Waffen zu nutzen. Die Quests klingen zwar lustig, sind spielerisch aber sehr traditionell und teils etwas antiquiert – etwa wenn immer wieder weite Wege zurückgelegt und ähnliche Dinge geholt werden müssen.










Gelungen ist dafür der Koopmodus, der es einem Mitspieler ermöglicht, jederzeit einzusteigen und sich am Plündern und Schlagen zu beteiligen. Zwar besitzt der Mitspieler kaum Möglichkeiten, auch seinen Charakter auszubauen, zu zweit ist der Unterhaltungswert der Dialoge und abstrusen Figuren trotzdem noch etwas höher.
Deathspank ist nur im Playstation Network (PSN) und auf Xbox Live Arcade erschienen und kostet umgerechnet jeweils knapp 15 Euro. Eine spätere PC-Version gilt als wahrscheinlich, ist bisher aber nicht bestätigt.
Fazit
Vom Monkey-Island- und Diablo-Vergleich sollten sich Spieler nicht blenden lassen: Weder erreichen Story und Humor die Klasse des Adventures, noch kommt das Spielprinzip und der Tiefgang dem RPG-Vorzeigetitel wirklich nahe. Gute Unterhaltung zum günstigen Preis bietet Deathspank trotzdem: Hier darf der Spieler etwas mehr als zehn Stunden lang eine Welt durchstreifen, die dank ihrer witzigen Figuren und der flotten Dialoge einen Besuch wert ist.



