Spieletest King's Quest: The Silver Lining - Adventure als kostenloses Fanprojekt

Die Entstehungsgeschichte von King's Quest: The Silver Lining taugt fast als Vorbild für ein Adventure: Phoenix Online Studios - so nennt sich das Team aus Hobbyentwicklern - hatte 2005 vom damaligen King's-Quest-Recheinhaber UV Games eine Fanlizenz für die 1984 von Roberta Williams erfundene Reihe erhalten. Anfang 2010 gab es Ärger mit Activision: Dem Konzern gehört die Marke mittlerweile - und der wollte das Werk der Fans kurz vor Abschluss der Arbeiten durch seine Rechtsanwälte stoppen lassen. Am Ende kam es zu einer Einigung, nun steht die erste der fünf Episoden von The Silver Lining als rund 380 MByte großer, kostenloser Download(öffnet im neuen Fenster) zur Verfügung.

Ähnlich turbulent wie bei der Entwicklung geht es in der Handlung von The Silver Lining zu: Bei einer Feier im trauten Kreis der königlichen Familie taucht aus den Nichts ein mysteriöser Mann in einem schwarzen Umhang auf - und belegt Rosella und Alexander, die Kinder von König Graham, mit einem Fluch. Wer der Unbekannt ist und welche Pläne er verfolgt? Das herauszufinden, ist Aufgabe des Spielers. Das Intro erzählt die Vorgeschichte in vergleichsweise aufwendigen, gut geschnittenen und vertonten Videosequenzen.

Sobald der Einstieg vorbei ist, scheucht der Spieler per Maus die Hauptfigur König Graham durch 3D-Umgebungen. Die Benutzerführung orientiert sich an den Standards der klassischen Adventures: Die Maustaste schaltet zwischen Ikons durch, die für Aktionen wie Reden, Verwenden oder Ansehen stehen. Auf neumodische Komfortfunktionen wie kontextsensitive Befehlsauswahl, eine Übersicht der verwendbaren Objekte oder Schnellreise muss König Graham verzichten. Auch sonst hat die Steuerung ein paar Schwächen: Wer beispielsweise während der Erläuterungen des Erzählers schon das als nächstes benötigte Ikon auswählt, unterbricht dadurch immer den Redefluss.
Die Schattenseiten des Hobbyprojekts
Einen durchwachsenen Eindruck hinterlässt die Grafik: Einige Animationen sowie Details wie Gesichter der Figuren sind schön anzusehen und sind gelungen. Anders die detailarmen Umgebungen oder die vielen schlechten Texturen. Sie trüben die Atmosphäre und wirken nicht glaubwürdig. Ähnliches gilt für die - durchgehend englische - Sprachausgabe: Nur einige Sprecher, etwa der von Graham, wirken professionell.









Die Rätsel bieten gängige Adventurekost: Der Spieler führt Multiplechoice-Dialoge, benutzt Gegenstände in der Welt und kombiniert Objekte in seinem Inventar. Sonderlich viele Tipps und Hinweise gibt das Programm nicht, aber das ist auch selten notwendig: Unter dem Strich ist der Schwierigkeitsgrad fair, die meisten Herausforderungen sind mit etwas Nachdenken gut lösbar. Die erste Episode ist vergleichsweise kurz und problemlos an einem halben Nachmittag durchgespielt. Die späteren sollen laut den Entwicklern länger und vor allem deutlich komplexer sein.
Fazit
Wer die klassischen Adventures der King's-Quest-Reihe kennt und sogar mag, der kommt wohl kaum um The Silver Lining herum: Allein schon wegen der zahlreichen liebevollen Anspielungen lohnt es sich, das Programm herunterzuladen. Außerdem ist die Geschichte spannend erzählt, die Figuren - allen voran natürlich König Graham - sind gut herausgearbeitet. Mit aktuell erhältlichen Profiabenteuern kann das Hobbyprojekt trotzdem nicht ansatzweise mithalten: Die Grafik ist dann doch sehr angestaubt, die Bedienung flutscht nicht wirklich und auch die Sprachausgabe klingt nur stellenweise gut. Trotzdem: Schön, dass es Projekte wie dieses immer noch gibt!



