Solar Impulse: Mit Sonnenenergie durch die Dunkelheit fliegen (Update)

Das Solarflugzeug Solar Impulse HB-SIA absolviert gerade einen 24-stündigen Testflug(öffnet im neuen Fenster) . Es soll der erste Nachtflug des mit Solarstrom betriebenen Flugzeugs werden. Der Schweizer Bertrand Piccard, der Konstrukteur des Flugzeugs, will mit einem ähnlichen Flugzeug 2013 den Globus umrunden.
Start am Morgen
Um 06:51 Uhr am heutigen Mittwoch ist das mächtige Solarflugzeug vom Militärflughafen Payerne im westschweizerischen Kanton Waadt gestartet. Am Steuer sitzt André Borschberg. Der Chef und Mitbegründer des Projektes Solar Impulse(öffnet im neuen Fenster) war früher Pilot der Schweizer Luftwaffe. Solar Impulse HB-SIA ist ein einsitziges Flugzeug, das von vier Elektromotoren mit einer Spitzenleistung von je 7,4 kW (10 PS) angetrieben wird. Den Strom für die Motoren liefern rund 12.000 Solarzellen aus monokristallinem Silizium auf den Tragflächen. Sie laden gleichzeitig Lithium-Polymer-Akkus, die in den Motorgondeln untergebracht sind. Sie speisen die Motoren, sobald die Sonne untergegangen ist.

Das Flugzeug ist knapp 22 m lang und hat eine Spannweite von über 63 m - das entspricht der Spannweite des Airbus A340. Allerdings dürfte allein die Inneneinrichtung dieses Airbus deutlich schwerer sein als das Solarflugzeug: Solar Impulse HB-SIA wiegt dank seines Verbundwerkstoffgerippes aus einer Kohlenfaser-Sandwich-Struktur nur 1.600 kg.
Viel Konzentration, wenig Schlaf
Laut Plan wird sich Borschberg zunächst bis in 8.500 m Höhe emporschrauben. Gegen 9 Uhr hatte er eine Höhe von 3.000 m erreicht(öffnet im neuen Fenster) , in der er etwa drei Stunden blieb, bevor er zum nächsten Steigflug ansetzte. Die 6.000 m(öffnet im neuen Fenster) passierte Borschberg nach 14 Uhr. Gegen 15 Uhr waren die Akkus voll geladen(öffnet im neuen Fenster) .













Am frühen Abend soll das Flugzeug seine maximale Höhe von etwa 8.500 m erreichen. Dann wird Borschberg die Motoren abschalten und in einen langsamen Sinkflug übergehen. Der soll bis etwa 23 Uhr dauern. Dann, in einer Höhe von 1.500 m, wird der Pilot die Motoren wieder starten. Wenn alles nach Plan läuft, wird die in den Akkus gespeicherte Energie bis zum Sonnenaufgang gegen 5 Uhr morgen früh ausreichen.
Erster Nachtflug fiel aus
Wenn: Der erste 24-Stunden-Flug sollte schon am 1. Juli stattfinden. Er musste jedoch wenige Minuten vor dem Start abgesagt werden, weil ein Fehler am Telemetriesystem aufgetreten war. Das System sammelt Daten von dem Flugzeug und sendet sie an die Bodenstation. So können die Techniker dauernd den Flug überwachen. Die Funkeinheit des Systems war jedoch ausgefallen und konnte nicht schnell genug ersetzt werden.
Auch so kann noch genug schiefgehen. Für den Piloten ist der Flug schon allein wegen der Dauer eine große Herausforderung. Borschberg darf sich auch bei vollkommener Dunkelheit immer nur ein kurzes Nickerchen gönnen und muss sich sonst aufs Fliegen konzentrieren. Denn Solar Impulse darf sich nicht mehr als 5 Grad neigen, sonst könnte das Flugzeug außer Kontrolle geraten. Die große Spannweite und das geringe Gewicht würden es ins Trudeln bringen.
Ziel Weltrumrundung
Dabei ist Solar Impulse HB-SIA nur ein Prototyp, mit dem die Entwickler Testflüge für kommende Projekte durchführen wollen. Diese wollen die Gründer Borschberg und Piccard mit einem noch größeren Flieger absolvieren: Solar Impulse HB-SIB wird eine Spannweite von 80 m haben und soll bis in 12.000 m aufsteigen können. Der zweite Solarflieger soll 2012 fertig sein. Mit ihm wollen Piccard und Borschberg Langstreckenflüge, etwa über den Atlantik, durchführen und schließlich die Welt umrunden. Der Rundflug soll in Äquatornähe in sechs Etappen erfolgen, die jeweils etwa drei bis vier Tage dauern.













Ein Rundflug um die Erde ist für Bertrand Piccard nichts Neues: Er umrundete Anfang 1999 als erster Mensch den Globus nonstop in einem Ballon. Zu den Gegnern im Rennen um diesen Rekord zählte seinerzeit der Brite Richard Branson, der sich inzwischen unter anderem der kommerziellen Raumfahrt widmet .
Abenteuerlustige Familie
Der Schweizer Psychiater Piccard stammt aus einer abenteuerlustigen Familie: Sein Großvater Auguste Piccard stellte Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts mehrere Höhenrekorde mit einem Gasballon auf. Er war der erste Mensch, der die Stratosphäre aufstieg. Vater Jacques Piccard zog es in die Tiefe: Er tauchte in dem von ihm mitentwickelten Tiefsee-U-Boot Triest zusammen mit Don Walsh, Leutnant in der US-Marine, in den Marianengraben, die tiefste Stelle der Erde, hinab. Ihr Tauchrekord von 10.916 Metern ist unerreicht.
Die Entscheidung, ob Borschbergs Rund-um-die-Uhr-Flug tatsächlich bis zum Morgen dauert, wird zwischen 19 und 20 Uhr fallen. Läuft alles wie geplant, dann wird Borschberg den ersten bemannten Nachtflug mit einem Solarflugzeug durchgeführt haben. In den frühen Morgenstunden wird noch einmal entschieden, ob er sofort landet oder ob er noch bis 8 oder 9 Uhr in der Luft bleibt. Es wird allerdings nicht der längste Flug mit einem Solarflugzeug: Den inoffiziellen Langstreckenweltrekord hält das britische Forschungs- und Rüstungsunternehmen Qinetiq: Sein unbemanntes Solarflugzeug Zepyhr kreiste in August 2008 82 Stunden und 37 Minuten über der Wüste von Arizona.
Nachtrag vom 8. Juli 2010, 9:30 Uhr:
Nach 26 Stunden in der Luft ist Borschberg am Donnerstagmorgen um 9 Uhr(öffnet im neuen Fenster) sicher gelandet. Nach dem Aufsetzen prüfte(öffnet im neuen Fenster) er noch Daten, bevor er gegen 9:20 Uhr unter dem Beifall des Teams aus dem Flugzeug stieg(öffnet im neuen Fenster) .



