Geschlossenes System: Branchenkritik an Xbox Live

"Wir haben erfahren, dass 60 Prozent von Microsofts Abonnenten vor allem wegen Call of Duty bei Live sind" , so Bobby Kotick, Chef von Activision Blizzard im Gespräch mit der Financial Times(öffnet im neuen Fenster) . Diese Gold-Mitglieder zahlen für die Möglichkeit, Call of Duty im Multiplayermodus spielen zu können, immerhin rund 60 Euro im Jahr – ohne dass das Unternehmen von Kotick daran mitverdient. Er würde den Spielern gerne noch mehr bieten, aber dazu sei ihm der Einfluss auf das Netzwerk zu klein.
Kotick ist nicht der einzige Spitzenmanager der Spielebranche, der Xbox Live kritisiert. Erst Ende Juni 2010 hatte sich Yoichi Wada, Chef des japanischen Publishers Square Enix, über den Dienst von Microsoft und das von Sony betriebene Playstation Network (PSN) geäußert: Ihm fehle die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu etablieren und näher an den Kunden und an die Communitys heranzukommen. Gemeint hat er damit wohl vor allem Xbox Live: Fast zeitgleich mit den Äußerungen von Wada wurde bekannt, dass die Gespräche zwischen Square Enix und Microsoft gescheitert sind, das Onlinerollenspiel Final Fantasy 14 nicht nur für Playstation 3 und Windows-PC, sondern auch für Xbox 360 anzubieten. Einziges wirkliches Hindernis war laut Hiromichi Tanaka, dem Leiter des Projekts, dass Microsoft das geschlossene System Xbox Live nicht öffnen wollte.
Langfristig dürfte sich Microsoft kaum den Vorstellungen der Publisher widersetzen können. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Activision früher oder später eine Art "Call of Duty Online" veröffentlichen möchte, und auch das sagenumwobene zweite Blizzard-MMORPG nach World of Warcraft dürfte für Konsolen ausgelegt sein. Microsoft wird es sich nicht leisten können, auf diese beiden potenziellen Blockbuster zu verzichten.