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iPhone 4: Dem Antennenproblem auf den Grund gegangen

Anand Shimpi hat sich das Antennenproblem des iPhone 4 genauer angesehen, über das viele Medien berichtet haben. Das Ergebnis überrascht, da die gemessenen Werte nicht mit praktischen Erfahrungen übereinstimmen.
/ Andreas Sebayang
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Anand Lal Shimpi von Anandtech hat das Problem mit der Antennenkonstruktion von Apples iPhone 4 untersucht. In seinem Test(öffnet im neuen Fenster) nimmt er Bezug auf die Berichte verschiedener Nutzer, die sich vor allem in den USA über ein Antennenproblem beklagt hatten . Diese Berichte waren von vielen Medien aufgegriffen worden, weil das iPhone 4 gerade auf den Markt gekommen war.

In den USA hat sich ein Rechtsanwaltsbüro des Themas bereits angenommen und bereitet eine Sammelklage vor(öffnet im neuen Fenster) . Apple hat außerdem seit Mitte Juni 2010 viele Jobangebote im Bereich der Antennentechnik(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht.

iPhone 4 – Test von Golem.de
iPhone 4 – Test von Golem.de (02:52)

Shimpi ging dem Problem aus Sicht eines mit links telefonierenden Nutzers auf den Grund. Denn Menschen, die mit links telefonieren, beeinflussen die Antennen durch den linken Handballen offenbar besonders stark. Shimpi fuhr mit dem Auto los und suchte eine Position, die es ihm erlaubte, das Phänomen nachzustellen. Dabei vertraute er nicht den Balken des iPhones, sondern schaltete mit Hilfe eines Jailbreak-Backups (3.1.3) auf reine Signalanzeige beim iPhone 4 um. Eine volle Balkenanzeige kann ein schlechtes und ein gutes Signal bedeuten, denn der fünfte Balken entspricht einem Signal von -51 dB (sehr gut) bis hinunter zu -91 dB. -91 dB entspricht laut dem Windows-Werkzeug MWConn einer Signalqualität von 40 Prozent. Erst dann nehmen die Balken tatsächlich ab. Bei -113 dB wird ein Balken dargestellt und das Gerät ist kurz vor dem Verbindungsabbruch.

Umgreift der Nutzer nun sein Telefon sehr fest in der linken Hand und hat dazu noch eine feuchte Handfläche, verliert er laut Anandtech im Durchschnitt 24,6 dB. Bei natürlicher Haltung sind es 19,8 dB. In guter Empfangslage befindet sich das Handy also im Bereich um die -80 dB. Das iPhone 4 bleibt bei fünf Balken, obwohl sich der Empfang deutlich verschlechtert. Die Balkenanzeige des Betriebssystems iOS 4 arbeitet sehr optimistisch, mit der Folge, dass Signalverluste in potenziell schlechter Empfangslage überproportional stark angezeigt werden.

Der feste Griff hat bei drei bis vier Balken – also einem scheinbar guten, aber praktisch schlechten Signal – eine deutliche Auswirkung und kann tatsächlich zu einem Verbindungsabbruch führen. Allerdings nicht nur beim iPhone 4, sondern auch beim iPhone 3GS, das bei einem festen Griff 14,3 dB verliert. HTCs Nexus One hat ähnliche Probleme mit 17,7 dB. Wird das iPhone 3GS realistisch gehalten, verliert es nur 1,9 dB und ist damit theoretisch dem iPhone 4 deutlich überlegen. Auch das Nexus One ist deutlich besser und verliert nur 10,7 dB.

Eine Schutzhülle für Linkshänder

Eine Schutzhülle für das iPhone 4 kann helfen, es natürlich zu greifen. Der Verlust beträgt dann nur 7,2 dB. Eine Schutzhülle beim iPhone 3GS verschlechtert das Signal etwas. Der Verlust erhöht sich von 1,9 dB auf immer noch sehr niedrige 3,2 dB. Das Nexus One profitiert laut Shimpi ebenfalls etwas von einer Schutzhülle und verliert nur noch 7,7 dB.

Praxiserfahrungen vs. Messwerte

Seinen theoretischen Werten stellt Shimpi auch praktische Erfahrungen gegenüber. Er kommt zu dem Schluss, dass sich die Antenne verbessert hat. So gelang es ihm mit dem iPhone 4 zuverlässig, bei sehr schlechtem Signal (ein Balken, -113 dB) zu telefonieren, während das iPhone 3GS in solchen Situationen die Verbindung nicht halten konnte. Bei gleicher Signalstärke verhalten sich die beiden Telefone also sehr unterschiedlich im Netz des US-Mobilfunkriesen AT&T. Shimpi gelang es, in Zonen zu telefonieren, in denen er bisher nicht herauswählen konnte. Damit das Problem gelöst wird, schlägt Shimpi vor, dass andere Daten genutzt werden und fortan der Signal-Rausch-Abstand(öffnet im neuen Fenster) als Grundlage genommen wird. Dass auch die Balkenanzeige von Apple keinen echten Wert hat, hat Shimpi ausreichend nachgewiesen, insbesondere da eine Standardisierung der Balkenanzeige in Mobiltelefonen fehlt.

Erfahrungen in Deutschland

Anandtechs Ergebnisse sind nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragbar, da das Netz von AT&T als Grundlage diente und die Abdeckung(öffnet im neuen Fenster) nicht dem entspricht, was hierzulande normal ist.

Golem.de konnte das Antennenproblem mittlerweile ebenfalls nachvollziehen. Es war allerdings notwendig, ein Gebiet zu erreichen, bei dem die Signalqualität im unteren Bereich der fünf Balken liegt. Das iPhone gaukelt also ein gutes Netz mit vier bis fünf Balken vor, befindet sich aber in Wahrheit in einem Gebiet mit schlechtem Empfang (20 bis 40 Prozent).

Erst dann und mit einem sehr festen und unnatürlichen Griff gelang es, die Anzahl der Balken zu reduzieren. Dazu war es notwendig, die gesamte linke Seite abzudecken. Schon eine leichte Veränderung der Position sorgte wieder für einen scheinbar deutlichen Signalgewinn.

In einer Großstadt wie Berlin ist dieses Szenario nicht überall gegeben. In unserem Büro haben wir mit anderen Mobilfunkgeräten typischerweise eine gute (UMTS) bis sehr gute (GPRS) Empfangsleistung im Netz der Deutschen Telekom (T-Mobile) – so dass sich bei Linkshänderumklammerung das Problem nicht auswirken konnte.


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