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WeTab: Werbung drauf, Linux drunter

Nach einem holprigen Start ist Neofonie zum Linuxtag 2010 mit einem einsatzfähigen WeTab mit Linux-Betriebssystem aufgetaucht. Kritik gab es dort an Werbewidgets, die auf dem Gerät fest installiert sind. Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen erklärt das WeTabOS im Interview mit Golem.de.
/ Jörg Thoma
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Neofonie hat das WeTab beim Linuxtag 2010 erstmals tatsächlich mit einem Linux-Betriebssystem vorgestellt. Es heißt WeTabOS und ist eine Eigenentwicklung, die auf dem Linux-Kernel mit der Versionsnummer 2.6.33 aufsetzt. Das Betriebssystem hat Neofonie(öffnet im neuen Fenster) zusammen mit der Firma 4tiitoo AG(öffnet im neuen Fenster) entwickelt.

WeTab – erster Eindruck und kurze Demonstration auf dem Linuxtag 2010
WeTab – erster Eindruck und kurze Demonstration auf dem Linuxtag 2010 (01:57)

WeTabOS hat eine multitouchfähige Oberfläche samt RIA- oder Android-Applikationen. Die Benutzerschnittstelle baut sowohl auf Qt 4.7 als auch auf GTK 2.20 auf. Für die Apps stehen Adobes AIR, Android 2.0, Java und Silverlight zur Verfügung.

Auch der integrierte Browser ist eine Eigenentwicklung. Er basiert auf Mozillas Firefox(öffnet im neuen Fenster). Später soll er durch einen neuen Browser ersetzt werden, der dann Webkit2 mitbringt. Gegenwärtig unterstützt der WeTab-Browser auch Flash-Inhalte. Für E-Mails haben die Entwickler Thunderbird(öffnet im neuen Fenster) integriert, der Videoplayer Totem(öffnet im neuen Fenster) spielt Videoinhalte ab.

Helmut Hoffer von Ankershoffen im Interview zum WeTab auf dem Linuxtag 2010 Berlin
Helmut Hoffer von Ankershoffen im Interview zum WeTab auf dem Linuxtag 2010 Berlin (05:26)

Neofonie-Gründer und -CEO Helmut Hoffer von Ankershoffen sagte Golem.de im Interview, das WeTab solle durchaus ein Notebook ersetzen. Deshalb bringt das WeTab eine komplette Version von Openoffice.org(öffnet im neuen Fenster) mit, die sich mit der Bildschirmtastatur bedienen lässt. Das Büropaket sah bei der Präsentation aus wie die Desktopvariante, die Bedienung der Fensterelemente und der Menüs schien aber etwas kniffelig.

Daumensteuerung

Auf eine rotiernde Benutzeroberfläche wurde laut Hoffer von Ankershoffen verzichtet, denn die Grafik reagiere beim Bildaufbau nicht schnell genug. Gesteuert wird das WeTab hauptsächlich über zwei Docks am linken und rechten Rand des Bildschirms. Darüber kann durch den Fensterinhalt gescrollt oder zwischen offenen Anwendungen hin- und hergeschaltet werden.

Apps werden auf der Pinnwand abgelegt und dort über den Touchscreen gestartet. Auf dieser Pinnwand können auch Werbekunden Widgets ablegen, die der Anwender nicht löschen kann. Kritische Kommentare der Linuxtag-Besucher zu den Werbewidgets konterte Hoffer von Ankershoffen mit dem Argument, der Preis des Geräts solle damit so niedrig wie möglich gehalten werden. Da die Fläche der Pinnwand viermal so groß sei wie der Bildschirm und die Widgets an einer beliebigen Stelle platziert werden könnten, müssten sie nicht immer im sichtbaren Bereich liegen.

Multitouch und Multiuser

Wie bei Linux üblich, ist auch das WeTab multiuserfähig. Jeder Benutzer erhält seine eigene Pinnwand, die Apps stehen jedem zur Verfügung, der das WeTab benutzt. Vor der ersten Benutzung muss das Gerät online aktiviert werden. Eigene Daten können in der von Neofonie bereitgestellten Cloud abgelegt und von jedem anderen Gerät aus benutzt werden. Mit dem Kauf eines Geräts steht ein verschlüsselter Speicherplatz von 250 MByte in der Wolke zur Verfügung.

Üppige Anschlüsse

Das WeTab wird es in zwei Varianten geben, eine mit 16-GByte-Flash-Speicher ohne UMTS für 449 Euro und eine mit 32 GByte Speicherplatz mit UMTS und HDMI-Ausgang für 569 Euro. Beide unterstützen WLAN 802.11a/b/g/n und Bluetooth. In den mit einem 11,6-Zoll-Touchscreen bestückten Geräten steckt Intels mit 1,6 GHz getaktete Atom-CPU N450. Das Gewicht beträgt 800 respektive 850 Gramm. Das Gerät verfügt über eine eingebaute Webcam sowie über Lautsprecher und ein Mikrofon. Zusätzlich bietet das WeTab zwei USB-Anschlüsse. Die Akkulaufzeit liegt laut Neofonie bei etwa sechs Stunden.

Dort angeschlossene Geräte bindet das WebTab ein, sofern sie vom Linux-Kernel erkannt werden, und zeigt eine entsprechende Meldung am linken Dock an. So startete bei der Präsentation beim Anschließen eines USB-Sticks der Nautilus-Dateimanager(öffnet im neuen Fenster) aus der Gnome-Sammlung. Das darauf befindliche Musikstück spielte die ebenfalls unmodifizierte Gnome-Anwendung Totem(öffnet im neuen Fenster) ab.

App Store fürs WeTab

Für die Programmierung von Apps können Entwickler auf die gängigen SDKs für Android, Java und Konsorten zurückgreifen. Neofonie bietet selbst ein SDK für die WeTabOS-Widgets an, die auf das eigene API aufsetzen müssen. Entwickler, die kostenlose Apps in dem eigenen App Store anbieten wollen, müssen nichts bezahlen. In dem App Store soll es aber künftig kostenlose und kostenpflichtige Apps geben.

Hoffer von Ankershoffen sieht das WeTab übrigens nicht als Konkurrenz zum iPad: "Wir sind nicht der Apple-Killer, wir sind eine tolle Alternative", sagte er Golem.de

Das WeTab kann gegenwärtig über Amazon vorbestellt werden und soll ab Mitte September 2010 verfügbar sein. Später soll es das WeTab auch in Geschäften geben. Dann sollen auch andere Distributoren hinzukommen.


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