Wikileaks: US-Behörden suchen Julian Assange

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat nach eigenen Angaben ein "Verteidigungsteam" für einen Analysten des US-Armeegeheimdienstes angeheuert, der geheime Dokumente der US-Armee auf dem Portal Wikileaks veröffentlicht haben soll. Das geht aus einer E-Mail von Wikileaks-Gründer Julian Assange hervor, die das US-Technikmagazin Wired(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht hat.
Kommunikation angefordert
Darin fordert Assange den Computerexperten Adrian Lamo(öffnet im neuen Fenster) auf, ihm seine Kommunikation mit diesem Armeeangehörigen zur Verfügung zu stellen. Diese Dokumente würden für die Verteidigung benötigt, begründet Assange seine Forderung. Lamo solle sie über die verschlüsselte Wikileaks-Seite übermitteln. Ob diese Mail von Assange echt ist, ist allerdings unklar.

Der Angehörige des US-Armee hatte sich gegenüber Lamo damit gebrüstet, im Frühjahr 2010 geheime Dokumente auf Wikileaks eingestellt zu haben. Darunter ist das aufsehenerregende Video eines Hubschrauberangriffs im Irak, bei dem im Jahr 2007 mehrere Zivilisten und zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters getötet wurden. Deutlich in dem Video zu hören sind zynische Kommentare zu der Aktion von der Besatzung des Helikopters. Des Weiteren will der 22-Jährige ein Dossier des Armeegeheimdienstes sowie eine große Zahl geheimer Dokumente des US-Außenministeriums auf Wikileaks übertragen haben.
Gefahr für Bürger und Staat
Computerexperte Lamo hatte die Veröffentlichung des Hubschraubervideos gutgeheißen. Die Veröffentlichung der Dokumente des Außenministeriums hielt er aber für falsch, da er befürchtete, dass diese die nationale Sicherheit sowie das Leben von US-Bürgern gefährden könnten. Deswegen informierte er die Behörden, die den Armeeangehörigen festnahmen .
Details zu den Ermittlungen zum Angriff auf Google
Der Mann habe ihm gegenüber noch weitere geheime Informationen preisgegeben, sagte Lamo jetzt dem US-Branchendienst Cnet(öffnet im neuen Fenster) . Dabei handele es sich um Details zu den Ermittlungen wegen der Cyberattacken auf Google. Der Armeeangehörige habe ihm den Codenamen der Untersuchung sowie Einzelheiten der Ermittlungen verraten. Allerdings könne er keine Details nennen, ohne zu riskieren, selbst wegen Geheimnisverrats belangt zu werden.
Im Januar 2010 hatte Google bekanntgegeben, dass Angreifer über das Internet in die E-Mail-Konten chinesischer Dissidenten eingebrochen waren. Ausgangspunkt der Angriffe soll China gewesen sein. Die Angelegenheit wuchs zu einer regelrechten internationalen Affäre, an deren Ende sich Google aus China zurückzog .
Von US-Ermittlern vernommen
Lamo ist nach eigenen Angaben Ende vergangener Woche wegen seiner Kommunikation mit dem Beschuldigten von Beamten mehrerer Dienststellen, darunter auch vom Diplomatic Security Service, dem Geheimdienst des US-Außenministeriums, vernommen worden. Er habe ihnen einen Computer und eine Festplatte mit der Kommunikation zur Verfügung gestellt.
Das US-Außenministerium hat inzwischen bestätigt, dass Dokumente weitergegeben wurden. "Es hat da... nun, so eine Art Bericht gegeben, über eine sehr große Anzahl von Dokumenten oder Seiten. Natürlich versuchen wir herauszufinden, was genau da weitergegeben wurde" , druckste Philip Crowley, Sprecher des US-Außenministeriums, auf einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag(öffnet im neuen Fenster) herum. Das Ministerium nehme das ernst. Der Diplomatic Security Service prüfe derzeit den Schaden, im Zuge der Ermittlungen würden die Datenträger analysiert.
Assange wird gesucht
Assange soll inzwischen selbst zum Ziel der Ermittlungen geworden sein, berichtet die australische Tageszeitung Sydney Morning Herald(öffnet im neuen Fenster) . Die US-Behörden suchten nach dem Wikileaks-Gründer, um die Veröffentlichung der Dokumente des Außenministeriums zu verhindern. Assange scheint jedoch untergetaucht zu sein: Er sei am Freitag nicht auf einer Konferenz in Las Vegas erschienen, wo er eine Rede halten sollte, berichtet die Zeitung.



