Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Cyberwar: USA befürworten Gespräche über Krieg im Cyberspace

Erstmals hat ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung signalisiert, dass sich die USA an Gesprächen über die Kontrolle von Cyberwaffen beteiligen könnten. Bislang hat das Land Verhandlungen zum Thema Cyberwar abgelehnt.
/ Werner Pluta
7 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

General Keith Alexander , oberster US-Cyberkrieger, hat signalisiert, dass sich die USA an Gesprächen zur Begrenzung des Kriegs im Internet beteiligen, berichtet das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) . Bislang hatte das Land einen Kontrollvertrag für Cyberwaffen , wie Russland ihn fordert, abgelehnt.

Russischen Vorschlag bedenken

"Was Russland vorschlägt, könnte eine internationale Debatte anregen" , sagte Alexander auf einer Veranstaltung des Center for Strategic and International Studies(öffnet im neuen Fenster) , einem Thinktank in der US-Hauptstadt Washington. "Wir sollten gründlich darüber nachdenken." Es war die erste öffentliche Äußerung eines hohen Funktionärs der US-Regierung zu diesem Thema. Gespräche auf unteren Ebenen habe es in den vergangenen Monaten bereits gegeben, sagten eingeweihte Quellen der Zeitung. So hatten beispielsweise russische Beamte Ende 2009 die USA besucht und sich mit Vertretern des Außenministeriums, des Heimatschutzministeriums und von Strafverfolgungsbehörden über Cyberthemen ausgetauscht.

Russland möchte gern einen UN-Vertrag über Cyberwaffen durchsetzen, der beispielsweise die Nutzung von Software begrenzt, die die Computersysteme des Gegners zerstört. Dafür sucht das Land internationale Unterstützung. Die USA hingegen wollen zunächst eine internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Cyberkriminalität.

Schwächen bei der Kontrolle

Ein solcher Vertrag hätte einige Tücken, etwa bei der Kontrolle: Zunehmend führt nämlich nicht das Militär selbst Cyberangriffe durch, sondern zivile Hacker, die auf irgendeine Art und Weise mit der Armee in Kontakt oder in deren Dienst stehen. Nach Ansicht der auf Cyberwar spezialisierten US-Forschungseinrichtung US Cyber Consequences Unit (US-CCU) sind von Zivilisten durchgeführte Cyberattacken, die Aktionen des Militärs flankieren, in Zukunft der Normalfall.

Bedrohung aus dem Internet

Das US-CCU hatte die Cyberattacken auf die Computersysteme der georgischen Regierung im Jahr 2008 untersucht und war zu dem Ergebnis gekommen, dass diese von russischen patriotischen Hackern durchgeführt wurden. Auch China soll sich patriotischer Hacker bedienen. Beide Länder weisen solche Beschuldigungen stets vehement zurück.

Alexander wies in Washington auch noch einmal auf die Bedrohung hin, denen Computersysteme über das Internet ausgesetzt sind. "Die Möglichkeit zur Sabotage und Zerstörung ist durchaus gegeben. Darum müssen wir uns ernsthaft kümmern" , sagte der General, der in Personalunion Chef des Geheimdienstes National Security Agency (NSA) und von Cybercom ist, dessen Aufgabe es ist, die Netze der militärischen Einrichtungen gegen Angriffe und Eindringlinge von außen zu schützen. Entsprechend war seine Botschaft: "Wenn wir unsere Systeme nicht angemessen schützen, können andere in sie einbrechen."

Abhängig von zivilen Betreibern

Diese Botschaft geht auch an die Betreiber ziviler Netzinfrastrukturen, von denen das Militär abhängig ist. Diese schützen ihre Systeme nicht immer so, wie es nötig ist. So hatten im Jahr 2008 Computerspezialisten der US-Regierung Sabotagesoftware in den Systemen von US-Energieversorgern gefunden.

Experten raten ohnehin von offensiven Cyberoperationen ab: Cyberwar sei kein gutes Mittel der militärischen Abschreckung , erklärte im vergangenen Jahr der US-Thinktank Rand Corporation. Die USA täten besser daran, in die Verteidigung ihrer Computersysteme zu investieren, statt in die Offensive. Wie ein Anfang des Jahres durchgeführtes Simulationsspiel gezeigt hat, gibt es auch hier Handlungsbedarf.


Relevante Themen