Facebook: Neue Privatsphäre-Einstellungen sind da (Update)
Mit den neuen Privatsphäre-Einstellungen reagiert Facebook auf die Kritik und den Vertrauensverlust durch verschiedene Fehler, komplexe Nutzungsbestimmungen und Datenschutzeinstellungen, die unerlaubte Weitergabe persönlicher Daten und den freizügigen Umgang mit den Daten seiner Nutzer. Zuckerberg hatte sich erst spät dazu zu Wort gemeldet, sich nur auf die Kritik an den Privatsphäre-Einstellungen bezogen und lediglich zugegeben, man sei vielleicht etwas voreilig gewesen.

Dabei hatten Zuckerbergs Team seit mehreren Monaten Berater verschiedener Bürgerrechts-, Verbraucherschutz- und Datenschutzorganisationen zur Verfügung gestanden. Doch Zuckerberg hat spät verstanden, dass der Ruf von Facebook ernsthaft in Gefahr ist, und dass Nutzer nach Alternativen wie Diaspora suchen.
Mehr Privatsphäre
Nun gibt es neue Privatsphäre-Einstellungen, die ab dem 26. Mai 2010 schrittweise in Kraft treten und in den kommenden Wochen allen Facebook-Nutzern zur Verfügung stehen sollen. Mit nur einem Klick soll es nun möglich sein, auf Facebook Dinge mit Freunden, Freunden von Freunden oder mit allen zu teilen.
Werden die restriktiveren Einstellungen "Nur Freunde" oder "Freunde von Freunden" in der einfachen Kontrollmöglichkeit gewählt, gelten sie nicht nur für künftige, sondern auch für alle bereits veröffentlichten Inhalte.
Die feineren Einstellungsmöglichkeiten für individuelle Anpassung des Grads der Offenheit wird es weiterhin geben, vereint auf einer Webseite – statt verteilt über mehrere Seiten.
Facebook verpflichtet sich zudem dazu, bestehende Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer auch auf "neue Produkte" zu übertragen, die die Weitergabe von Daten vereinfachen. In der Vergangenheit hatte Facebook schon einmal die Einstellungen zurückgesetzt, was viele Nutzer nicht merkten und auch Zuckerberg zu spüren bekam; bei ihm wie auch bei vielen anderen Nutzern waren eigentlich private Fotos plötzlich öffentlich.
Keine Überraschungen mehr
Passend dazu will Facebook künftig weniger Änderungen in den Privatsphäre-Einstellungen vornehmen: "Es ist Facebooks Ziel, im Zusammenhang mit der Privatsphäre seltener Änderungen vorzunehmen und sich bei zukünftigen Produkt- und Feature-Innovationen in dem heute angekündigten Rahmen zu bewegen", heißt es in einer offiziellen Mitteilung.
Facebook beschränkt die öffentlichen Informationen künftig auf Name, Profil, Profilfoto, Geschlecht und Netzwerke. Doch lässt sich das Geschlecht genau wie das Geburtsdatum nun erstmals verbergen. Wer noch mehr Privatsphäre will, sollte sich beispielsweise keinen Netzwerken anschließen.
Positiv ist, dass die Verbindungen zu Seiten, die bisher für jedermann einsehbar waren, nun Privatsphäre-Einstellungen bekommen, die an beiden Enden der Verbindung greifen. So kann verhindert werden, dass andere Nutzer die Seiten auf ihrem Profil sehen können und sie selbst im Kasten "Personen, denen das gefällt" auf den Seiten erscheinen. Anwendungen werden explizit um Erlaubnis fragen müssen, um Zugang zu Seiten zu bekommen, die nicht für alle sichtbar sind.

Umgehende Personalisierung
Plattform-Anwendungen und Webseiten lassen sich nun gänzlich ausschalten, so dass keinerlei Informationen für Anwendungen zugänglich sind. Das bezieht sich auch auf öffentliche Informationen.
Zudem wird für Nutzer das Opt-Out aus der umgehenden Personalisierung einfacher. Sie lässt sich ausschalten, so dass derzeitige und zukünftige Anwendungen keinen Zugang mehr zu den Nutzerdaten bekommen. Die bisher erforderliche händische Deaktivierung jeder einzelnen Anwendung entfällt damit.
Neue Kontrollmöglichkeiten gibt es für die Informationen, die Nutzer mit Anwendungen und Webseiten auf der Facebook-Plattform teilen. Mit dem neuen Daten-Genehmigungs-Modell müssen Anwendungen laut Facebook eine ausdrückliche Erlaubnis einholen, bevor sie Zugang zu persönlichen Informationen erhalten, die ein Nutzer nicht für "Alle" zugänglich gemacht hat.
Die neuen Privatsphäre-Einstellungen hat Zuckerberg im Facebook-Blog(öffnet im neuen Fenster) vorgestellt.
Nachtrag vom 27. Mai 2010, um 10:05 Uhr:
Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat Facebooks neue Privatsphäre-Einstellungen größtenteils gelobt: Das soziale Netzwerk habe damit einige Fehlentscheidungen rückgängig gemacht. Kritisch sieht die US-Bürgerrechtsorganisation das weiterhin bestehende Opt-out aus der unmittelbaren Personalisierung (Instant Personalisation). Facebook ermögliche es entweder, alle Anwendungen freizuschalten oder den Zugriff allen zu untersagen. "Eine Opt-in-Liste würde es Nutzern erlauben, den Informationsaustausch mit allen Apps und Websites zu unterbinden, mit Ausnahme derjenigen, bei denen der Nutzer seine Zustimmung zum Teilen gegeben hat", heißt es in einer offiziellen EFF-Mitteilung. "Wir werden Facebook weiterhin in diese Richtung drängen."
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