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Zwischentöne: Software erkennt Sarkasmus

Produktbesprechungen bei Amazon sind oft voller sarkastischer oder ironischer Anspielungen, die manche Leser nicht verstehen. Drei israelische Informatiker haben ein Programm entwickelt, das Sarkasmus erkennt - und das sogar ziemlich gut.
/ Werner Pluta
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Rhetorische Stilformen wie Ironie oder Sarkasmus bleiben oft unerkannt - in geschriebener Sprache noch mehr als in gesprochener. Dennoch greifen viele Autoren, gerade im Internet, gern zum Sarkasmus. Damit Lesern dieses Stilmittel künftig nicht mehr verborgen bleibt, haben die Informatiker Oren Tsur, Dmitry Davidov und Ari Rappoport von der Hebräischen Universität in Jerusalem einen Sarkasmus-Detektor entwickelt.

Hohe Trefferquote

Semi-supervised Algorithm for Sarcasm Identification(öffnet im neuen Fenster) , kurz Sasi, haben die drei ihr Programm genannt. Es sei in der Lage, schreiben die Wissenschaftler, sarkastische Sätze mit einer Treffergenauigkeit von 77 Prozent zu erkennen.

Um Sasi nahezubringen, was Sarkasmus ist, arbeiteten sich die Entwickler zunächst durch 66.000 Produktrezensionen bei Amazon, in denen Sätze wie "Gute Idee - aber versucht es jetzt nochmal mit einem richtigen Produktentwicklerteam" , "Für dieses Buch mussten Bäume sterben?" oder "Hat alle Merkmale, die man haben möchte. Nur schade, dass sie nicht funktionieren" vorkamen.

Sasi studiert Sarkasmus

Wenn drei der Tester einen Satz als sarkastisch einstuften, wurde er als Beispielsatz ausgewählt. Insgesamt 80 Trainingsmuster blieben am Schluss übrig, die dann noch auf einer fünfstufigen Skala klassifiziert wurden. Anschließend fütterten Tsur, Davidov und Rappoport ihr Programm mit den 80 Sätzen und brachten ihm so bei, welche Worte oder Satzmuster Sarkasmus ausmachen, etwa die Worte konträr zum Inhalt zu wählen.

Nach der Lernphase machten sie die Gegenprobe: Sie ließen Sasi die 66.000 Rezensionen - ohne die Sätze, die zum Training benutzt wurden - analysieren und auf sarkastische Äußerungen prüfen. Ein Team aus 15 Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund beurteilte dann die Ergebnisse. Danach lag Sasi in 77 Prozent der Fälle richtig. In Anbetracht der Tatsache, dass Humor sehr unterschiedlich ist und von vielen Faktoren abhängt, wie etwa dem kulturellen Hintergrund, ist das ein beachtliches Ergebnis.

Die Sarkasmuserkennung könne zur Verbesserung von Besprechungen und Bewertungssystemen beitragen, schreiben Tsur, Dmitry und Rappoport. Sie wollen ihre Erkenntnisse in der kommenden Woche auf einer Konferenz über Blogs und soziale Medien(öffnet im neuen Fenster) vorstellen, die von der Association for the Advancement of Artificial Intelligence veranstaltet wird. Dort präsentiert auch eine Gruppe von Wissenschaftlern aus den USA, wie sich der Microbloggingdienst Twitter für die Meinungsforschung nutzen lässt.


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