Spieletest Nier: Action, Magie und sprechende Bücher

Nier ist nicht unbedingt der typische Actionheld – Ruhm, Coolness und Reichtum spielen für ihn nur eine untergeordnete Rolle. Das einzige, was für ihn wirklich zählt, ist die Rettung seiner Tochter, die von einer mysteriösen Schriftkrankheit befallen ist. Nier muss sich auf die Suche nach einem Gegenmittel machen – und dabei Schritt für Schritt erfahren, was hinter der seltsamen Pest steckt.

Die Suche nach einem Heilmittel beginnt in Niers Heimatstadt, führt ihn dann in die umliegenden Landschaften und hin zu düsteren Dungeons. Allerdings kehrt Nier immer wieder in die Heimat und zu seiner Tochter zurück – schon bald fallen die häufig zu wiederholenden Laufwege negativ auf. Natürlich lässt sich die Zeit zwischen Kämpfen und Aufgaben aber auch sinnvoll nutzen: Gespräche mit Dorfbewohnern führen und ihnen kleine Gefallen tun oder Kräuter sammeln sind nur zwei der zahlreichen, allerdings nicht immer unterhaltsamen Nebenbeschäftigungen.













Motivierender sind da schon die immer umfangreicher werdenden Kämpfe – einerseits gegen düstere Schatten, die sich immer wieder auch in größeren Gruppen auf den Gegner stürzen, andererseits gegen die Endgegner, die dem Spieler einiges abverlangen. Da empfiehlt es sich, auf die Hilfe von Mitstreitern zurückzugreifen – allen voran Grimoire Weiss, ein ebenso vorlautes wie hilfreiches magisches Buch, das den Schwertkampf angenehm durch schick in Szene gesetzte Überraschungsattacken wie Pfeile oder Feuerkugeln ergänzt.
Charme und Spannung fehlen
Square Enix hat sich auch an anderen Stellen Mühe gegeben, den Spielverlauf aufzulockern. So gibt es klassische 2D-Jump&Run-Phasen ebenso wie kurze Arcade-Shooter-Einlagen. Das Problem dabei: Diese Momente fügen sich nicht flüssig in den Spielablauf, sondern wirken eher aufgesetzt und sind der Atmosphäre nicht förderlich.













Auch technisch ist Nier weit davon entfernt, zeitgemäßes Entertainment zu bieten: Detailarme Texturen, eine träge Steuerung und schwache Animationen – zeitweise wirkt das Spiel wie eine auf der PS3 ablaufende Playstation-2-Version. Noch problematischer ist allerdings, dass es Nier nie gelingt, Spannung oder Atmosphäre aufzubauen: Die Tutorial-Phase ist zwar geschickt ins Spiel integriert, nachdem die grundsätzlichen Waffen, Kombos und Aktionen verstanden und erlernt sind, nehmen Spieltempo und Intensität aber kaum zu. Hinzu kommen vorhersehbare Storywendungen, aufgesetzt agierende Nebencharaktere und eine künstliche Spielzeitverlängerung durch immer wiederkehrende Wegstrecken.
Nier ist für die Playstation 3 und die Xbox 360 verfügbar und kostet etwa 60 Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
Fazit
Square Enix ist berühmt für seine Final-Fantasy-Reihe, die durch Atmosphäre, Story, Dauermotivation und Tiefgang glänzt. Das actionorientierte Nier patzt in allen diesen Disziplinen: Dem Spiel fehlt Spannung, es kann weder inhaltlich noch spielerisch fesseln – und es wirkt zudem technisch noch völlig überholt. Wenn Square Enix vorhat, auch aus Nier eine große Serie zu machen, muss für Teil 2 vieles anders gemacht werden – mehr als eine gute Grundidee und den einen oder anderen interessanten Nebencharakter hat der Titel kaum zu bieten.