Danube und Nile: AMD bringt mobile Quad-Cores und CPU für Netbooks
Mit seinen beiden neuen Plattformen hält AMD den Ende 2009 selbst gesetzten Zeitplan ein. Die beiden Produktlinien kommen jetzt auf den Markt, damit für das in den USA wichtige Geschäft zum Schulanfang genügend Notebooks erscheinen können. Danube und Nile sind dabei die letzten mobilen Plattformen, die AMD seinem K10-Design noch zumuten will, bevor 2011 mit "Sabine" und "Brazos" Konzepte mit den ersten Fusion-Prozessoren erscheinen sollen.
Erstmals bietet AMD jetzt Vierkernprozessoren und auch Triple-Cores für Notebooks an, sie heißen Phenom II, ihr Kern trägt den Codenamen "Champlain". Er verfügt aber nicht über den L3-Cache der Phenom II für Desktop-PCs. Daher sind die neuen Mobilprozessoren nicht anhand ihres Taktes mit den Desktoppendants zu vergleichen.
| Prozessor | Kerne | Takt | L2-Cache | TDP |
| Phenom II X920 | 4 | 2,3 GHz | 2 MByte | 45 Watt |
| Phenom II X620 | 2 | 3,1 GHz | 2 MByte | 45 Watt |
| Phenom II N930 | 4 | 2,0 GHz | 2 MByte | 35 Watt |
| Phenom II P920 | 4 | 1,6 GHz | 2 MByte | 25 Watt |
| Phenom II N830 | 3 | 2,1 GHz | 1,5 MByte | 35 Watt |
| Phenom II P820 | 3 | 1,8 GHz | 1,5 MByte | 25 Watt |
| Phenom II N620 | 2 | 2,8 GHz | 2 MByte | 35 Watt |
Intel hat Quad-Cores für Notebooks bereits seit 2008 im Angebot. Mit ihrer hohen Leistungsaufnahme sind solche Prozessoren jedoch vor allem Spezialisten für mobile Workstations oder Notebooks, die im privaten Einsatz als Desktopersatz dienen sollen. Das gilt auch für die beiden schnellsten Modelle des mobilen Phenom II, die mit einer TDP von 45 Watt angegeben sind.
Für Anwendungen, die von vielen Kernen profitieren, hat AMD mit dem Phenom II P920 aber auch einen Vierkerner entworfen, der mit nur 25 Watt TDP auskommt. Sein Takt ist jedoch mit 1,6 GHz so niedrig, dass er bei Single-Thread-Anwendungen deutlich hinter schnelle Dual-Cores zurückfallen dürfte. Ausführliche Benchmarks hat AMD zu seinen CPUs noch nicht vorgelegt, auch wenn das Unternehmen die neuen Plattformen derzeit in Cannes vorstellt. Die dafür angesetzte Pressekonferenz findet jedoch erst nach dem Fall der Sperrfrist statt, so dass auch noch einige technische Details und die Preise fehlen.
Vier Kerne schon ab 25 Watt TDP
Den Unterlagen von AMD ist jedoch schon zu entnehmen, dass das Unternehmen seine vor 200 Tagen begonnen Kampagne "Vision" weiter verfolgen wird. In drei Leistungsklassen soll die Leistungsfähigkeit der Chipsatzgrafik in Verbindung mit den CPUs herausgestellt werden. Auch die oberste Stufe "Vision Ultimate" ist jetzt mit den Quad-Cores glaubwürdig besetzt. Neu ist die Klasse "Vision Black", die durch die beiden schnellsten Phenom II mit vier Kernen vertreten ist. Sie bieten über das Programm "Overdrive" nun auch bei AMD Übertaktungsfunktionen in Notebooks. Die vollautomatische Taktsteigerung Turbo-Core der Phenom II X6 beherrschen die ersten mobilen Phenom II noch nicht.
Gefertigt werden die neuen Prozessoren weiterhin in 45-Nanometer-Technik, AMD will jedoch je nach Modell von CPU und Chipsatz Einsparungen in der Leistungsaufnahme von bis zu 30 Prozent erreicht haben. Dazu wurde der 45-Nanometer-Prozess weiter verfeinert, zudem beherrschen die neuen Kerne einen neuen Tiefschlafmodus in den C-States. Diesen hat AMD aber noch nicht näher beschrieben, er soll jedoch auch bei CPUs mit drei oder vier Kernen greifen. Die Daten nur in den L3-Cache zu schreiben, bevor der Kern weitgehend abgeschaltet wird, wie bei AMDs schnellsten Desktop-CPUs, ist bei den mobilen Phenom II durch das Fehlen dieses Zwischenspeichers ja nicht möglich.
| Prozessor | Kerne | Takt | L2-Cache | TDP |
| Turion II Ultra M660 | 2 | 2,7 GHz | 2 MByte | 35 Watt |
| Turion II Ultra M640 | 2 | 2,6 GHz | 2 MByte | 35 Watt |
| Turion II Ultra M620 | 2 | 2,5 GHz | 2 MByte | 35 Watt |
| Turion II Ultra M600 | 2 | 2,4 GHz | 2 MByte | 35 Watt |
| Turion II N530 | 2 | 2,5 GHz | 2 MByte | 35 Watt |
| Turion II P520 | 2 | 2,3 GHz | 2 MByte | 25 Watt |
| Turion II M560 | 2 | 2,5 GHz | 1 MByte | 35 Watt |
| Turion II M540 | 2 | 2,4 GHz | 1 MByte | 35 Watt |
| Turion II M520 | 2 | 2,3 GHz | 1 MByte | 35 Watt |
| Turion II M500 | 2 | 2,2 GHz | 1 MByte | 35 Watt |
Neben den neuen Boliden hat AMD für besonders flache Notebooks nun auch Dual-Cores der Linien Athlon und Turion im Angebot, mit Leistungsaufnahmen von 13 bis 18 Watt. Diese Plattform heißt dann "Nile". Und eine Geräteklasse darunter nimmt AMD nun auch das Wort "Netbook" in den Mund. Dafür ist eine neue Serie namens "V" vorgesehen – den Namenszusatz "Neo", den die anderen besonders sparsamen AMD-CPUs tragen, gibt es hier nicht.
Ein Viertel schneller als Intels Atom
Der bisher einzige V-Prozessor, das Modell V105, ist mit 9 Watt TDP bei 1,2 GHz angegeben. Intels aktueller Atom N450 – der anders als die V-CPUs schon einen Grafikkern mitbringt – kommt nur auf 5,5 Watt TDP. Dennoch baut beispielsweise Acer mit dem Modell Aspire One 512 ein Gerät auf Basis dieser CPU, das ausdrücklich als Netbook bezeichnet wird.
Acer stellte diesen Rechner in Cannes vor, anhand des ausgestellten Vorserienexemplars konnte Golem.de bereits eine Messung mit der 32-Bit-Version des Cinebench R10 durchführen. Dabei kam der V105 auf 1.034 Punkte, was immerhin rund 25 Prozent schneller als der bisher stark verbreitete Atom N270 ist, der in Netbooks rund 830 Punkte erreicht.
Überzeugend fiel auch ein Test mit der gleichen Version des Cinebench auf dem 17-Zöller AcerAspire 7552G aus. Dessen Quad-Core Phenom II 930 mit 2,0 GHz erreichte 6.155 Punkte. Damit kann er Intels mobilen Core i7 mit vier Kernen zwar nicht das Wasser reichen, aber: Deren TDP liegt bei 45 bis 55 Watt, die des Phenom II 930 bei nur 35 Watt. Das verspricht längere Laufzeiten auch für Notebooks mit vier Cores. Direkt vergleichen lassen sich die Messungen an Vorseriengeräten aber ohnehin nicht, da hier bis zum Marktstart oft Optimierungen an BIOS und den Stromsparmechanismen vorgesehen sind.
Mobil-CPUs zu jedem Preis
Insgesamt hat AMD nun 38 mobile CPUs mit einem bis vier Kernen im Angebot, der Chiphersteller will damit möglichst viele Preispunkte abdecken. Das wird auch durch die Northbridge RS880M mit Grafikkern erreicht, die sich bei Danube und Nile zu Chipsätzen mit vielen Namen konfigurieren lässt. Die Grafikkern heißen dann in absteigender Reihenfolge der Rechenleistung Radeon HD 4270, Radeon HD 4250 und Radeon HD 4225.
| Prozessor | Kerne | Takt | L2-Cache | TDP |
| Athlon II N330 | 2 | 2,3 GHz | 1 MByte | 35 Watt |
| Athlon II P320 | 2 | 2,1 GHz | 1 MByte | 25 Watt |
| Athlon II M360 | 2 | 2,3 GHz | 1 MByte | 35 Watt |
| Athlon II M340 | 2 | 2,2 GHz | 1 MByte | 35 Watt |
| Athlon II M320 | 2 | 2,1 GHz | 1 MByte | 35 Watt |
| Athlon II M300 | 2 | 2,0 GHz | 1 MByte | 35 Watt |
| Athlon II Neo K325 | 1 | 1,3 GHz | 2 MByte | 12 Watt |
| Athlon II Neo K125 | 1 | 1,7 GHz | 1 MByte | 12 Watt |
| Athlon Neo X2 L325 | 2 | 1,5 GHz | 1 MByte | 18 Watt |
| Athlon X2 L310 | 2 | 1,2 GHz | 1 MByte | 13 Watt |
| Athlon Neo MV-40 | 1 | 1,6 GHz | 512 KByte | 15 Watt |
| Athlon L110 | 1 | 1,2 GHz | 512 KByte | 13 Watt |
| Turion II Neo K665 | 2 | 1,7 GHz | 2 MByte | 15 Watt |
| Turion II Neo K625 | 2 | 1,5 GHz | 2 MByte | 15 Watt |
| Turion Neo X2 L625 | 2 | 1,6 GHz | 1 MByte | 18 Watt |
| Sempron M140 | 1 | 2,2 GHz | 512 KByte | 25 Watt |
| Sempron M120 | 1 | 2,1 GHz | 512 KByte | 25 Watt |
| Sempron M100 | 1 | 2,0 GHz | 512 KByte | 25 Watt |
| Sempron 210U | 1 | 1,5 GHz | 512 KByte | 15 Watt |
| V Series V120 | 1 | 2,2 GHz | 512 KByte | 25 Watt |
| V Series V105 | 1 | 1,2 GHz | 512 KByte | 9 Watt |
Je nach Takt, Spannung und Speicherausstattung sollen diese Northbridges von 7,5 bis 17 Watt TDP aufweisen. Auch, ob die möglichen PCIe-Lanes für eine diskrete GPU genutzt werden, spielt dabei eine Rolle – die letzte Entscheidung hat der Notebookhersteller. Möglich ist dabei aber auch beispielsweise ein sparsames Quad-Core-Gerät allein mit Chipsatzgrafik.
Das ist dann zwar bei Spielen nicht besonders schnell, aber etwa für mobile Medienbearbeitung eine Gerätekategorie, die Intel so nicht anbieten kann: Für den mobilen Core i7 mit vier Kernen (Clarksfield) gibt es keinen Chipsatz mit Grafikkern.
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