Hörbuch unter CC-Lizenz: Befreit Doctorow!

Der kanadische Schriftsteller und Blogger Cory Doctorow hat ein besonderes Verhältnis zum Urheberrecht: Statt es wie andere mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, stellt er seine Bücher im Internet unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC) zur Verfügung. Die Idee dahinter ist, dass Nutzer die Bücher herunterladen, anlesen und dann als gedruckte Ausgabe kaufen. Außerdem können sie sie übersetzen und so in anderen Sprachräumen verbreiten. Der Erfolg scheint ihm recht zu geben: "Die meisten betrachten meine elektronischen Bücher als Lockmittel, nicht als Ersatz für die gedruckten" , sagte Doctorow 2009 im Gespräch mit Golem.de . "Tatsächlich verkaufen sich meine Bücher besser als es der Verlag erwartet hat."

Das gilt auch für Doctorows kürzlich auf Deutsch erschienenen Roman Little Brother(öffnet im neuen Fenster) . Das Buch, das Rowohlt seit März 2010 als Taschenbuch im Programm hat, gibt es seit 2009 als kostenlose Übersetzung im Internet(öffnet im neuen Fenster) . Am 12. Mai will der Argon-Verlag den kleinen Bruder zudem als Hörbuch auf den Markt bringen, allerdings in einer gekürzten Fassung. Sie soll knapp 20 Euro kosten. Eine von Nutzern erstellte Hörbuchfassung(öffnet im neuen Fenster) gibt es bereits.
Kommerziell und gekürzt oder frei und vollständig
Nun hat der Berliner Hörbuchverlag der Internetgemeinde den Vorschlag gemacht, eine komplette Fassung des Hörbuchs kostenlos über das Internet unter einer CC-Lizenz ( CC by-nc-nd(öffnet im neuen Fenster) ) zugänglich zu machen. Die Bedingung: Die Kosten, die durch die neuen Aufnahmen mit einem professionellen Sprecher entstehen, sollen über Spenden gedeckt werden.
Street Performer Protocol(öffnet im neuen Fenster) (etwa Straßenkünstlerprotokoll, SPP) heißt das Konzept, das dahintersteckt. Entwickelt wurde es von den US-Computersicherheitsexperten Bruce Schneier und John Kelsey. Es ist ein "Electronic-Commerce-Verfahren zur Erleichterung der privaten Finanzierung öffentlicher Werke" . Ein Autor kündigt dabei an, ein Werk unter einer freien Lizenz zu veröffentlichen, wenn er einen bestimmten, vorher festgesetzten Geldbetrag dafür erhält. Ein Treuhänder, meist der Verleger, sammelt die Spenden ein. Kommt der vom Autor geforderte Betrag zusammen, gibt der Verleger das Geld frei und der Autor veröffentlicht sein Werk unter einer freien Lizenz. Schafft der Autor es nicht, das angekündigte Werk fertigzustellen, erhalten die Spender ihr Geld, unter Umständen mit Zinsen, zurück.
Mehrkosten über Spenden decken
Das hat nun Argon vor: Der Verlag will den Mehraufwand, den er auf 9.000 Euro beziffert, über Spenden decken. Dazu hat Argon eine Website eingerichtet(öffnet im neuen Fenster) , auf der die Nutzer spenden können. Dort ist ein Widget des Unternehmens Sell Your Rights(öffnet im neuen Fenster) eingebunden, über das die Nutzer angeben könne, wie viel Geld sie für die Hörbuchproduktion ausgeben wollen. Die Abwicklung erfolgt über Paypal.
Die vor einer Woche gestartete Spendenaktion läuft noch bis zum 16. Mai. Sollte bis dahin die vom Verlag veranschlagte Summe zusammengekommen sein, werden die Paypal-Konten der Nutzer mit der genannten Summe belastet. Laut einem Mitarbeiter von Argon wird sich der Verlag, wenn nicht die ganze Summe erreicht wird, möglicherweise "auch mit weniger zufriedengeben, die Produktion freigeben und das Geld einziehen" . Ziel der Aktion sei nicht, den Hörbuchmarkt zu revolutionieren, sondern zu einer Entwicklung beizutragen.
[Der Argon und der Rowohlt Verlag gehören ebenso wie Golem.de zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck(öffnet im neuen Fenster) ]



