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IMHO: HP attackiert das iPhone mit WebOS

HP engagiert sich mit Palm-Übernahme massiv im Smartphone-Markt. Für Palm ist die HP-Übernahme die lang ersehnte Rettung. Und auch für HP ist der Kauf von WebOS ein Gewinn. Denn jetzt kann HP groß in den Smartphone-Markt einsteigen und in direkte Konkurrenz zu Apple treten. Bei beiden kommen Smartphone und Betriebssystem aus einer Hand.
/ Ingo Pakalski
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Für Palm und das Smartphone-Betriebssystem WebOS bedeutet die Übernahme durch HP eine Zeitenwende, und das verspricht eine durchaus rosige Zukunft. Der strauchelnde Smartphone-Hersteller hatte in der Vergangenheit damit zu kämpfen, dass das Unternehmen gegen Giganten wie Apple, Nokia, Google und Microsoft einfach keine Chance hatte. Palm war zu klein und dem Unternehmen fehlte die Finanzkraft, um angemessen schnell auf dem Weltmarkt wachsen zu können, wie Palm-Chef Jon Rubinstein kürzlich einräumte.

Die Folge: Palm ist bisher mit WebOS-Smartphones nur in wenigen Ländern vertreten . Neben den USA sind das Deutschland, Großbritannien, Irland, Spanien, Kanada und Mexiko; erst in diesem Monat kam Frankreich als Vertriebsgebiet dazu. Außerdem fehlte Palm die nötige Infrastruktur in Form von Firmenniederlassungen auf der ganzen Welt.

HP gleicht Palms Schwächen aus

Für Palm ist HP daher der ideale Partner. HP bringt all das, was Palm fehlt, um aus WebOS doch noch einen Erfolg zu machen. Neben der nötigen Finanzkraft verfügt HP auch über ein weltweites Unternehmensnetz mit Firmenniederlassungen auf der ganzen Welt, um zügig und kostengünstig expandieren zu können. Für HP ist klar, dass die Palm-Übernahme vor allem eine strategische Entscheidung ist, denn WebOS braucht zunächst einmal Investitionen, bis sich damit Geld verdienen lässt. Aber HP erhält ein konkurrenzfähiges und modernes Smartphone-Betriebssystem.

Palm Pre - Test
Palm Pre - Test (05:41)

Kein anderes Smartphone-Betriebssystem am Markt bietet eine so nutzerfreundliche Multitasking-Bedienung wie WebOS. Zu den Pluspunkten zählen auch dezente Benachrichtigungen zu Kurzmitteilungen, E-Mails, Terminen oder Anrufen, ohne dass der Nutzer die gerade aktive Aufgabe am Gerät unterbrechen muss. Aber auch Synergy ist ein wichtiger Pluspunkt von WebOS, das Adressen und Termine aus unterschiedlichen Quellen in einer Datenbank sammelt. Außerdem haben WebOS-Smartphones einen Gestenbereich für bequeme Gerätebedienung und die universelle Suche, um wichtige Daten schnell und unkompliziert zu finden.

HP nimmt Apple als Konkurrent ins Visier

HP hat versprochen, massiv in Palm zu investieren, um die Verkaufszahlen von WebOS-Geräten zu steigern und die Marketingaktivitäten rund um WebOS zu intensivieren. Sehr deutlich bekennt sich HP zu WebOS, um Befürchtungen zu zerstreuen, der Palm-Verkauf könnte das Ende von WebOS bedeuten. Die Offenheit und Entwicklerfreundlichkeit von WebOS soll um jeden Preis erhalten bleiben.

HP: Wir setzen voll auf WebOS

"WebOS ist das beste mobile Betriebssystem. Wir wollen voll auf WebOS setzen" , bekräftigte Brian Humphries, Senior Vice President im Bereich strategische Entwicklung bei HP, zur Palm-Übernahme im Gespräch mit Techcrunch(öffnet im neuen Fenster) . Für HP ist WebOS das führende mobile Betriebssystem und es sieht keine Konkurrenz am Markt, die WebOS in den nächsten drei bis fünf Jahren das Wasser reichen könnte.

Palm Pre Plus - Test von Golem.de
Palm Pre Plus - Test von Golem.de (02:25)

Mit der Palm-Übernahme will sich HP massiv und kämpferisch im Smartphone-Markt engagieren. Bisher bietet HP nebenher lediglich iPaq-Smartphones auf Basis von Windows Mobile an. Mit WebOS hingegen wird HP in einen aggressiven Wettbewerb vor allem mit Apple und Google treten, die Macher von iPhone OS und Android.

HP nimmt Apple mit seinem iPhone ins Visier

Durch die Palm-Übernahme zeichnet sich vor allem ein Zweikampf zwischen HP und Apple ab. Bisher brauchte sich Apple vor Palm kaum zu fürchten, weil das Unternehmen zu klein war, auch wenn die Plattformen technisch auf Augenhöhe antreten. HP besitzt nun die Marktmacht und die Finanzmittel, um es mit Apple im Markt für mobile Endgeräte aufzunehmen. In beiden Fällen kommen Betriebssystem und Geräte aus der Hand eines Herstellers.

Während Apple die iPhone-Plattform sehr stark reglementiert, will HP die bisherige Offenheit von WebOS beibehalten. Mit HPs Marktmacht könnte die WebOS-Plattform auch für Entwickler interessanter werden. So bietet Palm mit Ares sogar eine WebOS-Entwicklerumgebung, die komplett im Browser läuft. Damit sollen sich WebOS-Applikationen einfach produzieren lassen. Auch das Software Development Kit gibt es für Entwickler gratis.

Bislang bietet Palm nur Smartphones auf Basis von WebOS an. Aber für HP ist klar, dass das mobile Betriebssystem auch für Netbooks und Tablets geeignet ist. Wer weiß, vielleicht gibt es schon bald eine Neuauflage von Palms Foleo ? Zudem wird es wahrscheinlich bald ein HP Tablet auf Basis von WebOS geben, mit dem HP in direkte Konkurrenz zu Apples iPad treten würde.

HP kennt Palm gut

Alle Kommentare HPs zur Palm-Übernahme zeigen, wie stark HP darum bemüht ist, Vertrauen zu gewinnen. Palm wird zwar als Unternehmensbereich bei HP eingegliedert, doch er wird von Palms bisheriger Führungsmannschaft geleitet. Auch alle wichtigen Palm-Mitarbeiter will HP übernehmen(öffnet im neuen Fenster) . Damit soll verhindert werden, dass es einen Bruch in Palms Roadmap gibt und bisherige Geschäftspartner verprellt werden.

Schlüsselpositionen optimal für Palm besetzt

Schaut man sich die an der Übernahme beteiligten Menschen an, wird klar, dass die Schlüsselpositionen für Palm genau mit den richtigen Personen besetzt sind. Denn Palm-Chef Jon Rubinstein war vor seiner Arbeit bei Apple einst bei HP tätig gewesen. Viel wichtiger ist allerdings, dass der für den Smartphone-Bereich zuständige HP-Manager Todd Bradley Palm sehr gut kennt: Von 2003 bis 2005 leitete er das Unternehmen als CEO, das zwischenzeitlich PalmOne hieß. Nach seiner Tätigkeit als Unternehmenschef von Palm wechselte Bradley zu HP und ist dort seitdem für den Bereich Personal Systems Group tätig.

Ebenfalls eine Randnotiz wert ist die 3Com-Übernahme durch HP . Denn 3Com kaufte 1997 das Unternehmen U.S. Robotics, den Besitzer von Palm. 2000 wurde Palm dann eigenständig und löste sich von 3Com. Palm fühlte sich von 3Com nicht mehr angemessen unterstützt. Das hatte sich bereits abgezeichnet, als die Palm-Gründer 1998 das Unternehmen verließen und Handspring gründeten, das dann parallel zu Palm Geräte auf Basis von Palm OS entwickelte - bis zur Fusion von Palm und Handspring fünf Jahre später.

Bleibt Palm als Marke bestehen?

Unklar ist derzeit noch, für wie wichtig HP die Marke Palm hält. Auch wenn Palm als Unternehmensbereich integriert wird, wäre es ein große Fehler von HP, wenn dabei auch die Marke Palm stürbe. Auf dem US-Markt hat die Marke enormes Gewicht im Smartphone-Bereich, das gilt auch für Teile Europas. Die Beibehaltung der Marke wäre für Palm nicht ungewöhnlich, denn auch als das Unternehmen zu U.S. Robotics und später zu 3Com gehörte, trat Palm so auf, dass der eigentliche Eigentümer des Unternehmens nur am Rande in Erscheinung trat.

HP hat aus dem iPaq-Fehler gelernt

Es gibt derzeit kein Indiz dafür, dass die Palm-Übernahme durch HP das Fortbestehen von WebOS negativ beeinträchtigt. HP scheint aus den Fehlern nach der Compaq-Übernahme gelernt zu haben. Nachdem HP 2001 Compaq übernommen hatte, wurde sofort eine der beiden PDA-Marken der Unternehmen eingestampft. Es traf die Jornada-Reihe, die durchaus erfolgreich mit Windows-Mobile-Geräten war. Fortan gab es dann nur noch Windows-Mobile-Geräte der erfolgreicheren iPaq-Linie bei HP. Aber schon kurze Zeit später verglühte der iPaq-Stern und das Ansehen der Produktreihe verringerte sich.

Aber das ist Geschichte. HP hat mit WebOS Größeres vor als seinerzeit mit den iPaq-Geräten von Compaq. WebOS macht HP zu einem wichtigen Teilnehmer im Smartphone-Markt - neben Größen wie Nokia, Microsoft, Google und Apple. WebOS kann jetzt durchstarten. Der Smartphone-Markt hat sich unerwartet dramatisch verändert.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


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