Spieletest: Monster Hunter Tri - kämpfen für Profis

Die Monster-Hunter-Reihe legt generell keinen Wert auf tiefgründige Geschichten – Tri reiht sich da nahtlos ein. Der Spieler muss einen Helden erschaffen, der in einem idyllischen Dorf seine ersten Aufträge bekommt. Es gibt seltsame Naturereignisse, der Spieler soll ihnen auf den Grund gehen – was nichts anderes bedeutet, als dass er schon bald zu den ersten Kämpfen aufbrechen muss.

Kämpfe sind das zentrale Spielelement von Monster Hunter Tri. Allerdings sind die Gefechte nicht leicht zu meistern. Das beginnt schon bei der richtigen Ausrüstung: Die Entwickler drücken dem Spieler unzählige Waffen und Extras in die Hand. Mit jedem Gefecht werden neue Gegenstände eingesammelt, die sich wiederum zu weiteren Angriffswerkzeugen kombinieren lassen. Jede Waffe hat besondere Eigenschaften – einfach und schnell zu handhabende ebenso wie behäbige, dafür in der Wirkung deutlich heftigere Schlagwerkzeuge. Schwerter, Bogen, Fallen, Schilde – allein die Masse an verfügbaren Gegenständen sorgt bei Spielern mit Sammeltrieb für Begeisterung und bei Einsteigern, auch angesichts des riesigen Inventars, für hoffnungslose Überforderung.












Das Beherrschen und Ausbauen der eigenen Angriffswerkzeuge ist nur der erste Schritt, um die zahllosen Monster und Dinosaurier niederzuringen. Der hohe Schwierigkeitsgrad der Kämpfe resultiert vor allem aus dem intelligenten Verhalten der attackierten Lebewesen. Um sie zu besiegen, muss jede Verhaltensweise, jeder überraschende Angriff, jede kleinste Schwäche im Detail gekannt und vorausgeahnt werden – die Gefechte werden so oft zu einem echten Geduldsspiel. Was Gelegenheitsactionspieler abschreckt, ist für Profis eine Genugtuung: Siege sind nicht dem Zufall geschuldet, sondern immer hart verdient.
Glaubwürdiges Monster-Ökosystem
Monster Hunter Tri legt Wert darauf, nicht völlig isolierte Monster auf den Spieler loszulassen, sondern alle Kontrahenten in einem eigenen Ökosystem zu integrieren, das auf Verhaltensweisen echter Wildtiere zurückgreift. So kann es passieren, dass sich der Spieler zu früh an viel zu mächtige Gegner heranwagt – oder aber die eigentlich unterlegene Kreatur schnell Hilfe von ihren Artgenossen anfordert. Zu den zahlreichen Szenarios an Land gesellen sich Unterwasserlevels, die eine zusätzliche Herausforderung sind: Nicht nur, dass die Meereskreaturen ganz eigene Bewegungsmuster an den Tag legen. Auch Steuerung und Nachjustierung der Kamera im Wasser verlangen zusätzliche Einarbeitung und Beherrschung des Controllers.

Überhaupt ist die Bedienung nicht unbedingt intuitiv. Es vergeht einige Zeit, bis sämtliche Aktionen wie mit unterschiedlichen Angriffen attackieren, Gegner anvisieren und analysieren und Extras wie Kräuter oder Panzer einsammeln schnell von der Hand gehen. Wer über den Classic Controller für die Wii verfügt, ist dabei klar im Vorteil.
Monster-Jäger müssen nicht alleine in die Wildnis ziehen: Neben einem Zwei-Spieler-Modus via Splitscreen dürfen sie online auch zu viert auf die Pirsch gehen. Taktisches Vorgehen und enge Abstimmung der eigenen Aktionen sind auch hier unabdingbar, dank Unterstützung des Wiispeak-Mikrofons ist der Informationsaustausch problemlos möglich. Eine besondere Erwähnung verdient zudem die Präsentation: Monster Hunter Tri sieht für einen Wii-Titel überwältigend gut aus – die Landschaften wirken detailreich und weitläufig, beeindrucken mit lebensechter Flora und Fauna, toll gestalteten Kreaturen und flüssigen Animationen. Allerdings muss der Spieler dafür lange Ladezeiten in Kauf nehmen.
Monster Hunter Tri ist exklusiv für Nintendo Wii erhältlich, kostet etwa 40 Euro und hat eine USK-Einstufung ab zwölf Jahren erhalten. Neben der Standardversion ist auch eine Deluxe Edition inklusive Classic Controller Pro für 60 Euro erhältlich.
Fazit
Auch mit Monster Hunter Tri wird die Action-Rollenspiel-Reihe nicht massentauglicher. Im Gegenteil: Die Kämpfe sind fordernder und schwieriger denn je, die Masse an sammel- und kombinierbaren Gegenständen größer als zuvor. Wer sich auf einige Stunden Einarbeitungszeit, das Auswendiglernen gegnerischer Verhaltensmuster und das Akzeptieren einiger Frustmomente einstellt, wird mit einem äußerst lohnenden, taktisch tiefgründigen und wunderschön inszenierten Titel belohnt – der einen angenehmen Kontrast zur Masse der familien- und einsteigerfreundlichen Wii-Titel darstellt.