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Test: Phenom II X6 1090T - AMD holt mit 6-Kerner auf

Sechs Kerne für unter 300 Euro. Erst Gulftown, jetzt Thuban: Sechs Kerne für Desktop-PCs werden allmählich salonfähig. AMDs Gegenstück zum Core i7 980X kostet jedoch weniger als ein Drittel von Intels Luxus-CPU – dafür ist es auch deutlich langsamer. Mit viel Übertaktungsspielraum ist der Phenom II X6 dennoch ein mehr als interessanter Prozessor, nicht nur für Technikfans.
/ Nico Ernst
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Die des Phenom II X6
Die des Phenom II X6

Gerade einmal sechs Wochen konnte Intel mit dem Core i7 980X alias Gulftown für sich beanspruchen, den einzigen Hexacore für Desktop-PCs zu liefern. Nun hält AMD gleich mit zwei Prozessoren dagegen, weitere sollen bald folgen. Das schnellste Modell ist der Phenom II X6 1090T mit einem Basistakt von 3,2 GHz. Über eine Intels Turbo-Boost ähnliche Technik können einzelne Kerne auch bis zu 3,6 GHz erreichen.

Bei spitzfindiger Betrachtung ist der 1090T damit sogar der am höchsten getaktete Phenom II, das nächstkleinere Modell X4 965 arbeitet mit einem festen Maximaltakt von 3,4 GHz. Bei voller Last und wenn nicht mehr als vier Threads hohe Last erzeugen, kann der kleinere Phenom II aber durch seinen höheren Takt trotzdem schneller sein – die Wahl wird schwieriger.

Zudem basiert auch AMDs neuer Prozessor noch auf der betagten K10-Architektur , neue Designs hat AMD mit 'Bobcat' und 'Bulldozer' erst für 2011 angekündigt. Zudem gibt Intel die Preise vor: Schon der Phenom II X4 965 ist durch den Druck der Core-i-CPUs für nicht mehr als 160 Euro zu verkaufen.

Prozessor Basistakt Turbo-Core TDP OEM-Preis (US-Dollar)
AMD Phenom II X6 1090T 3,2 GHz 3,6 GHz 125 Watt 295$
AMD Phenom II X6 1055T 2,8 GHz 3,2 GHz 125 Watt 199$


Folglich muss AMD auch den X6 nahezu verschleudern: Mit 295 US-Dollar soll er in der OEM-Preisliste stehen, für den deutschen Markt erwartet AMD Straßenpreise von 299 Euro, da hierbei die Steuern – anders als bei den Großhandelspreisen – noch einzurechnen sind. Auch üppig ausgestattete Übertakter-Mainboards sollen nicht mehr als 200 Euro kosten und damit günstiger sein als die X58-Boards für Intels Core i7-900.

Es scheint ganz, als hätte AMD damit eine bezahlbare Spielwiese für Technikfans geschaffen, oder etwas vornehmer formuliert: eine Plattform für günstige Workstations, die mit spezialisierten Anwendungen von den vielen Kernen auch profitieren können. Die Phenom II X6 bilden zusammen mit Chipsätzen der 800er-Serie und Grafikkarten der Serie Radeon HD 5000 die neue Plattform "Leo". Diese ist schon das dritte derartige Komplettangebot von AMD nach "Spider" (Phenom) und "Dragon" (Phenom II).

Wir testen im Folgenden ein von AMD gestelltes Serienexemplar des Phenom II X6 1090T auf dem ebenfalls neuen Mainboard Crosshair IV Formular von Asus. Die kleineren Modelle des X6 konnte AMD noch nicht zum Test schicken.

6 Kerne dank besserem 45-Nanometer-Prozess

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Chiphersteller aus einem Die mehrere Prozessorserien ableiten. Der Phenom II X6 ist hier keine Ausnahme, er stammt von der Opteron-Serie 2300 ab. Diese früher unter dem Codenamen Istanbul bekannten CPUs vereinen sechs Kerne auf einem Die. Möglich wird das auch zu den Preisen von Desktop-CPUs nun durch einen verbesserten 45-Nanometer-Prozess. Intels Core i7 980X ist dagegen schon mit 32-Nanometer-Technik gefertigt. Bei einem Wechsel dieser "Nodes" lässt sich die Zahl der Transistoren in etwa verdoppeln.

Das können die Chipdesigner für verschiedene Optionen nutzen: mehr Funktionseinheiten wie SSE-Rechenwerke etwa, oder für größere Caches. AMD hat sich beim X6 allein für 50 Prozent mehr Cores entschieden. Die L2-Caches für jedes Die blieben mit 512 KByte unverändert und auch der gemeinsame L3-Cache für die Kerne blieb gegenüber dem X4 mit 6 MByte gleich groß. Dennoch ist das Die des X6 346 Quadratmillimeter groß, der X4 in 45-nm-Technik bringt es auf nur 258 Quadratmillimeter. Viel Spielraum hatte AMD – außer für mehr Kerne – also nicht.

Mehr Rechenleistung durch höhere Takte bei gleichzeitig steigender Leistungsaufnahme hat AMD diesmal glücklicherweise vermieden: Auch der schnellste Phenom II X6 kommt mit einer TDP von 125 Watt aus. Mit den Phenoms der ersten Generation und dem ersten Modell des Phenom II X4 965 trieb AMD den Energiebedarf auf 140 Watt. Das sorgte jedoch bei den Herstellern von Mainboards und Kühlern für mehr Probleme als Nutzen, so dass jetzt wieder 125 Watt als Maximum gelten. Intels schnellste Desktopprozessoren sind zwar stets mit 130 Watt angegeben, doch dieser kleine Unterschied in der "Thermal Design Power" fällt kaum ins Gewicht.

Ansonsten ist auch der X6 ein waschechter Vertreter der K10-Architektur, die AMD allerdings bereits seit Mitte 2007 anbietet. Zuerst kam das Design für den Serverprozessor "Barcelona" nach halbjähriger Verspätung auf den Markt, und mit dem ersten Phenom legte AMD gleich einen Fehlstart hin.

Erst mit dem Phenom II, der im Januar 2009 auf den Markt kam, konnte AMD bei den Desktopprozessoren wieder überzeugen, 13 Monate später kommt nun der Phenom II X6 auf den Markt. Denselben Abstand gab es auch zwischen Phenom I und Phenom II, so dass die Chipentwicklung bei AMD nach dem Barcelona-Debakel offenbar endlich wieder rund läuft.

Zum Start will AMD nur zwei Modelle des X6 anbieten, die inoffiziellen Roadmaps sehen jedoch noch fünf weitere Versionen vor, die erstmals für einen Sechskerner auf dem Desktop auch mit 95 Watt TDP auskommen sollen. Wann diese Versionen jedoch auf den Markt kommen, steht laut AMD Deutschland noch nicht fest.

Turbo-Core ist nicht gleich Turbo-Boost

AMDs Technik zum automatischen Erhöhen des Taktes heißt nicht nur wie Intels Turbo-Boost , der Turbo-Core von AMD funktioniert in den Grundzügen auch ganz ähnlich. Allerdings gibt es hier auch große Unterschiede, so dass Intels Kniff unterm Strich dem Anwender eben doch mehr bringt.

Bei beiden Verfahren können die Prozessoren ihren Takt von selbst steigern, wenn sie nicht voll ausgelastet sind. Die Techniken versuchen dabei, die zur Verfügung stehende elektrische Leistung möglichst ideal zu nutzen und die Vorteile von Dual-Cores und Multi-Cores zu vereinen: Wenn wenige Kerne zu tun haben, laufen diese mit möglichst hohem Takt. Lässt sich die Arbeit auf mehr Cores verteilen, müssen diese niedriger getaktet werden, um das "thermal budget" nicht zu sprengen.

Intel kennt für das Hochschalten Stufen von 133 MHz, die einzelnen Prozessorserien können wie bei den mobilen Quad-Cores der Serie i7 bis zu fünf davon verwenden – und zwar je nach dem Zustand des Prozessors unterschiedlich viele. Das führt in der Praxis dazu, dass die Serie Core i7-900 auch unter voller Last immer eine Stufe mehr erreicht, ein Core i7-800 meistens zwei. Dahinter steckt eine eigene Schaltung namens 'Power Control Unit' (PCU), die Spannungen und Wärme an verschiedenen Punkten des Dies misst. In den Tests bei Golem.de konnten wir noch keinen Core-i7-900-Prozessor finden, der auch bei voller Last nicht stets kontinuierlich um 133 MHz über seinem Basistakt lief.

Intel erreicht das neben der PCU auch dadurch, dass die Kerne sich vollständig abschalten können. Sie sind "electrically off" , wie Intel-Entwickler gegenüber Golem.de mehrfach angaben. Bei AMD gibt es jedoch nur einen Tiefschlafmodus (C1, nicht zu verwechseln mit C1E, was sich im BIOS einschalten lässt), zudem müssen die Caches der Kerne vor einem Wechsel in diesen Modus geleert werden. Das ist zwar auch bei den Intel-CPUs nötig, kostet aber in jedem Fall etwas Zeit.

Zudem kennt AMDs Turbo-Core nur eine einzige feste Stufe von 400 MHz. Um diesen Wert kann der X6 zulegen, wenn nicht mehr als drei Kerne beschäftigt sind. Der Haken daran: Das kommt durch die Thread-Scheduler der Betriebssysteme äußerst selten vor, denn: Irgendwas ist immer. Intel hat daher für seine Hyperthreading-Kerne die Funktion des SMT-Parking erfunden und für Windows 7 zusammen mit Microsoft entwickelt.

400 MHz mehr – manchmal

Ein ähnlicher Kniff scheint dem Phenom II X6 aber noch zu fehlen. Auch bei synthetischen Tests wie dem Cinebench R10, der sich auch auf nur einem Kern ausführen lässt, bleibt der Turbo nicht immer an. Unser Prozessor lief in Dutzenden von Durchläufen nur rund die Hälfte der Zeit mit 3,6 GHz, den Rest mit 3,2 GHz – und damit langsamer als der Phenom II X4. In den gemittelten und bewerteten Messungen ist der X6 dennoch bei diesem Test einen Hauch schneller als der X4 und beim Test aller Kerne sowieso viel fixer.

Auch wenn der Turbo-Core damit zunächst weniger attraktiv als Turbo-Boost erscheint, kann die Funktion im Alltagseinsatz dennoch Vorteile bringen, etwa, wenn durch ein Programm sehr kurze Leistungsspitzen entstehen und das Betriebssystem gar nicht dauerhaft dazwischenfunken kann. Das lässt sich jedoch mit reproduzierbaren Benchmarks kaum nachstellen.

So, wie PCs heute üblicherweise betrieben werden, also mit einer Vielzahl von Programmen und Diensten im Hintergrund, dürfte der Turbo-Core kaum besonders häufig zum Einsatz kommen. Dass von sechs Kernen drei nichts zu tun haben, kommt dabei kaum vor, denn die Thread-Scheduler der Betriebssysteme sind ja geradezu darauf aus, die Arbeit möglichst gleichmäßig auf die Kerne zu verteilen.

Immerhin benötigt die Funktion, anders als noch vor einigen Monaten spekuliert wurde, weder Treiber noch Programme, der Turbo-Core arbeitet genauso transparent für Betriebssystem und Anwendungen wie Turbo-Boost. Die X6-Prozessoren, welche die Technik beherrschen, sind übrigens mit einem "T" am Ende der Modellnummer versehen. Ebenso wie Intel will AMD die Funktion als besonderes Feature vermarkten.

Es bleibt zu hoffen, dass AMD den Turbo-Core noch weiter entwickelt und nicht nur als einmalige Funktion für den gegenwärtigen Phenom II X6 verwendet. Die Technik funktioniert nämlich, nur ist sie bisher in der Realität nicht besonders effektiv. Dass AMD eine ähnliche Einheit wie Intels ebenfalls kaum dokumentierte PCU in seinen Marketingunterlagen nicht erwähnt, spricht dafür, dass dahinter kein Hexenwerk steckt. Stattdessen werden nur die lange bekannten P- und C-States einer CPU zitiert.

Auf den Turbo-Core hat der Modus C1E, der einige Watt sparen kann, im Übrigen keinen Einfluss. Bei manchen Kombinationen aus Chipsatz, BIOS-Version und CPU kann das Abschalten von C1E Schnittstellen beschleunigen, insbesondere USB. Unser Testsystem erreichte aber auch mit aktiviertem C1E USB-2.0-Transfers von über 30 MByte/s beim Lesen und Schreiben.

Neue Chipsätze und günstige Übertakter-Mainboards

AMD schickte zusammen mit dem Phenom II X6 1090T auch Asus' neues Mainboard Crosshair IV Formula aus der Serie "Republic of Gamers" (ROG) zum Test. Darauf sitzt ein neuer Chipsatz, der aus der Northbridge 890FX und der Southbridge SB850 besteht. Die 890FX besitzt, anders als die schon erhältliche 890GX, keinen Grafikkern, aber 42 statt 22 PCI-Express-Lanes.

Damit kann ein Mainboard ohne weitere PCIe-Multiplexer – wie sie beispielsweise Nvidia auch für Intel-Boards als Nforce-200 anbietet – entweder zwei Grafikkarten mit x16- oder vier mit x8-Anbindung steuern. Asus bietet beide Varianten an und hat folglich gleich vier PEG-Slots verbaut. Durch die Anordnung lassen sich drei davon für doppelt breite Grafikkarten verwenden, so dass theoretisch auch zwei Radeon HD 5970 mit insgesamt sechs GPUs auf dem Crosshair Platz finden können. Für Spiele gibt es dafür aber bisher keinen Treiber für sechs GPUs, so dass solche Konfigurationen bisher nur für Rechenanwendungen sinnvoll erscheinen.

Wesentlich sinnvoller sind da schon die zehn noch freien PCIe-Lanes des Chipsatzes, die eine problemlose Anbindung von USB-3.0-Controllern bei voller Leistung ermöglichen – bei Intels Chipsätzen der 5er Serie lauert hier ein Flaschenhals. Den üblichen Baustein von NEC für zwei USB-3.0-Ports hat Asus folglich auch integriert. Zusammen mit den sechs SATA-Ports mit bis zu 6 GBit/s bringt das Crosshair IV Formula damit auch alle aktuellen und noch kaum ausgereizten Schnittstellen mit.

Dennoch wäre auf der ATX-Blende noch Platz für einen zweiten Port nach Gigabit-Ethernet gewesen, das ist aber auch schon das einzige, was das High-End-Mainboard nicht zu bieten hat. Ansonsten steht von beleuchteten Tastern für Einschalten, Reset und Spezialfunktionen wie das Rücksetzen der Speichertimings alles zur Verfügung, was Technikfans zum Basteln brauchen.

Besonders hervorzuheben sind dabei LEDs auf dem Mainboard selbst, die verschiedene Spannungspegel anzeigen, und Messpunkte, um diese Werte mit einem Multimeter zu kontrollieren. Auch die drei einzeln per BIOS einstellbaren Anschlüsse für PWM-Lüfter gefallen, am außergewöhnlichsten ist aber ein hochkant angebrachter USB-Port namens "ROG Connect". Mittels einer eigenen Software können Übertakter damit auf einem zweiten PC – beispielsweise einem günstigen Netbook – an allen möglichen Parametern schrauben, auch wenn bereits ein Betriebssystem und eine Anwendung laufen. Das geht noch über AMDs Tool "Overdrive" hinaus, ist aber bei vielen Overclocking-Wettbewerben verboten: Das System muss dort so laufen, wie es auch bootet.

Auch die Übertaktungsautomatik des BIOS' selbst scheint auf den ersten Blick recht effektiv: Sie mutete dem 3,2-GHz-Prozessor über 3,7 GHz zu, bei denen er auch stabil lief. Im Cinebench R10 x32 erreichte er dabei über 16.000 Punkte und lag damit auf dem Niveau von Intels 900-Euro-Prozessor Core i7 975.

Das Crosshair IV Formula ist laut ersten Angeboten von Hardwareversendern schon zu Preisen um 180 Euro zu haben und damit sogar günstiger als einfach ausgestattete X58-Mainboards. Ähnliche Produkte von Gigabyte, MSI und anderen liegen auf demselben Preisniveau, so dass AMD die Kosten für die gesamte Plattform offenbar gezielt niedrig hält.

Testsysteme und Verfahren

Wir testen ein Serienexemplar des Phenom II X6 1090T. Dafür verwenden wir die Benchmarksuite der Lynnfield-Messungen – allerdings jetzt komplett unter Windows 7 Ultimate in der 64-Bit-Version. Schon mit dem Core i7 980X hatte sich Windows Vista mit vielen Kernen und Hyperthreading als Bremse erwiesen.

Sämtliche Messungen wurden neu durchgeführt, sie sind damit mit früheren Tests nicht vergleichbar. Vor allem Anwendungen mit vielen Dateioperationen wie das Konvertieren von Bilddateien oder das Archivieren mit Kompressionsprogrammen profitieren von Windows 7.

Bei der Überarbeitung unseres Benchmark-Parcours wurde Apples iTunes auf Version 9.1 aktualisiert. So viel sei vorweggenommen: Schneller wird das Programm beim Konvertieren in MP3s auch jetzt nicht. Cinebench R10 nutzen wir weiterhin in der 32-Bit-Version, weil es dafür zahlreiche Vergleichswerte gibt.

Die neue Version des Benchmarks, Cinebench R11.5, wird nun aber in der 64-Bit-Version verwendet. Die Prozessorhersteller empfehlen diesen neuen Test ausdrücklich, weil er viel schneller neue Threads startet als die ältere Version – entsprechend soll der Test mit bis zu 32 Kernen gut skalieren. Crysis wird nun durch Dirt2 als Spieletest abgelöst. In unseren Tests zeigte sich bisher, dass Dirt2 sechs Kerne gerade eben so belasten kann, das Spiel skaliert zudem gut mit den Taktfrequenzen.

Bedingt durch die drei Speicherkanäle des Core i7 900 ergeben sich für die anderen Mainboards mit ihren vier Speicherslots als gleich große Speichermenge als praxisnaher Wert nur 6 GByte. Diese setzen wir aus 2 x 2 GByte von Corsairs "Dominator"-Serie zusammen sowie zwei 1-GByte-DIMMs von Kingston. Auf dem Core i7 900 laufen drei der Corsair-Riegel. Diese Mischbestückung lief auf allen Mainboards mit gleichen Timings von 8-8-8-24 bei effektiv 1.333 MHz stabil.

Als Mainboards für die Core i7-900 diente das Asus P6T Deluxe, die Core i7-800 und 700 mussten im DP55KG (Kingsberg) Platz finden. Die Core-2-Prozessoren liefen im Gigabyte X48T-DQ6. Für alle Phenoms kommt nun das Asus-Mainboard Crosshair IV Formula zum Einsatz.

Außer Prozessor, Mainboard und Kühler waren für jeden Test alle anderen Komponenten identisch: Die von Kingston vertriebene Intel-SSD X25-M mit 80 GByte und aktueller Firmware lieferte Betriebssystem und Anwendungen, die zu verarbeitenden Daten eine Seagate Barracuda ES.2 mit 1 TByte. Als Grafikkarte kam AMDs Radeon HD 4870 X2 mit Catalyst 10.2 in der 64-Bit-Version zum Einsatz, als Netzteil das Dark Power Pro von BeQuiet mit 850 Watt.

Bei der Auswahl der Prozessoren wird jeweils das schnellste Modell einer Serie für diesen Technologievergleich verwendet, wir haben uns für diesen Test ausschließlich auf Quad-Cores beschränkt. Der Core 2 Quad QX9770 mit 3,2 GHz ist von Intel schon lange nicht mehr erhältlich, da er teilweise die kleineren Core-i-Prozessoren in die Tasche steckt. Es gibt ihn aber noch vereinzelt im Handel, allerdings zu deutlich überzogenen Preisen. Als Vergleich mit älteren Vierkernern unter 3 GHz haben wir den noch gut verfügbaren Q9400 mit 2,66 GHz vermessen.

Synthetische Benchmarks

Cinebench R10 von Maxon basiert auf der Rendering-Anwendung Cinema4D und lastet laut Angaben des Herstellers bis zu 16 Kerne voll aus. Auch die zwölf virtuellen Kerne eines 980X kommen so auch nach kurzer Zeit auf 100 Prozent Last, die sechs realen Kerne des Phenom II X6 1090T ohnehin.

Mit seinen sechs Kernen kann AMD nun nach langer Zeit immerhin die bezahlbaren Quad-Cores der Serie Core i7-800 erreichen und den recht beliebten Core i7-750 klar schlagen – der aber auch nur rund die Hälfte kostet.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim neuen Cinebench R11.5 in der 64-Bit-Version: AMDs Neuer skaliert hier ebenso gut und kommt sogar nahe an den dreimal so teuren Core i7 975 heran. Die neue Version des Cinebench startet Threads viel schneller als ältere Versionen, so dass die Kerne noch gleichmäßiger ausgelastet werden. Eine Klasse für sich bleibt in allen Cinebenches der Core i7 980X mit seinen zwölf virtuellen Kernen.

Da SuperPi kaum in Threads aufgeteilt ist, zeigt sich hier gut die Effizienz der Rechenwerke und Caches. Die Optimierung des Nehalems auf kleine Schleifen verschafft ihm offenbar einen deutlichen Vorteil gegenüber allen anderen CPUs. Auch der Phenom II X6 sieht hier kein Land, die K10-Architektur ist bei diesem Programm viel weniger effektiv als bei realen Anwendungen. Immerhin kann der Turbo hier leichte Vorteile erzielen.

Anders beim CPU-Test von 3DMark Vantage im Profil "Performance": Hier kommt der X6 zwar nicht so nah an den Core i7-870 heran wie bei den Cinebench-Tests, er ist aber auch nicht wirklich abgeschlagen.

Das Programm arbeitet hier mit einer Physiksimulation kombiniert mit Wegfindungsalgorithmen und ist sehr fein in Threads aufgeteilt, so dass alle CPUs mit Hyperthreading deutlich vorne liegen. Die 50 Prozent mehr Cores des X6 gegenüber dem X4 skalieren auch hier aber sehr gut.

PC Mark Vantage und Dirt2

Der PCMark Vantage von Futuremark basiert nicht auf echten Anwendungen, nutzt aber zahlreiche Funktionen von Windows aus. In der "Overall"-Suite bildet er von Medienverarbeitung über Webbrowsing bis zu Office-Programmen nahezu alle Alltagsaufgaben ab. Zudem startet er viele Threads, wie das auch der Fall ist, wenn viele Anwendungen gleichzeitig geöffnet sind.

Die bessere Thread-Verwaltung von Windows 7 führt in diesem Test zu deutlich höheren Werten als unter Windows Vista, die Prozessoren rücken dadurch aber auch enger zusammen. Bei den Betriebssystemfunktionen, die PCMark testet, ist selbst der Core 2 Quad QX9770 schneller als AMDs 6-Kerner und auch der Core i5-750 liegt vor dem X6.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Spiel Dirt2, das seine Arbeit auf bis zu sechs Kerne verteilt – diese dabei aber nicht voll auslastet. Das Spiel skaliert dabei gut mit den Fähigkeiten der CPUs, ist aber ganz offensichtlich stark auf Intel-Prozessoren optimiert. Daher kann auch hier AMD nicht gegen die kleinsten Quad-Cores mit Nehalem-Architektur gewinnen.

Die Unterschiede zwischen den CPUs zeigen sich bei den bewusst gewählten Einstellungen von 1.280 x 1.024 Pixeln mit mittleren Details und ohne Filterfunktionen sehr gut, sollten aber nicht überbewertet werden: Völlig flüssig wirkende Bildraten ergeben sich auch mit den AMD-CPUs bei 1.920 x 1.200 Pixeln mit allen Details und vierfacher Filterung.

Medienbearbeitung und Kompression

Mit der Version 9.1 von iTunes konvertierten wir eine 700 MByte große WAV-Datei in ein MP3 mit variabler Bitrate von höchstens 256 Kilobit pro Sekunde bei maximaler Qualitätseinstellung. Dies entspricht der Zeit, die für eine randvolle CD nötig wäre, so deren Dateien sich schon auf der Festplatte befinden.

Alle Prozessoren liegen hier im Rahmen der Messgenauigkeit dicht beisammen, weil die Routine auch in der neuen Version nur zwei Kerne voll auslastet und zudem dauernd Daten gelesen und geschrieben werden. Dadurch kann AMDs Turbo nicht greifen, die schnellere Architektur bringt zudem alle Core-i-Prozessoren nach vorn.

Anders als den "Windows Movie Maker" aus Vista liefert Microsoft den Nachfolger "Windows Live Movie Maker" bei Windows 7 nicht mehr standardmäßig mit. Er ist jedoch kostenlos als Teil des Pakets "Windows Live" erhältlich. Eine 41 Minuten lange Datei aus einer HD-Kamera im Format AVCHD (1.440 x 1.080 Pixel) wird dabei in eine WMV-Datei mit 720p verpackt, die so auch auf einer Xbox 360 läuft.

Dabei bringen die sechs Kerne der Core i7-900 mehr als beim Phenom II X6. Hier greift offenbar das SMT Parking voll zu: Die Auslastung der physikalischen Kerne ist bei den Intel-CPUs stets höher als bei den AMD-Prozessoren. Mit der Hälfte der Echtzeit des Videos sind aber auch die Phenoms sehr schnell, wer tagtäglich Videos nur auf der CPU konvertieren muss, greift aber dennoch besser zum dreimal so teuren Core i7 980X.

Weniger gut in Threads aufgeteilt ist Nikons Capture NX, das unter anderem der Konvertierung von RAW-Fotos dient. Das Programm muss in unserem Test 257 Bilder von 1,36 GByte in unkomprimierte TIFF-Dateien wandeln.

Die hohe Datenmenge mit kurzen Rechenzeiten lastet auch die schnelle Intel-SSD aus, dennoch zeigt sich auch hier der Vorteil, wenn der Prozessor viele Threads parallel verarbeiten kann, weil insbesondere die Threads des Betriebssystems ständig den Kern wechseln. Hier liegen die AMD-Prozessoren mit den kleineren Core-i-CPUs wieder dicht auf, aus seinen sechs Kernen zieht der X6 durch den geringeren Takt aber wiederum kaum mehr Leistung.

Die gleichen RAW-Dateien wie beim Konvertierungstest muss Winrar 3.9 in der 64-Bit-Version mit normaler Kompressionsstufe in ein RAR-Archiv verpacken. Der Hersteller hatte für die neue Version unter anderem eine bessere Aufteilung in Threads versprochen, und das zeigt sich deutlich: Die Hyperthreading-CPUs sind flotter, mit mehr als sechs Threads weiß aber auch Winrar unter realen Bedingungen kaum etwas anzufangen. Das Programm ist auf fast allen Intel-Prozessoren wesentlich schneller als bei den Phenoms.

Leistungsaufnahme

Um auszuloten, wie sparsam die Plattformen sein können, haben wir die 4870-X2-Karte durch eine Radeon HD 4670 ersetzt, die für den Windows-Desktop laut AMD nur 11 Watt benötigt. Auf die Messergebnisse des Rendertests von Cinebench R10, den wir für die Volllastmessung verwendet haben, hat diese Karte keinen Einfluss.

Das gilt auch für den Test mit Windows Live Movie Maker, bei dem nie alle Kerne voll belastet sind – hier kommen aber die Laufwerke stärker ins Spiel, was Alltagsaufgaben bei der Medienbearbeitung entspricht.

Unschlagbar sparsam sind angesichts der Rechenleistung die Serien Core i7-800 und 700, die sehr schnellen Core i7-900 sind und bleiben vor allem durch den X58-Chipsatz aber Stromverschwender. In der Mitte liegen die Phenoms, der neue 1090T ist trotz verbessertem 45-Nanometer-Prozess mit seinen sechs Kernen hier aber noch deutlich energiedurstiger. Hier zeigt sich, dass AMD seine Cores nicht ganz abschalten kann.

Bei voller CPU-Last mit Cinebench R10 sind die beiden AMD-Prozessoren aber fast gleichauf, obwohl der X6 zwei Kerne mehr besitzt. AMDs 45-Nanometer-Prozess scheint also recht sparsam, was aber nicht mehr für die Architektur gilt.

Das wird auch beim Test mit Windows Live Movie Maker sichtbar, hier schalten sich die Intel-Kerne schneller ab, da sie nicht ganz ausgelastet werden. Sie brauchen dennoch um 20 Watt mehr als die Phenoms, sind dafür aber auch wesentlich schneller. Gemessen an älteren Plattformen für Mehrkern-CPUs wie den X48-Chipsätzen steht AMD aber noch gut da.

Fazit

Der Phenom II X6 1090T ist ein spannendes Technikspielzeug – und auch ein flotter Prozessor. Wie schon den Core i7 980X plagt ihn aber, dass die wenigsten Programme sechs Kerne wirklich nutzen können. Der günstigere Phenom II X4 965 ist ihm durch seinen höheren Takt in einigen Tests noch ebenbürtig.

Wo die Software jedoch passt, kann AMDs Neuer durchaus im Revier der Core i7-800 wildern, gegen die viel teureren Core i7-900 hat er jedoch keine Chance. Die neue Funktion Turbo-Core wirkt sich bei Benchmarks kaum aus, da meist mehr als drei Kerne ein bisschen zu tun haben – um zu greifen, müssen aber alle anderen drei Cores wirklich Ruhe haben.

Der größte Vorteil des X6 ist sein günstiger Preis: Mainboard und Prozessor für 500 Euro sind nicht nur für Bastler, sondern auch für Medienprofis, deren Anwendungen mit vielen Kernen gut skalieren, eine Verlockung. Es liegt an den PC-Herstellern, auf dieser Plattform auch zuverlässige Workstations mit gutem Support anzubieten.

Als Grundlage für Übertaktungsexperimente sind die 890GX-Boards mit dem X6 ebenfalls sehr interessant: Unser Exemplar des Prozessors erreichte mit Luftkühlung und ohne eigene Eingriffe allein durch die Automatiken des Boards knapp 20 Prozent mehr Takt. Das muss nicht für jede CPU gelten, ist aber ein Hinweis auf den großen Spielraum, den der X6 bietet.

Bei Standardtakten ist zudem die Leistungsaufnahme auf dem Niveau der Vorgängergeneration geblieben. Das ist nicht schlecht, durch die sehr effizienten Core i7-800 inzwischen aber überholt. Insgesamt ist AMD mit dem Phenom II X6 1090T aber ein überzeugender Einstieg in die 6-Kern-Welt auf dem Desktop gelungen.


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