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Test: iWork & Co - arbeiten mit dem iPad

Unterwegs präsentieren mit Keynote für das iPad. Zehn Stunden Laufzeit bei 700 Gramm Gewicht: Damit ist das iPad ein potenzieller Kandidat, der auch für ernsthafte Arbeiten genutzt werden könnte. Golem.de hat sich iWork '09 und die integrierten Anwendungen für den Arbeitsalltag angeschaut.
/ Andreas Sebayang
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Damit ist es eigentlich der ideale Begleiter für unterwegs. Eine virtuelle Tastatur zum Schreiben auf dem Display hat es, es ist hell genug, um trotz spiegelnden Displays in sonnigen Umgebungen genutzt zu werden, und wer will, kann eine externe Tastatur anschließen. Mit Blick auf die technischen Eigenschaften hat das Gerät bisher nicht viele Mitbewerber.

Die Konkurrenz

Bei der Windows-Konkurrenz gibt es nur wenige Geräte, die ähnlich leicht sind wie das iPad. Sonys Netbook Vaio X ist mit fast 800 Gramm nur 100 Gramm schwerer und bietet eine eigene, gute Tastatur. Doch mehr als 5 Stunden Arbeitszeit kann der Anwender hier nicht erwarten. Auch Toshibas Portégé R600 kann mit 1,1 kg noch als besonders leicht gelten, bietet maximal 9,5 Stunden Akkulaufzeit und hat sogar ein optisches Laufwerk.

Wer zudem die Funktionen eines Tablet-PC haben möchte, also das Gerät einfach in der Hand oder im Arm eingeklemmt nutzen möchte und mit dem Finger oder Stift auf dem Display arbeiten will, kommt kaum unter 1,5 kg weg. Meist bedarf es noch eines Zusatzakkus in Form eines Akkuslice. Dann ist der Anwender schon bei mehr als 2 Kilo, erreicht aber Laufzeiten, die mit dem iPad konkurrieren können. Nur wenige Industrie-Tablets, meist im Slate-Formfaktor wie das iPad, sind ähnlich leicht. Alles in allem ist es also schwer, ein Gerät zu finden, das leicht ist und zugleich eine lange Laufzeit bietet.

Doch wichtiger als diese technischen Fakten sind die Anwendungen, denn ein leichtes Gerät hat keinen Nutzen, wenn die Anwendungen darauf nicht angepasst sind. Apples iWork verspricht, eine Büroprogrammsammlung zu sein, die den Bedürfnissen eines Tablet-Nutzers gerecht wird. Damit unterscheidet sich iWork beispielsweise von Microsofts Office, das trotz des großen zeitlichen Vorsprungs nur halbherzig an Tablet-PCs angepasst wurde.

iWork '09 fürs iPad - die Eigenarten von Pages, Numbers und Keynote

Mit den drei angepassten iPad-Apps Pages, Numbers und Keynote bietet Apple eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation und ein Präsentationsprogramm an. Wer mit iWork für den Mac vertraut ist, fühlt sich schnell heimisch. Die Oberfläche ist aufgeräumt und das Wichtigste wird unterstützt. Als Dateiformate werden unter anderem MS-Office-Dokumente wie beispielsweise .doc, .pptx oder .docx angenommen und natürlich Apples eigene iWork-Formate .pages, .numbers und .key. Opendocument wird, wie auch schon bei der Mac-OS-Version von iWork, nicht unterstützt.

Doch gerade der Umgang mit Apples eigenem Dateiformat ist nicht ganz unproblematisch. Die iPad-Version von iWork '09 akzeptiert nur Dokumente, die mit iWork '09 gespeichert wurden. Wer also auf seinem Mac iWork in der Version '05 oder '08 nutzt, braucht die neue Version und muss umständlich Dokumente in alten iWork-Formaten umspeichern, bevor sie importiert werden können. Obendrein erkennt die Import-Funktion des iPads erst sehr spät, dass es sich um ein veraltetes Dokumentenformat handelt und spuckt eine Fehlermeldung aus. .Pages, .numbers und .key sind Dateiformate, die nicht gerade als stabil bezeichnet werden können.

Die Übertragung zum iPad ist über mehrere Wege möglich. Wer einen iWork.com-Zugang hat, kann diesen auch auf dem iPad für beide Übertragungsrichtungen nutzen. Alternativ werden die Dokumente per iTunes übertragen und den jeweiligen Anwendungen untergeschoben. Dabei muss der Anwender darauf achten, dass Präsentationen auch bei Keynote landen und Textdokumente bei Pages. Einen gemeinsamen Ordner gibt es nicht. Zudem meldet sich das iPad nicht als Wechselmedium, so dass eine Übertragung über den Dateimanager wegfällt. Eine weitere Alternative ist der Versand per E-Mail.

Wer glaubt, dass Dateien vom Desktop korrekt auf dem iPad dargestellt werden, wird beim ersten Import eines Besseren belehrt. Pages unterstützt beispielsweise keine Listenelemente in Tabellenzellen und schmeißt sie einfach heraus. Ähnliches passiert dem Anwender in Numbers und Keynote. Ärgerlich: Dokumente, die mit dem iPad bearbeitet und dann gespeichert werden, verlieren die Eigenschaften, die nicht importiert worden sind. Der Anwender sollte also gut überlegen, ob aufwendig konstruierte Dokumente mit dem iPad bearbeitet werden sollten.

Für einfache Dokumente gut geeignet

Bei einfachen Dokumenten hingegen macht die iPad-Version von iWork keine Probleme. Die Möglichkeiten, die es bietet, sind für ein kleines Gerät erstaunlich vielfältig. Präsentationen können schnell zusammengeklickt und bestehende Präsentationen erweitert werden. Sogar die 3D-Animationen werden unterstützt und bereiten dem kleinen iPad keine Schwierigkeiten. Mit einem Adapter lässt sich die Präsentation auch über ein Anzeigegerät abspielen. Im Präsentationsmodus wird das iPad dabei zu einem Presenter-Display. Der Anwender sieht in einer kleinen Übersicht alle Folien, durch die er scrollen kann, und eine Übersicht der Slides. Sehr praktisch ist der virtuelle Laserpointer. Der Finger wird einfach auf das Display gehalten und schon erscheint auf dem externen Bildschirm oder der Leinwand ein roter Punkt, der bewegt werden kann.

Gegenüber Keynote für den Mac fehlen beim Presenter-Display einige wichtige Komponenten. So gibt es keine Uhr, die Zeitinformationen in verschiedenen Varianten angibt, und auch Notizen werden dort nicht angezeigt.

Pages erfordert Kompromisse: Die Bedienung ist sehr einfach, aber leider muss der Anwender ständig zwischen Hochkant- und Querformat hin- und herwechseln. Im Querformat tippt es sich besser, und nur im Hochkantformat sind die Formatierungsschaltflächen sichtbar, auch das Einbetten von Fotos oder Balkendiagrammen funktioniert nur so.

Numbers lässt sich gut bedienen. Für das einfache Ausfüllen von Tabellen reicht es allemal, Diagramme lassen sich leicht erstellen. Wenn es allerdings um optische Feinheiten in den Diagrammen geht, muss das Dokument auf einem Mac weiterbearbeitet werden, da viele Eigenschaften bei der iPad-Version nicht setzbar sind.

Hin und wieder gab es Probleme beim Import von Dokumenten. Selbst bei kleineren Dokumenten mussten wir manchmal eine Minute auf den Import warten. Bei einer größeren Powerpoint-Präsentation im OpenXML-Format von Microsoft stürzte Keynote reproduzierbar beim Import ab - ohne Fehlermeldung.

Für einfache Arbeiten oder zum Betrachten von Dokumenten eignet sich iWork fürs iPad gut. Der ideale Workflow ist allerdings, unterwegs oder auf der Couch ein Dokument zu erstellen und es später am großen Rechner aufzubereiten. Alles andere ist mit dem Risiko von Formatierungsverlusten verbunden. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn Dokumente von Microsofts Office übernommen werden müssen.

Ergonomie und allgemeine Bedienung

Wie arbeitet es sich ohne Tastatur auf einem Tablet, das keine Stift- und Handschrifterkennung bietet? Mit Einschränkungen überraschend gut. Die virtuelle Tastatur kann im Quermodus und im Zehnfingersystem schnell bedient werden. Hochkant reduziert sich das auf zwei bis vier Finger, und das ist deutlich anstrengender als in der Queransicht. Für typische Couchpositionen ist die Rückseite des iPads allerdings zu glatt und rutscht herunter. Auch Schutzhüllen helfen hier nur bedingt. Entweder kommt es zu unangenehmen Sitzpositionen oder der Anwender nutzt die Daumen, um das iPad hochkant in Position zu halten, während Zeige- und Mittelfinger tippen.

Allerdings vermisst der Anwender bei der Arbeit schnell das Vorwärtslöschen, die Cursor-Tasten und die Umlaute. Die typische Mac-Tastenkombination zum Vorwärtslöschen, CTRL+D, die auch Solaris-Anwender kennen, gibt es nicht. Alternativ ist das Positionieren des Cursors hinter den Buchstaben, doch dafür fehlen die Pfeiltasten.

Der Cursor wird mit dem Finger gesetzt. Entweder wird direkt auf ein Wort geklickt, dabei wird der Cursor je nach Position des Fingers vor oder hinter das Wort gesetzt. Mit einer Ausnahme: wenn die Rechtschreibkontrolle einen Fehler bemerkt. Dann lässt ein Antippen Wortvorschläge erscheinen. Alternativ kann der Anwender den Finger zur Positionierung so lange auf den Text halten, bis die Bildschirmlupe erscheint. Damit wird die Rechtschreibkontrolle übergangen und es ist außerdem möglich, den Cursor auch innerhalb eines Wortes zu positionieren.

Das dritte Problem sind die Umlaute. IPhone OS 3.2 löst das nicht ideal, aber immer noch besser als das iPhone OS 3.1. Der Anwender hat zwei Möglichkeiten: Entweder er verharrt mit dem Finger kurz auf dem Buchstaben. Je nach Regionseinstellung wird der Umlaut vorausgewählt und beim Loslassen in den Text eingefügt. Oder er wischt über den Buchstaben. Der Anwender tippt beispielsweise den Buchstaben a an und schiebt den Finger einfach nach oben, um ein ä zu bekommen. Auch mit dem ö, dem ü und dem ß funktioniert das. Das erfordert etwas Übung und ist fehleranfällig, Sondertasten wären besser. Wer mehrsprachig arbeitet, muss in den Systemeinstellungen des iPads zwischen den Sprachen hin- und herwechseln. Eine Dokumenteigenschaft, die die Sprache definiert, gibt es nicht.

Eine Stunde ist das Limit

Lange lässt sich mit dem iPad nicht arbeiten. Das Tippen ist ermüdend und spätestens nach einer Stunde sollte eine Pause eingelegt werden. Im Test gab es nach einer Dreiviertelstunde Tipparbeit erste Ermüdungserscheinungen. Je nach Position schmerzten Nacken, Finger oder Handgelenke. Viele dieser Probleme verschwinden, wenn eine externe Tastatur angeschlossen wird. Doch das bedeutet eben auch mehr Gewicht.

Mail, Kalender und Kontakte

Neben iWork sind für die tägliche Arbeit die Verwaltung der Kontakte, Termine und E-Mails wichtig. Wer Apples Adressbuch auf dem Mac oder die iPhone-App kennt, wird bei den Kontakten nichts Neues entdecken, allerdings ist das Adressbuch angenehm groß. Wer einen kostenpflichtigen MobileMe-Zugang besitzt, kann die Adressbücher ohne weiteres drahtlos synchronisieren und erspart sich so die ein oder andere iTunes-Synchronisierung.

Der Kalender des iPads ist gut gelungen. Das Einrichten verschiedener Kalender ist kein Problem, selbst die Monatsansicht bleibt dank des großen Displays übersichtlich. Vor allem die Listenansicht der Termine ist übersichtlich, sie beherrscht Apples iCal auf dem Mac noch nicht. Wer übrigens Googles Kalender nutzt und auch auf fremde Kalender zugreift, sollte unter der URL google.com/calendar/iphoneselect(öffnet im neuen Fenster) die Kalender auswählen, die per Caldav über das iPad aufgerufen werden können. Sonst sieht der Anwender nur den Standardkalender.

Apples E-Mail-Client ist wie auf dem Mac und dem iPhone dann ein schlechter E-Mail-Client, wenn es darum geht, die Daten inklusive der Ordnerstruktur online vorzuhalten. Die IMAP-Unterstützung ist minimal. Wer viele IMAP-Ordner in seinem E-Mail-Zugang hat, möchte gerne einige Ordner verstecken, aber das kann das E-Mail-Programm nicht. Ordner mit Unterordnern lassen sich auch nicht zusammenklappen, um in der Ordnerliste Platz zu sparen. Dennoch lässt es sich gut mit dem E-Mail-Programm arbeiten. Es gilt dasselbe wie für eine Textverarbeitung: Solange nur einfache und kurze E-Mails geschrieben werden müssen, geht das mit dem iPad erfreulich reibungslos.

Der Browser arbeitet mit der Webkit-Engine und ist ziemlich flott. Gröbere Anzeigefehler sind im Test nicht aufgetreten. Die Auflösung ist ausreichend und es ist angenehm, in der Höhe mindestens 768 Pixel zu haben - ein großer Vorteil gegenüber den meisten Netbooks. Webseiten, die in die Breite bauen, skaliert der Browser passend und nahezu unbemerkt herunter.

Kosten und Nutzen

Für iWork '09 muss der Anwender bezahlen. Die drei Programme Pages, Keynote und Numbers kosten 9,99 US-Dollar und sind im US-iTunes-Store verfügbar. Die deutschen Preise werden höchstwahrscheinlich bei 7,99 Euro liegen, da das Apples typischer Umrechnungskurs im App Store ist. Mail, Kalender und Kontakte gehören zum iPad-Lieferumfang. Das iPad soll in Europa Ende Mai 2010 erscheinen.

Fazit

Für längeres Arbeiten ist das iPad nur dann geeignet, wenn eine Tastatur angeschlossen wird. Sonst müssen zumindest immer Pausen eingelegt werden. Egal ob es um lange E-Mails oder Texte in Pages geht - mit einem Notebook arbeitet es sich effizienter und schneller. Allerdings werden diese Vorteile mit mehr Platzverbrauch und Gewicht aufgewogen. Genau hier punktet das iPad. Mit seiner langen Akkulaufzeit bei geringem Gewicht steht es ziemlich alleine da.

Vor allem die Anwendungen überzeugen. Die Büroprogrammsammlung iWork ist gut zu gebrauchen, solange keine layoutintensiven Dokumente bearbeitet werden müssen. Besonders überzeugend war Keynote als Präsentationsprogramm, in Verbindung mit einem Projektor ließen sich Präsentationen mit dem Tablet komfortabel an die Wand leuchten. Selbst Keynote-Folien, die nur auf dem iPad erstellt und bearbeitet wurden, sind bereits präsentabel. Für Pages und Numbers hingegen fehlt für den echten mobilen Einsatz eine Druckfunktion im iPad, die für das iPhone OS 4 bisher leider auch nicht angekündigt wurde. Um Dokumente zu drucken, müssen iPad-Nutzer also regelmäßig zu einem Mac oder Windows-PC zurück. Mac-Nutzer haben es dabei etwas einfacher, weil sie auch iWork-Dokumente bearbeiten können.

Das iPad ist mit seinen produktiven Anwendungen also eine Ergänzung, die nur in einigen Situationen das Notebook oder den großen Rechner ersetzen kann.


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