Spieletest: Alter Ego - Rätsel und Morde in England
Schauplatz in Alter Ego ist die Stadt Plymouth im Süden Englands zum Ende des 19. Jahrhunderts. Ein mysteriöser Adliger ist gestorben, dessen Ruf in der Bevölkerung schlechter kaum sein könnte: Er wird mit unzähligen seltsamen Morden in Verbindung gebracht. Sein Ableben lässt die Stadt allerdings nicht zur Ruhe kommen. Erst verschwindet seine Leiche, dann tauchen neue Opfer auf. Der Spieler muss also ermitteln – und das gleich in der Rolle von zwei unfreiwilligen Helden.

Neben dem etwas trotteligen Polizeiinspektor Bristol wird gelegentlich auch der Dieb Timothy Moor gesteuert. Der hat eigentlich ganz andere Probleme – eben erst ist er als blinder Passagier beraubt und verprügelt worden, jetzt will er so schnell wie möglich Plymouth verlassen und in die USA reisen. Unfreiwillig gerät er aber in den geheimnisvollen Fall hinein. Die Wege beider Helden führen teils zu denselben Schauplätzen, über weite Strecken lassen die Entwickler den Spieler die beiden Hauptstränge getrennt voneinander spielen und an vorgegebenen Stellen die Rollen wechseln.
Beiden Protagonisten ist gemeinsam, dass sie nicht gerade sympathisch sind. Tim etwa lässt den Spieler immer wieder an Gedanken teilhaben, die alles andere als freundlich sind – selbst hilfreiche Zeitgenossen werden als dämlich dargestellt. Auch bei seinen Aktionen kennt er kaum Skrupel: Wenn es dem Weiterkommen dient, wird auch mal ein blinder Musikant beraubt – und hinterher noch ein blöder Spruch darüber gemacht.
Kein Frust und keine Herausforderungen
Bei der Bedienung unterscheiden sich Polizist und Dieb nicht: Per Mausklick nehmen sie Gegenstände auf, untersuchen oder kombinieren sie. Um das Inventar zu öffnen, muss der Mauszeiger an den unteren Bildschirmrand geführt werden. Multiple-Choice-Gespräche machen einen Großteil der Spielzeit aus, immer wieder muss der Spieler das richtige Thema anschneiden, bevor es im Spiel weitergeht. Der Schwierigkeitsgrad ist äußerst niedrig – die Rätsel erschließen sich fast immer direkt aus dem Spielablauf. Frustrierende Wartephasen gibt es so zwar keine, wirkliche Kopfnüsse oder Denkpausen aber auch nicht.
Technisch hat Alter Ego im Vergleich zum mehr als fünf Jahre alten Black Mirror kaum Fortschritte gemacht. Bei den schönen und atmosphärischen Hintergründen stört das kaum, bei den hölzernen Animationen dafür umso mehr. Sogar die Lippenbewegungen der Akteure sind unerfreulich – wer die Lippen bewegt, ist selten der, dessen Stimme gerade aus den Boxen ertönt. Die deutsche Sprachausgabe ist zwar durchgängig professionell, allerdings nicht immer vollkommen identisch mit den Untertiteln und kaum in der Lage, den Charakteren echtes Leben einzuhauchen.
Alter Ego ist für Windows-PC erhältlich, hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren und kostet rund 40 Euro. Die Hardwareanforderungen sind moderat: 512 MByte RAM, ein Prozessor mit 1,5 GHz und 4 GByte Festplattenspeicher reichen für einen Ausflug nach Plymouth.
Fazit
Trotz gelungener Story und einfacher Bedienung kann Alter Ego nicht ansatzweise die Spannung und Atmosphäre aufbauen, die Black Mirror erschuf. Plymouth und seine Bewohner wirken hölzern und farblos, die Rätsel sind zu einfach, die Helden zu unsympathisch. Schade um das schöne Szenario – es hätte ein fesselnderes Abenteuer verdient.