• IT-Karriere:
  • Services:

ISO: Microsoft lässt OOXML-Standard verwaisen (Update)

Vorsitzender der Einspruchsberatung kritisiert mangelnde Umsetzung von Auflagen

Microsoft akzeptiert das von der ISO veränderte Dokumentenformat Office Open XML immer noch nicht und verwendet es nicht in seinen Produkten. Das kritisiert Alex Brown von der ISO.

Artikel veröffentlicht am ,

In einem Blogeintrag kritisiert Alex Brown - für die Einspruchsberatung bei der ISO zuständig -, Microsoft unternehme bislang keine Schritte, um die Auflagen umzusetzen, die das internationale Gremium dem Konzern bei der erstmaligen Zertifizierung des OOXML-Standards auferlegt hat. Auslöser der Kritik ist, dass Microsoft an seiner ursprünglich eingereichten, von der ISO aber abgelehnten Version des OOXML-Formats in der aktuellen Betaversion 2010 seines Office-Pakets festhält.

Stellenmarkt
  1. Der Polizeipräsident in Berlin, Berlin
  2. Landesbaudirektion Bayern, München

Brown sieht den ISO-Normierungsprozess in Gefahr und spricht von einem Scheitern, sollte Microsoft nicht einlenken.

Der Normierungsprozess stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Bei der ersten Eingabe des von Microsoft als offenes Dokumentenformat entwickelten OOXML (Ecma 376 1st Edition) bei der ISO wurden bereits Beschwerden aus mehreren nationalen Gremien laut. Sie bemängelten zunächst, die Dokumentation sei mit 6.000 Seiten viel zu umfangreich und nicht vollständig umsetzbar. Außerdem sei die Spezifikation zu sehr an Microsofts eigene Produkte gebunden. Die Zertifizierung von OOXML wurde zunächst von der Mehrheit der nationalen Gremien abgelehnt.

2008 reichte Microsoft das Format erneut zur Prüfung durch die nationalen Gremien der ISO ein. Im damaligen Normierungsprozess traten zunächst Unregelmäßigkeiten im Abstimmungsverfahren auf und einige nationale Gremien hatten neue Kritikpunkte an der Spezifikation. Schließlich stimmte die ISO der Spezifikation (ISO/IEC 29500) zu, allerdings wurden Microsoft umfangreiche Änderungen nahegelegt. Die ISO spaltete das Format in eine sogenannte Legacy-Version, die vorübergehend gelten sollte, und eine Strict-Version, die die auferlegten Änderungen beinhaltete. Damit wollte die ISO Microsoft Zeit geben, um die Auflagen der ISO zu erfüllen und in ihrem Format einzupflegen.

Der damalige Microsoft-Office-Manager Chris Capossela beschwichtigte 2008: "Wir haben der globalen Gemeinschaft zugehört und haben eine Menge gelernt. Wir sind verpflichtet, die Open-XML-Spezifikation in unseren Produkten umzusetzen, die von der ISO/IEC genehmigt werden."

Nun sind bei der Prüfung des in Microsoft Office 2010 Beta integrierten OOXML-Formats erneut die gleichen Unzulänglichkeiten entdeckt worden, was darauf hinweist, dass Microsoft selbst nichts unternommen hat, um die auferlegten Änderungen umzusetzen. Unter den Mängeln ist die Integration des VML-Formats (Vector Markup Language), das selbst von Microsoft als veraltet betitelt wird.

Brown sieht nun die Normierung von OOXML bedroht. Zunächst müsse sich Microsoft erneut öffentlich verpflichten, den strikten Standard umzusetzen und spätestens in einem Service Pack nachzuliefern. Gegenwärtig gibt sich Brown allerdings nicht optimistisch: "Wir befinden uns an einem Scheideweg und mir scheint, dass das ganze OOXML-Projekt ohne Einlenken auf einen Misserfolg zusteuert."

Nachtrag vom 7. April 2010, 17:30 Uhr:

Inzwischen hat sich Microsoft-Mitarbeiter Doug Mahugh in seinem Blog zu den Vorwürfen geäußert. Darin erklärt er, die von der ISO zertifizierten Strict-Version spätestens mit der nächsten Office Version komplett zu unterstützen. In Office 2010 werde diese Variante lediglich für das Einlesen solcher Dokumente implementiert. Man wolle eng mit ISO zusammenarbeiten um das Format umzusetzen.

Gleichzeitig wollen die Entwickler bei Microsoft eng mit der Community zusammenarbeiten, um eine Bibliothek zu entwickeln mit der Dokumente auf ihre Interoperabilität geprüft werden kann. Microsoft habe bereits aktiv an einem entsprechenden Projekt am Fraunhofer-Institut mitgearbeitet.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

e_Bert 08. Apr 2010

Nein, das tut es nicht. Selbst die aktuelle Version 3.2 kann das nicht und wenn Du die...

Gerlion 07. Apr 2010

Google Docs nutzt auch ODF, leider hält es sich dabei auch nicht an den Standard.

Gerlion 07. Apr 2010

Leider sieht es bei ODF ziemlich genauso aus. Alles Mist.

Ingenieur 07. Apr 2010

Zumal sich bis heute kein einziges Programm an den Standard hält. Dazu kommt, dass der...

genervter Leser 07. Apr 2010

Spätestens als bekannt wurde das Microsoft kleine Partnerunternehmen dazu aufgefordert...


Folgen Sie uns
       


5G: Nokias und Ericssons enge Bindungen zu Chinas Führung
5G
Nokias und Ericssons enge Bindungen zu Chinas Führung

Nokia und Ericsson betreiben viel Forschung und Entwicklung zu 5G in China. Ein enger Partner Ericssons liefert an das chinesische Militär.
Eine Recherche von Achim Sawall

  1. Quartalsbericht Ericsson mit Topergebnis durch 5G in China
  2. Cradlepoint Ericsson gibt 1,1 Milliarden Dollar für Routerhersteller aus
  3. Neben Huawei Telekom wählt Ericsson als zweiten 5G-Ausrüster

Pinephone im Test: Das etwas pineliche Linux-Phone für Bastler
Pinephone im Test
Das etwas pineliche Linux-Phone für Bastler

Mit dem Pinephone gibt es endlich wieder ein richtiges Linux-Telefon, samt freier Treiber und ohne Android. Das Projekt scheitert aber leider noch an der Realität.
Ein Test von Sebastian Grüner

  1. Linux Mehr Multi-Touch-Support in Elementary OS 6
  2. Kernel Die Neuerungen im kommenden Linux 5.9
  3. VA-API Firefox bringt Linux-Hardwarebeschleunigung auch für X11

Vivo X51 im Test: Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera
Vivo X51 im Test
Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera

Das Vivo X51 hat eine gute Kamera mit starker Bildstabilisierung und eine vorbildlich zurückhaltende Android-Oberfläche. Der Startpreis in Deutschland könnte aber eine Herausforderung für den Hersteller sein.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Software-Entwicklung Google veröffentlicht Android Studio 4.1
  2. Jetpack Compose Android bekommt neues UI-Framework
  3. Google Android bekommt lokale Sharing-Funktion

    •  /