Mainframes - IBM droht freiem Emulator

Französischem Start-up Turbohercules wurde Klage angedroht

IBM, Weltmarktführer bei Mainframes, ist nicht glücklich über Konkurrenz aus dem Open-Source-Lager. Dem französischen Start-up-Unternehmen Turbohercules SAS droht ein Manager, der bei IBM für Großrechner zuständig ist, unverhohlen mit einer Patentverletzungsklage.

Artikel veröffentlicht am , Meike Dülffer

Ein kleines französisches Softwareunternehmen namens Turbohercules hat sich den Zorn der IBM-Mainframe-Götter zugezogen. Schuld daran ist ein Stück Open-Source-Software namens Hercules, das Turbohercules vermarkten will. Hinter dem großen Namen verbirgt sich ein Emulator für IBM-Mainframe-Betriebssysteme. Hercules erlaubt es, Programme, die ursprünglich für IBM-Großrechner geschrieben wurden, auf PC-Hardware laufen zu lassen.

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Das Hercules-Projekt wurde ursprünglich von Roger Bowler ins Leben gerufen, der auch Turbohercules gegründet hat. Mit Turbohercules hat sich Roger Bowler das Ziel gesetzt, Hercules zu vermarkten. Er strebe an, schrieb Bowler vor knapp einem Jahr, "eine zufriedenstellende Lizenzvereinbarung [mit IBM] zu treffen, die es erlaubt, aktuelle Mainframe-Betriebssysteme auf gewöhnlicher OEM-Hardware laufen zu lassen... Das werden interessante Zeiten für den Mainframe."

IBM ist von Bowlers Plänen alles andere als angetan. Der Weltmarktführer bei Mainframes sieht offensichtlich seine Mainframe-Pfründe durch die kleine französische Firma Turbohercules akut bedroht. Anders lässt sich ein Schreiben von IBM-Vizepräsident Mark S. Anzani an Roger Bowler von Mitte März kaum interpretieren. Dort heißt es unter anderem: "IBM hat viele Jahre und viele Milliarden Dollar in die Entwicklung der z-Architektur und -Technologie investiert. Es ist allgemein bekannt, dass IBM umfangreiches geistiges Eigentum in diesem Bereich besitzt. IBMs Klage gegen PSI unter anderem wegen Patentverletzung und Missbrauch von Geschäftsgeheimnissen ist öffentlich dokumentiert und in der Industrie gut bekannt. Nach Ihrer eigenen Aussage emuliert Ihr Produkt signifikante Teile von IBMs proprietärem Befehlssatz und IBM hält viele Patente, die deshalb verletzt werden würden... IBM ist deshalb über die Verletzung von patentierter IBM-Technologie besorgt."

Im Anhang des Schreibens liefert Anzani eine Aufstellung mit insgesamt 173 Patenten, die IBMs Mainframe-Technologie vor Wettbewerbern schützen sollen.

Versprechen gebrochen

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Der Open-Source-Lobbyist Florian Müller weist in einem Blogeintrag darauf hin, dass zwei der von IBM aufgelisteten Patente - Nr. 5,613,086 und Nr. 5,220,669 - 2005 bereits einmal auf einer anderen Liste mit IBM-Patenten standen. Damals hatte IBM "rechtlich verbindlich" erklärt, dass die beiden Patente (zusammen mit 498 weiteren) "kostenlos... für die Entwicklung, Verbreitung und Nutzung von Open-Source-Software" zur Verfügung gestellt würden.

IBMs Drohungen gegen Turbohercules kritisiert Müller heftig: "Dieser Bruch des Versprechens ist unglaublich. Aber ich habe ja nie daran geglaubt, dass es IBM ernst damit war."

Pikant ist an der Angelegenheit, dass IBMs Verkaufserfolge in Europa auch in dem bei Kunden beliebten Einsatz von Linux auf dem Mainframe begründet liegen.

In jedem Fall sollte IBMs Verhalten den Argwohn der europäischen Wettbewerbshüter wecken. Darauf setzt auch Turbohercules. Das Unternehmen hat bei der EU-Kommission eine Antitrust-Beschwerde gegen IBM eingereicht. IBM wehrt sich gegen die Vorwürfe und erklärte, Turbohercules wolle "IBMs massive Investitionen in den Mainframe" für eigene Zwecke "ausnutzen".

In Indien sieht sich IBM bereits seit einiger Zeit mit Vorwürfen der Wettbewerbsbehinderung konfrontiert. Dort soll der US-Mainframe-Gigant rund 50 Prozent Marktanteil haben. [von Robert A. Gehring]

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Dr. Pillepalle 20. Apr 2010

Weder die Hardware noch die Wartung ist der masive Kostenblock. Die...

other 07. Apr 2010

@.....: kommt darauf an, welchen lm-mode man einstellt. Man kann auch mehr als 80x43...

watcher 07. Apr 2010

Ja, das war schon ein kluger Schachzug von IBM, Eclipse an die Open Source Community...

michaelz 06. Apr 2010

Egal wie das Verfahren ausgeht. Ein kleines Unternehmen oder ein Entwickler allein kann...



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