Russische und chinesische Gebote für ICQ
AOL macht Fortschritte beim Verkauf des Instant-Messaging-Dienstes ICQ. Zwei russische und ein chinesisches Unternehmen sollen verbindliche Gebote für die Firma abgegeben haben, schreibt die russische Zeitung Wedomosti(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf informierte Kreise. Die Bieter sind das russische Medienunternehmen Prof-Media, die russische Internet Holding Digital Sky Technologies (DST) und das chinesische Unternehmen Tencent, das Produkte für Internet und Mobilfunk anbietet. Die Firmen haben sich gegenüber Wedomosti nicht zu den laufenden Verkaufsgesprächen geäußert.
Der Medienkonzern Time Warner hatte seine schrumpfende Internetsparte AOL im Dezember 2009 ausgegründet und verkauft Beteiligungen außerhalb des Kerngeschäfts. Mirabilis hatte das populäre Instant-Messaging-Programm ICQ entwickelt. AOL zahlte für das israelische Unternehmen im Jahr 1998 über 400 Millionen US-Dollar. Aktuell fordert AOL für ICQ 300 Millionen US-Dollar.
Prof-Media hat für ICQ laut den Quellen von Wedomosti rund 120 Millionen US-Dollar geboten. Das Angebot von DST soll ähnlich hoch sein. Zuvor hatte eine Quelle gegenüber dem Wall Street Journal geäußert, DST könne 200 bis 250 Millionen US-Dollar bieten.
DST betreibt den Webmailer Mail.ru, zu dem der Instant-Messaging-Dienst Agent@Mail.ru mit monatlich etwa 12 Millionen Nutzern gehört. ICQ ist dessen Hauptkonkurrent in Russland.
Prof-Media besitzt den Messenger Rambler. Rambler ist seit 2005 Partner von ICQ, gemeinsam wurde eine russische Version des Messengers herausgebracht. Bei Rambler hat ICQ derzeit 5 Millionen Nutzer.
Zu Tencent gehört wiederum einer der beliebtesten Messenger in China, QQ.
Die Mehrheit der Nutzer von ICQ ist russischsprachig. Ihr Anteil entspricht 44 Prozent, das sind rund 18,5 Millionen Nutzer von insgesamt 42 Millionen. Das hatte ICQ im März 2010 mitgeteilt. AOL hatte noch weitere russische Unternehmen aufgefordert, sich um ICQ zu bewerben.
[von Meike Dülffer und Achim Sawall]