Spieletest: Final Fantasy 13 - spektakuläres Rollenspielepos

Final Fantasy 12 patzte vor allem in einem Punkt - bei der Handlung. Kein Wunder also, dass Square Enix bei Teil 13 der legendären Serie besonderes Augenmerk auf eine überzeugende Geschichte legt, ohne den berühmt-berüchtigten Kitsch und Pathos der Reihe zu vernachlässigen. Im Kern geht es um zwei verfeindete Welten - die von Cocoon und Pulse. Nach Jahren der Propaganda sind die Bewohner Cocoons davon überzeugt, dass Pulse die Wurzel allen Übels ist. Jeder Bewohner von dort wird als Todfeind gebrandmarkt, militärische Truppen ziehen an den Grenzen auf, der Konflikt droht immer weiter zu eskalieren.

Allerdings ist das nur die oberflächliche Wahrheit - denn hinter dem Konflikt steckt deutlich mehr. Da gibt es etwa rätselhafte Fabelwesen namens Fal’Cie, die die Macht über Cocoon besitzen, aber auch irgendetwas mit den Vorgängen in Pulse zu tun haben. Hinzu kommen plötzliche Zwangsumsiedelungen: Die Regierung von Cocoon erklärt vermeintliche Unterstützer von Pulse als geächtet und verschleppt sie. Eine dieser zwansumgesiedelten Personen ist die Schwester der Soldatin Lightning - einer der sechs Heldinnen und Helden von Final Fantasy 13. Natürlich lässt Lightning diese Ereignisse nicht tatenlos geschehen, sondern unternimmt alles, um ihr Familienmitglied zurückzuholen. Schon bald gesellen sich weitere männliche und weibliche Personen dazu, die auf den ersten Blick ähnliche Interessen haben, aber durch ganz unterschiedliche Beweggründe motiviert sind - der Spieler ahnt zu Beginn nur, was das bunt gemischte Sextett wohl alles im Schilde führen könnte.






















Natürlich ist diese Geschichte nicht in jeglicher Hinsicht innovativ, sondern borgt sich Elemente zahlreicher bekannter historischer Konflikte. Wie sich das Ganze entfaltet, ist allerdings meisterhaft - jeder Charakter hat seinen eigenen Erzählstrang, der sich nach und nach mit denen der anderen Helden überschneidet. Zahlreiche Rückblenden lassen den Spieler immer mehr über die Hintergründe erfahren, und große Überraschungen warten nicht erst am Ende des Spiels - auch zwischendrin passieren Wendungen, die so wohl die wenigsten vorher erwartet hätten. Nicht jeder, der böse erscheint, ist es am Ende auch.
Schwierigkeit zieht spät an
Die Handlung wird allerdings durch einen spielerischen Nachteil erkauft: Final Fantasy 13 ist über weite Strecken, vor allem in den ersten zehn Spielstunden, extrem linear. Die Welten sind oft nicht frei zu erkunden, sondern geben dem Spieler fast schon schlauchartig vor, in welche Richtung er sich bewegen muss, Markierungen heben den nächsten Aktionspunkt eindeutig hervor. Ähnliches gilt auch für die Charakterentwicklung mit einer vergleichsweise geringen Anzahl von Eigenschaften, die nur in eingeschränktem Maße freigestellt sind. Im Grunde bewegt sich jeder Held auf vorgezeichneten Bahnen.






















Veteranen von Final Fantasy wird zudem die geringe Anzahl an Nebenquests missfallen: Zwar sind etwa in der Mitte des Spiels einige kleinere Aufträge wie Jagdmissionen zu erfüllen, im Großen und Ganzen sind die Aufgaben aber nach vorgegebenem Schema abzuarbeiten. Auch Interaktion mit Bewohnern der Welt gibt es kaum. Final Fantasy 13 ist noch in einem weiteren Punkt eher serienuntypisch: Der Schwierigkeitsgrad ist in den ersten Stunden fast schon unnatürlich niedrig.

Die anfänglichen Gefechte überstehen auch Einsteiger problemlos und ohne viel Üben - Aktionsknopf drücken und abwarten, der Rest ergibt sich fast von selbst. Wer doch mal stirbt, wiederholt das Gefecht einfach, die optimale Aktion schlägt oft das Spiel selbst vor; nach dem Kampf wird zudem automatisch geheilt. Erst in der zweiten Hälfte, mit neuen Skills und Klassen, zieht vor allem in Bosskämpfen die Qualität der Kämpfe und die Komplexität der Angriffsmöglichkeiten sprunghaft an. Taktisches Vorgehen ist dann bei der Auswahl der kämpfenden Dreiergruppe zwingend notwendig, um die Kontrahenten möglichst schnell in einen Schockzustand zu versetzen und so besser bezwingen zu können; erfahrene Rollenspieler könnten zu diesem Zeitpunkt aber die Lust aufgrund mangelnder Herausforderungen verloren haben.
Packend und schön erzählte Handlung
Das Kampfsystem selbst ist ein Mix aus Echtzeit und rundenbasierten Aktionen. Mit Hilfe eines Aktionsbalkens legt der Spieler vorab fest, welche Angriffe oder Magieeinsätze sein jeweiliger Held ausführt. Der Balken bietet nur einen begrenzten Platz, jede Aktion beansprucht ihren Teil davon. Nach Kampfbeginn werden die Aktionen dann einzeln abgearbeitet. Der Spieler steuert immer nur einen Held, der Rest der Party agiert selbstständig. Damit das im eigenen Interesse geschieht, gibt es sogenannte Paradigmen - auswählbare Verhaltensmuster, die der Partei vorgeben, wie sie agieren soll.

Optisch ist Final Fantasy 13 der erwartete Hochgenuss. Zwar wirken vor allem Nebenfiguren im Vergleich zur Heldentruppe etwas detailarm, die Animationen, die zahllosen vorberechneten oder in Spielgrafik dargestellten Zwischensequenzen und die vielseitigen Kontrahenten, die auch im Gefecht noch ihre Form wechseln, sind aber wunderbar anzusehen. Schön ist zudem, wie fließend die Übergänge von Natur- zu Science-Fiction-Arealen funktionieren - eben läuft der Spieler noch über eine grüne Wiese, schon kämpft er dann auf futuristischen Metalstreben - und trotzdem wirkt alles wie aus einem Guss. Auch der Soundtrack, die Sprachausgabe und die deutsche Übersetzung der Texte bieten kaum Anlass zur Klage.






















Final Fantasy 13 erscheint nicht nur für Playstation 3, sondern auch für Xbox 360 - eine Neuerung für die in der Vergangenheit exklusiv an Sony gebundene Serie. Beide Varianten unterscheiden sich in Details - einerseits in Bezug auf Datenträger und Ladezeiten, andererseits im Hinblick auf die grafische Qualität. Final Fantasy 13 kostet rund 60 Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten.
Fazit
Eingeschränkte spielerische Freiheit und zumindest die ersten paar Stunden leichtere Kämpfe - Final Fantasy 13 setzt auf Massentauglichkeit. Was für Rollenspielpuristen zumindest nach dem Start ein Ärgernis ist, sollte Genreneulinge, aber auch Anhänger toller Geschichten freuen: Die wunderschöne Inszenierung und die spannende, aus mehreren Perspektiven erzählte Story profitieren spürbar von der Straffung und machen den Titel zu einem faszinierenden Abenteuer und einem weiteren Höhepunkt der legendären Reihe.



